Ladykillers (1955) – Bericht von Johannes Kösegi

Schwarze britische Krimi-Komödie zum Jubiläum neu in 4K restauriert – neu auf Blu-Ray

Wer ein Faible für schwarzen britischen Humor hat, sollte sich die brillante Neuauflage von „Ladykillers“ (1955, 91 Minuten) nicht entgehen lassen. Inszeniert von Alexander Mackendrick (1912-1993), einem der besten Regisseure des Kult-Studios Ealing in den 1950er Jahren, gilt dieser Film als Inbegriff einer typisch britischen Kriminalgroteske. Das US-Remake der Coen-Brüder mit Tom Hanks von 2004 kommt bei weitem nicht an das Original heran.

Zum 65-jährigen Jubiläum dieser vortrefflichen schwarzen Komödie um Professor Marcus und seinem angeblichen Streichquintett auf Raubzug präsentieren StudioCanal und Arthaus die erste 4K-Restaurierung vom Original Technicolor 3-Strip Negativ, als Special Edition auf zwei Blu-ray Discs mit umfangreichem, teils neuem Bonusmaterial, darunter Audiokommentar von Filmhistoriker Philip Kemp, „Forever Ealing – Die Geschichte der Ealing Film Studios“, Trailerparodie mit Peter Sellers am Set von „Ladykillers“, Besuch an den Drehorten mit Historiker Alan Dein, Audio-Interviews mit Produzent Tom Pevsner und Filmproduktionsleiter David Peers, Galerien mit Aushangfotos und „Hinter den Kulissen“, Nachforschungen über die Ladykillers und „Farbe im Film – Interview mit Keith Johnston“.

Da „Ladykillers“ der letzte Film in Großbritannien war, der in Technicolor auf drei Streifen gedreht wurde, war entscheidend, das originale Kameranegativ für die Restaurierungsarbeiten zu verwenden, das die beste Fassung des Films seit seiner Uraufführung darstellt. Zunächst wurden die drei Streifen des originalen Technicolor Kameranegativs aus den 1950er Jahren in 4K gescannt. Übereinandergelegt ergeben diese drei Streifen das finale Farbbild des Films. Eines der größten Hindernisse war, diese digital zusammenzufügen, ein zunächst automatischer Prozess, der jedoch an vielen Stellen von Hand nachgearbeitet werden musste. Das Originalmaterial wies einige schwerwiegende Schäden auf. So mussten blaue Flecken über die gesamte Länge des Films entfernt und Bildflackern Bild für Bild korrigiert werden. Diverse Instabilitäten und Kratzer in einzelnen Bildern wurden ebenfalls beseitigt, so dass die 4K-Restaurierung insgesamt über 1000 Arbeitsstunden in Anspruch nahm.

Schauplatz des Films ist ein Arbeiterviertel mit schmutzigen Mietskasernen, aus denen ein vornehmes Haus im viktorianischen Stil heraussticht, bewohnt von der unerschrockenen Mrs. Wimmerforce (Katie Johnson, damals 77 Jahre alt). Eines Tages kommt ein angeblicher Professor Marcus (Alec Guinness), der bei ihr eine Wohnung für Kammermusikproben mit einigen Freunden mieten will. In Wirklichkeit ist das „Streichquintett“ eine Gangsterbande, die einen Überfall auf einen Geldtransporter plant. Die Musik von Luigi Boccherinis berühmtem Menuett erklingt derweil vom Plattenspieler. Als bekannte Darsteller wirken noch Peter Sellers („Der rosarote Panther“) und Herbert Lom („Der Schatz im Silbersee“) als der Abgebrühteste im Quintett. mit. Die neugierige Mrs. Wimmerforce ist angetan von der schönen Musik und stört die „Probesitzungen“ dauernd. So kommt es immer wieder zu komischen und spannenden Momenten. Die gute alte Dame ahnt nichts von den Absichten der Ganoven, auch nicht, dass sie sogar selbst ein Teil des kriminellen Plans der Herrenrunde werden wird. Der genau ausgetüftelte Überfall gelingt trotz einiger Komplikationen, schließlich darf die ahnungslose Mrs. Wimmerforce das Diebesgut in einem riesigen Koffer sogar mit einer Polizeieskorte nach Hause transportieren. Als die Diebe ihr Haus verlassen wollen, geschieht jedoch ein folgenschweres Ungeschick, weil der Cellokasten aufspringt und die gesamten Geldscheine auf der Straße landen. Jetzt kommt der resolute Auftritt der zuvor scheinbar senilen Dame, die alles der Polizei melden will, wenn das Geld nicht zurückgegeben wird. Doch anstatt sie wie geplant aus dem Weg zu schaffen, bringen sich die Ganoven nacheinander gegenseitig um und werden in vorbeifahrenden Güterwagons entsorgt. Auf der Polizeiwache glaubt man Mrs. Wimmerforce die ganze Geschichte nicht und rät ihr, das Geld zu behalten.

Ausführliche Analysen betrachten diesen Film als eine Satire auf die englischen Verhältnisse Mitte der 1950er Jahre. Die Gangsterbande soll dabei die regierende Labour-Party darstellen. Auch ohne Kenntnis dieser Zusammenhänge gibt es viel Vergnügen durch die ständigen absurden Situationen. Das perfekte komödiantische Timing mit Slapstick-Einlagen wird verbunden mit Parodien von Gangster- und Horrorfilmen. Schließlich setzt sich in dieser brillant gespielten makaber-witzigen Geschichte mit Mrs. Wimmerforce das gute alte viktorianische England durch.