Wie Im Himmel – Bericht von Johannes Kösegi

„Wie im Himmel“ und „Wie auf Erden“ als Special Edition

Zwei sehenswerte dramatische Komödien aus Schweden

Nicht nur für Freunde des skandinavischen Kinos bringt StudioCanal in einer Special Edition die beiden Filme „Wie im Himmel“ und „Wie auf Erden“ erstmals auf Blu-ray Disc heraus. Beide sind etwa 130 Minuten lang und entstanden in einem zeitlichen Abstand von über 10 Jahren, sind aber als Fortsetzung gedacht. Als Extras gibt es ein Making of, Wie alles begann, Interviews, Gabriellas Song, Lenas Song, schwedische und deutsche Kinotrailer mit einer Gesamtdauer von etwa einer Stunde.

Der schwedische Regisseur Kay Pollak, nicht zu verwechseln mit dem Amerikaner Sidney Pollack (1934-2008; „Jenseits von Afrika“, „Die Dolmetscherin“), wurde 1938 in Göteborg geboren und studierte zunächst Mathematik und Statistik, was er mit Promotion abschloss. Schon an der Universität engagierte er sich als Regisseur, Autor und Schauspieler beim Studententheater. Ab den späten 1960er-Jahren arbeitete er als Regisseur für das Fernsehen. 1976 drehte Pollak seinen ersten eigenen Spielfilm „Elvis! Elvis!“. „Heimliche Ausflüge“ (1980) wurde mit dem schwedischen Guldbagge-Preis für die beste Regie ausgezeichnet und lief ebenso auf der Berlinale wie sein nächstes Projekt „Love Me!“ (1986). Danach zog sich Kay Pollak für lange Zeit vom Film zurück, um zu schreiben und Seminare abzuhalten. Mit „Wie im Himmel“ (2004) kehrte er nach 18 Jahren zum Kino zurück und feierte seinen größten Erfolg als Regisseur. Bis zur Fortsetzung „Wie auf Erden“ vergingen wieder gut zehn Jahre. Zwischendurch widmete sich der dreifache Vater dem Schreiben und hat 2007 mit großem Erfolg das psychologische Ratgeberbuch „Durch Begegnungen wachsen“ veröffentlicht, das sich allein in Schweden über 100.000 Mal verkaufte und in sieben Sprachen übersetzt wurde. Diesem Plädoyer für den Wert der Kommunikation folgte 2008 „Für die Freude entscheiden – Die Gebrauchsanweisung für ein glücklicheres Leben“.

Kay Pollaks großes Wissens- und Erfahrungsspektrum spiegelt sich auch in den beiden erfolgreichen Filmen „Wie im Himmel“ und „Wie auf Erden“ wider. Mit ihnen wollte er eine universelle Geschichte erzählen „von der Sehnsucht danach, dem anderen ganz und gar offen und ohne Angst zu begegnen“. Der weltberühmte Dirigent Daniel Dareus zieht sich nach einem schweren Kollaps in das nordschwedische Dorf seiner Kindheit zurück, wo er sich Stille erhofft. Die Einsamkeit ist aber nur von kurzer Dauer. Denn er wird als Kantor zum Retter des Kirchenchores bestimmt. Zögernd begibt er sich wieder hinters Dirigentenpult und gerät dadurch in die starren Verstrickungen einer Dorfgemeinschaft. Bei seiner Arbeit mit dem bunt zusammengesetzten Chor der kleinen Gemeinde entfaltet sich vor ihm allmählich ein ganzer Mikrokosmos menschlicher Sorgen und Nöte. Er ist überglücklich, als er erkennt, dass er mit Hilfe der Musik einen Weg in die Herzen der anderen findet. Das ist die Erfüllung seines Traums, mit dem er vor Jahrzehnten aus dieser Gegend aufgebrochen war. Er scheitert fast an Vorurteilen und totgeschwiegenen Eheproblemen, doch er findet die Liebe. Die Chorproben legen Emotionen frei, es wird geschrien, geweint und sogar geprügelt. Aber der Chor wächst zusammen zu einem einheitlichen reinen Klangkörper. Daniel muss immer noch kämpfen gegen Missgunst und Unverständnis und sein krankes Herz. Aber schließlich wird sein Traum wahr, Musik zu machen und damit die Herzen zu öffnen.

„Wie im Himmel“ war in Schweden einer der größten Kinohits der jüngeren Vergangenheit. Begeisterte Kritiken in seiner Heimat und in der internationalen Presse bescherten dem 66-jährigen Autor und Regisseur Kay Pollak einen regelrechten Triumph nach fast 20 Jahren Filmabstinenz. Denn als sein letzter Film „Love me!“ in Schweden startete, wurde der beliebte Premierminister Olof Palme ermordet. Diese Tat traumatisierte Schweden und bewog Pollak dazu, sich vom Filmemachen abzuwenden. Fast 18 Jahre lang reiste er als Seminarleiter durch sein Heimatland und hielt Vorträge und Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung. Seine Frau brachte den Mann mit den vielen Interessen schließlich dazu, mit „Wie im Himmel“ wieder einen Film zu verwirklichen. Nach ausführlichen Gespräche mit Chorleitern und -sängern entwickelte er nach und nach ein Skript. Die Dreharbeiten waren langwierig und gelegentlich turbulent. Im September 2004 startete der Film in Schweden und entwickelte sich nach zahlreichen guten Kritiken zu einem großartigen Erfolg in den Kinos. Zwei Monate lang führte „Wie im Himmel“ die schwedischen Kinocharts an und erreichte bis heute über zwei Millionen Zuschauer, bei einer Einwohnerzahl in Schweden von gut acht Millionen, und erhielt eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film.

In der Fortsetzung „Wie auf Erden“ (2015) wird die Geschichte nach Daniels Tod weitererzählt. Seine Freundin Lena bringt ihr gemeinsames Kind zur Welt, übernimmt die Leitung des Kirchenchors und führt das Werk des charismatischen Künstlers fort. Ihre ungestüme Art überfordert manches Gemeindemitglied und ruft Neider und Widersacher auf den Plan. Ein Jubiläumskonzert mit der Aufführung von Händels „Halleluja“ soll die Kirchenbänke wieder füllen. Ähnlich wie Daniel wendet auch Lena ungewöhnliche Methoden an und öffnet den Chor für alle Interessierten. Damit wird die Kirche wieder voll und der Pastor überzeugt.