Luc Besson – Bericht von Johannes Kösegi

2 Filme von Luc Besson zeigen die Stilvielfalt in seinem Werk

Der am 18. März 1959 in Paris geborene Filmregisseur Luc Besson gilt mit seinen Hochglanzfilmen als der „französische Steven Spielberg“ und Antipode der Nouvelle Vague, die sich dem Mainstreamkino entsagte. Zwei Blu-ray Neuerscheinungen bei StudioCanal zeigen die große thematische Breite von Bessons Filmschaffen. Seine Eltern arbeiteten als Tauchlehrer für den Club Méditerrannée, dadurch verbrachte viel Zeit seiner Kindheit auf griechischen und jugoslawischen Inseln. Nach eigenen Aussagen ist er als Zehnjähriger erstmals einem Delphin begegnet und mit dem Tier stundenlang im offenen Meer geschwommen, bis es dunkel wurde.

Fasziniert war er einige Zeit später von einem Dokumentarfilm über den „free diving champion“. Seitdem habe ihn das „Blau“ nicht mehr losgelassen. Ein folgenschwerer Tauchunfall beendete Bessons Kindheitstraum, ein Delphinologe zu werden, weshalb er konsequent an seinem Einstieg als Filmemacher arbeitete. Er befasste sich praktisch und durch Literaturstudium vor allem mit dem Mainstreamkino. Drei Jahre nach seinem ersten Erfolg mit „Subway“ konnte er 1988 endlich seinen lang gehegten Traum verwirklichen und den großartigen Taucherfilm „Im Rausch der Tiefe – Le Grand Bleu“ drehen, der allein in Frankreich über neun Millionen Zuschauer in die Kinos lockte.

Das Drama ist fiktional, erinnert aber etwas an die die Erlebnisse der Rekord-Apnoetaucher Jacques Mayol aus Frankreich und Enzo Maiorca aus Italien. Die Doppel-BD enthält neben der Kinofassung (138 Minuten) und dem Director’s Cut (168 Minuten) als Bonus ein Making-of (90 Minuten). In den 1960er Jahren lieferten sich die beiden Protagonisten viele Duelle und stellten Rekorde auf. Die Hauptdarsteller Jean Reno und Jean-Marc Barr bereiteten sich durch intensives Tauchtraining auf ihre Rollen vor. Keiner der beiden ließ sich in den Unterwasserszenen bis zu 40 Metern Tiefe doubeln. Der echte Jacques Mayol fungierte während der neunmonatigen Dreharbeiten als technischer Berater.

In der Filmgeschichte wachsen Jacques und Enzo auf einer kleinen griechischen Insel auf. Beide sind vom Tauchen begeistert. Jacques kann am tiefsten tauchen und Enzo am längsten unter Wasser bleiben. Zwanzig Jahre später treffen sie sich bei Taormina vor der Küste Siziliens erneut, als Konkurrenten in derselben subaquatischen Meisterschaft. Die Herausforderung lautet nicht nur am tiefsten Tauchen, sondern auch über die längste Zeitspanne hinweg. Das Wetttauchen wird zu einem packenden Duell der beiden Jugendfreunde. Später bei einem Weltrekordversuch in Griechenland stirbt Enzo kurz nach dem Auftauchen. Davon traumatisiert startet Jacques einen nächtlichen Tauchgang und verschwindet in den Tiefen des Meeres, begleitet von einem Delphin. So endet dieser mit beeindruckenden Unterwasseraufnahmen gespickte Film auf tragische Weise.

1999, fünf Jahre nach seinem international bekanntesten Film „Léon – Der Profi“, inszenierte Luc Besson das Historienepos „Jeanne d’Arc“ (158 Minuten) über die Freiheitskämpferin, französische Nationalheldin und Heilige, Jungfrau von Orléans mit Milla Jovovich in der Titelrolle. Die Tochter wohlhabender Landleute fühlt sich während des Hundertjährigen Krieges im 14./15. Jahrhundert durch Stimmen berufen, dem Dauphin Charles de Valois (John Malkovich) nach Reims zur Krönung zu führen und Frankreich von den Engländern zu befreien. Am 15. Februar 1429 wird sie von Karl im Schloss Chinon empfangen und erhält die Erlaubnis, in Männerkleidern und bewaffnet das französische Heer zu begleiten. Durch ihren Einfluss gelingt dem Heer die Aufhebung der englischen Belagerung von Orléans, was zur entscheidenden Wende im Krieg und zur Kröning Charles zu Karl VII. in Reims führt. In weiteren Kämpfen hat Jeanne d’Arc weniger Erfolg. Am 15. März 1430 gerät sie bei Compiègne in die Gefangenschaft der Burgunder, die mit den Engländern verbündet sind und Jeanne diesen ausliefern. Der französische Hof lässt sie im Stich, sie wird nach Rouen gebracht, von einem geistlichen Gericht als Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bereits von den Zeitgenossen als Heldin verehrt wird ihre Verurteilung 1456 kirchlich aufgehoben, im 20. Jahrhundert wird sie selig- und heiliggesprochen und zur zweiten Patronin Frankreichs erklärt. Der mit schnellen Schnitten und abrupten Szenenwechseln geprägte Film erzählt Johannas Geschichte weitgehend chronologisch, mit einem größeren Zeitsprung. Das Gewissen, mit dem die Heldin zwischen Wahn und Wirklichkeit Dialoge führt, wird von Dustin Hofman verkörpert. Besson ist ein großartiger Historienfilm gelungen, dessen Atmosphäre neben den gewaltigen Schlachtszenen auch von der pompösen Filmmusik Eric Serras bestimmt wird.