Straßenfeger 18 – Das Ding, Härte 10- Bericht von Johannes Kösegi

Zwei unvergessene TV-Mehrteiler aus den 1970-Jahren

In seiner „Straßenfeger“-Edition bietet Studio Hamburg Enterprises wertvolle Schätze aus den Fernseharchiven. Meist sind es DVD-Premieren von noch nie oder selten wiederholten Sendungen. Nicht nur hauseigene Produktionen aus Hamburg oder der ARD werden geboten, sondern auch viele ZDF-Klassiker, darunter viele Serien aus der Gründerzeit des Fernsehens. Mit viel Aufwand wurde das teils schlecht erhaltene Originalmaterial digital restauriert und mit Bonusmaterial und zusätzlichem Informationsmaterial versehen. Es sind durchweg wertvolle Filme und Serien aus den 1960er und 1970er Jahren, als das deutsche Fernsehen noch in den Startlöchern stand. Damals gab es zwei Programme und traumhafte Einschaltquoten, von denen jeder auf die Quote blickende Fernsehdirektor heute nur träumen kann.

Einige Krimi-Mehrteiler nach Francis Durbridge erreichten Traumergebnisse von bis zu 90 Prozent Sehbeteiligung. Nie waren die Produktionen vielfältiger, denn je größer das Zuschauerpublikum wurde, desto unterschiedlicher waren die Geschmäcker der Konsumenten. In dieser Zeit überholte das Fernsehen Radio und Kino als audiovisuelle Leitmedien. Die „Straßenfeger“-Edition bildet die unterschiedlichen Phasen dieser besonderen Epoche ab.

Die erste Phase („Eine Nation hält den Atem an“) widmet sich vor allem Francis Durbridge mit seinen raffiniert konstruierten Fällen. Sie eröffnen dem deutschen Zuschauer den faszinierenden TV-Kosmos des Verbrechens, der ihn von da an nicht mehr loslässt. Das Erzählmuster ist klassisch: Ein Ermittler sammelt Indizien, verhört Zeugen und besteht Gefahren, bis er am Ende mit Beharrlichkeit und Köpfchen den Verbrecher dingfest macht.

In der zweiten Phase („Vom Kammerspiel zum Krimireißer“) stehen Actionfilme und Thriller im Mittelpunkt. Die Nachfolger des englischen Gentleman-Ermittlers kämpfen mit härteren Bandagen. Der Blick nach Amerika liefert die Vorbilder, Action-Filme und Thriller sind groß in Mode. Vor allem der Kalte Krieg mit Geheimdiensten, Spionage, Sabotage, Geiselnahme und politischem Mord sorgt für neue Krimistoffe in der DDR wie in der BRD. Die Bilder werden schneller, die Musik wird fetziger und die Akteure authentischer.

Die dritte Phase („Klassiker und Remakes“) zeigt Vorläufer der aktuellen Krimireihen wie „Das Kriminalmuseum“, außerdem Parodien wie die Geldfälscher-Komödie „Millionen nach Maß“ mit Curd Jürgens oder ein Remake von „Die zwölf Geschworenen“ mit Mario Adorf, aber auch Altbewährtes wie den DDR-Spionage-Thriller „Das unsichtbare Visier“.

Die vierte Phase („Ermittler, Exotik & illegaler Grenzverkehr“) bringt ein Wiedersehen mit „Privatdetektiv Frank Kross“ und Superdetektiv „Cliff Dexter“ oder sorgt mit „Das grüne Ungeheuer“ für exotische Abenteuerstimmung. Schmuggel und Zollbetrug führen bei „Es geschah an der Grenze“ und „Eurogang“ zu illegalem Grenzverkehr. Die erfolgreichste ARD-Krimi-Serie „Sonderdezernat K1“ ist ebenso vertreten wie der erste deutsche Krimi-Mehrteiler „Gesucht wird Mörder X“.

Innerhalb der zweiten Phase bietet Studio Hamburg mit der Folge 18 die beiden beliebten Mehrteiler „Das Ding“ und „Härte 10“ aus den 1970er Jahren in einer Box mit 5 DVDs. Neben den offiziellen 624 Minuten Laufzeit gibt es etwa zwei Stunden Extras mit längeren Interviews mit den Darstellern Horst Janson und Uwe Ochsenknecht. Ein Begleitheft liefert interessante Hintergrundinformationen.

Der fesselnde zweiteilige Actionfilm „Das Ding“ lief erstmals 1979 im ZDF. Die Wehrdienstleistenden Rocky (Wayne Laryea), Sprinter (Stephan Schwartz), Engelchen (Uwe Ochsenknecht) und Joker (Stephen Conolly) sind unzufrieden mit ihrem Leben. Zusammen mit ihrer Komplizin Michaela (Caroline Chaniolleau) schmieden die fünf Freunde einen vermeintlich genialen Plan. Um an Geld zu kommen möchten sie einen Geldtransporter mit Fünf-Mark-Stücken überfallen. Doch es läuft alles schief und aus Freundschaft wird Rivalität, anfängliches Misstrauen mündet in Hass, Rache und Mord. Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Letzte Ausfahrt Brooklyn“) inszenierte nach der Buchvorlage von Franz Josef Wagner, der selbst einen kleinen Auftritt hat, einen ausgefeilten Krimi. Im Begleitheft wird ausführlich beschrieben, dass die Dreharbeiten ebenso spannend und dramatisch waren wie die Filmhandlung.

1974 wurde in der ARD die fünfteilige Abenteuerserie „Härte 10“ mit großem Erfolg ausgestrahlt. Unter den deutschen Hauptdarstellern sind neben Horst Janson vor allem Wolfgang Kieling und Arthur Brauss bekannt. Der Titel bezieht sich auf den härtesten Stoff der Erde, Diamant, eine besonders begehrte Modifikation des Elements Kohlenstoff. Mindestens genauso hart ist das brutale Geschäft mit den ungeschliffenen Steinen. Die attraktive Nadine Mercier (Olga Georges-Picot) erfährt dies am eigenen Leib, denn sie gerät über ihren Geliebten zum Diamantenschmuggel. Verzweifelt versucht sie, dem kriminellen Leben zu entfliehen und heiratet einen wohlhabenden Industriellen. Doch die Vergangenheit holt sie ein in diesem atemberaubenden Abenteuer um Gier, Leidenschaft und edle Steine. Die aufwändige Produktion von Karl-Heinz Willschrei („Lobster“, „Tatort“, „Der Alte“, „Ein Fall für Zwei“), der auch am Drehbuch mitschrieb, verschlang sechs Millionen D-Mark und wurde in Johannesburg, Kapstadt, in der Wüste Kalahari, Brüssel, Antwerpen, München und in der französischen Provinz gedreht. Die Besetzung ist bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend mit bekannten Gesichtern wie Georg Marischka, Herbert Fux, Horst Naumann und dem späteren „Alten“ Rolf Schimpf.