Depression – das richtige tun – Bericht von Johannes Kösegi

Depression – Das Richtige tun – Ein Ratgeber für Angehörige und Freunde

Etwa fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen. Indirekt sind davon weit mehr Personen betroffen. Angehörige und Freunde müssen diese Diagnose verarbeiten, Kindern muss die Situation erklärt werden, ein neuer Alltag mit dem Erkrankten und den akuten Symptomen muss gefunden werden. Angehörige können die belastende Situation entschärfen. Dafür ist es wichtig, offen miteinander zu reden und richtig im Sinne aller zu handeln.

Für die Betroffenen wird das Leben durch typische Symptome wie Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit zur Qual. Ohne Hilfe von außen ist eine Überwindung dieser schweren Phase oft nicht möglich. Der neue Ratgeber „Depression – Das Richtige tun“ von Christine Hutterer und Christine Rummel-Kluge, herausgegeben von der Stiftung Warentest, will besonders Angehörigen und Freunden von Betroffenen helfen. Einen Ratgeber für diese Zielgruppe sucht man bislang auf dem Buchmarkt nahezu vergebens. Somit füllt dieses Buch eine wichtige Lücke und bietet Hilfe für Millionen von Menschen.

Test

Depressionen, wozu manche Therapeuten auch das Erschöpfungssyndrom „Burn-out“ zählen, gehören in unserer gestressten Leistungsgesellschaft zu den häufigsten psychischen Störungen im Erwachsenenalter. Rund 15 Prozent der deutschen Bevölkerung erkranken während ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression. Weil mit ihnen auch viele Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen, Lehrer, Schüler, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber betroffen sind, wird fast jeder einmal direkt oder indirekt mit diesem Krankheitsbild in Berührung gekommen sein. Somit ist dieser Ratgeber nützlich für alle. Seine Hauptbotschaften sind, dass jeder von uns einmal von einer Depression getroffen werden kann, dass die Krankheit jedoch durch viele Behandlungsmethoden eine gute Prognose hat. Einen Menschen mit Depression zu begleiten ist ähnlich wie bei der Demenz eine enorme Herausforderung für sein Umfeld. Es ist ein schwerer Balanceakt, Verständnis aufzubringen und sich gleichzeitig von den Auswirkungen der Krankheit abzugrenzen.

Depressionen bringen viel Leid für die erkrankten Menschen. Aber auch Angehörige und Freunde sind enorm belastet. Sie wollen helfen und geraten schnell an ihre Grenzen. Sie wissen nicht, wie sie helfen können, haben Angst, vielleicht sogar etwas falsch zu machen. Hier setzt dieser Ratgeber an. Er will Mut machen und helfen bei der Beantwortung der wichtigsten Fragen. Soll man eine gute Freundin darauf ansprechen, wenn man vermutet, dass sie eine Depression hat? Ein kleiner Test kann klären, ob man wirklich an einer Depression leidet oder ob es nur eine zeitweilige Erschöpfung ist, die meist von alleine wieder verschwindet. Die endgültige Diagnose kann nur ein Facharzt stellen. Wenn die Ursache einer Depression im Kopf liegt, heißt das nicht, dass es sich um Einbildung handelt. Depressive Stimmung, Antriebslosigkeit oder der Verlust von Freunden sind Symptome der Krankheit. Das müssen Betroffene und das Umfeld akzeptieren. Bei der typischen Müdigkeit und Antriebslosigkeit führt nicht Erholung im Sinne von Nichtstun zur Besserung, deshalb ist die Ermunterung zur Aktivität wichtig. Mit veränderten Denkmustern scheuen die Betroffenen oft den Gang zum Arzt, was ein Fehler sein kann. Bei konkreten Suizidgedanken ist eine sofortige Hilfe und stationäre Versorgung der Betroffenen unbedingt notwendig. Die Begleitung einer depressiven Person kann sehr anstrengend und verletzend sein. Bei Ablehnung von Hilfsangeboten gilt es zu verstehen, dass man nicht persönlich von dem Erkrankten abgelehnt wird. Wie man dennoch den Alltag meistern kann, wird mit den Begriffen Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit beschrieben. Wichtig ist für die Angehörigen, sich nicht vollständig aufzureiben. Sie können den Betroffenen unterstützen, aber nicht heilen. Hier gilt es, seine Grenzen zu erkennen und sich nicht einzureden, dass es kein Egoismus ist, wenn man vermeintlichen „Verpflichtungen“ nicht nachkommen kann.

Der Ratgeber „Depressionen – Das Richtige tun“ hilft bei vielen Problemen des Alltags im Umgang mit nahestehenden Personen, die unter Depressionen leiden. Er gibt von Experten entwickelte Empfehlungen und Anleitungen für den Umgang mit einem depressiv Erkrankten, nennt Unterstützungsangebote für Angehörige, beschreibt verständlich die modernen Therapiemöglichkeiten für die Erkrankten und zeigt, wie Angehörige den Weg der Behandlung unterstützen können. Betroffene und Angehörige sprechen offen über ihre Erfahrungen und darüber, was ihnen geholfen hat, etwa im Umgang mit der depressiven Mutter oder dem depressiven Partner.

Fazit: Das Buch motiviert für den gemeinsamen Weg durch die Krise und aus ihr heraus mit den folgenden Kernpunkten: Zurückblicken und vorsorgen, Nachdenken über das alte und ein neues Leben, die Depression verstehen und einen Weg ins Gespräch finden, den gemeinsamen Alltag neu gestalten und in akuten Situationen sicher reagieren, die eigenen Belastungen wahrnehmen, Hilfe finden und selbst gesund bleiben. Schließlich gibt es viele Informationen über auch medikamentöse Therapiemöglichkeiten und Unterstützungsangebote.

„Depression – Das Richtige tun“, herausgegeben von der Stiftung Warentest, hat 192 Seiten und ist für 19,90 Euro im Handel erhältlich oder kann online bestellt werden unter www.test.de/depressionen.