Apocalypse Now – Final Cut – Rezension von Johannes Kösegi

Wie immer sage ich vielen Dank für die Übersendung!

Apocalypse Now – Drei Filmversionen (Kinofassung, Redux, Final Cut)

Limited 40th Anniversary Steelbook Edition mit vielen Extras

Francis Ford Coppolas Vietnamkrieg-Epos „Apocalypse Now“ gilt als einer der größten Filme aller Zeiten. Dem Original von 1979 ließ der Regisseur 2001 eine um etwa 50 Minuten längere „Redux“-Version folgen. Zum vierzigsten Jahrestag dieses Jahrhundertfilms bringt StudioCanal eine neue Blu-ray-Edition mit gleich drei Filmversionen.

Den bisherigen Versionen für das Kino (147 Minuten) und Redux (196 Minuten) wurde noch ein Final Cut (182 Minuten) hinzugefügt, der in Länge und Inhalt ein Kompromiss der beiden anderen Versionen ist. Insgesamt wurde der Final Cut für acht Oscars nominiert, mit drei Golden Globes (beste Filmmusik, beste Regie und bester Nebendarsteller) ausgezeichnet und vom American Film Institut zu einem der 100 besten Filme gekürt. Das Meisterwerk ist hochkarätig besetzt mit vielen Oscar- und Golden Globe-Preisträgern und Nominierten, darunter Marlon Brando, Robert Duvall, Martin Sheen, Dennis Hopper, Laurence Fishburne und Harrison Ford.

In „Apocalypse Now“ versetzt Francis Ford Coppola Joseph Conrads Klassiker „Herz der Finsternis“ ins vom Krieg gezeichnete Vietnam von 1969. Während des Vietnamkriegs erhält Hauptmann Willard (Martin Sheen) 1969 den Auftrag, den ehemaligen Oberst Kurtz (Marlon Brando) im Dschungel zu finden und zu töten. Der größenwahnsinnige Kurtz hat sich bei den Eingeborenen in Kambodscha ein eigenes Königreich aufgebaut. Die Fahrt auf einem Fluss durch den Dschungel wird zu einer Odyssee für Willard und seine Kameraden. Sie erleben, wie Oberst Kilgore (Robert Duvall) zu den Klängen von Richard Wagners Walkürenritt ein vietnamesisches Dorf bombardieren und mit Napalm vergiften lässt, während ein Anderer Wasserski fährt. In einem Soldatenlager werden zur Abwechslung Playmates eingeflogen und zur Verfügung gestellt. Von französischen Plantagenbesitzern erfährt der Trupp, dass die Amerikaner nicht aus den Fehlern der Franzosen gelernt haben. Erst eine halbe Stunde vor Ende des Films gelangen sie in das Schreckensreich des Oberst Kurtz, zunächst geführt von einem amerikanischen Fotoreporter (Dennis Hopper). Überall liegen und hängen Leichen, Skelette und Köpfe. Der kahlköpfige Gottkönig wird zunächst nur als Schatten eingeführt. Willard wird gefesselt, gefoltert und muss sich lange verwirrte Monologe von Kurtz anhören. Doch irgendwann gelingt es ihm, den Bösewicht in Notwehr wie einen Opferstier zu schlachten. Auf der Rückfahrt sieht man das „Reich des Bösen“ nach einem Feuersturm in den Flammen verschwinden.

Dieses über weite Strecken leise und kammerspielartige Epos ist mehr als ein Kriegsfilm. In philosophischen und psychoanalytischen Dimensionen soll zum Nachdenken über den Krieg angeregt werden. Die Flussfahrt im Dschungel ist für Willard eine Expedition in sein eigenes Unterbewusstsein, die Begegnung mit Kurtz konfrontiert ihn mit den finsteren Mächten seiner eigenen Seele. Die surrealistischen Bilder mit vielen Überblendungen lassen an die geheime Offenbarung aus der Bibel mit dem jüngsten Gericht denken. In der Redux-Version wird dieses Psychodrama mit der Reise ins „Herz der Finsternis“, basierend auf einer Novelle von Joseph Conrad, noch stärker betont. Als einer der besten Antikriegsfilme aller Zeiten erhielt „Apocalypse Now“ die Goldene Palme in Cannes und drei Oscars.

Die Film-BDs enthalten als Bonus: Intro von Francis Ford Coppola, Audiokommentar von Francis Ford Coppola und Wendecover. Die Bonus-Disc glänzt mit vielen Stunden zusätzlichen Bonusmaterials. In Gesprächen mit Martin Sheen, dem Drehbuchautor John Milius und Coppola erfährt man, dass es während der Dreharbeiten trotz vieler heikler Szenen keine Toten und Verletzten gab. Der Soundtrack von „The Doors“ und Richard Wagner wird ebenso vorgestellt wie das Casting, die nachträgliche Soundbearbeitung mit Dolby-Stereo oder die Endmischung. Beim Sounddesign wurde Wert auf eine psychedelische Komponente gelegt, denn Vietnam-Krieg, Rock ‚n‘ Roll und Drogenkonsum gehören eng zusammen. Der Filmkritiker Roger Ebert führte 1979 in Cannes ein ausführliches Interview mit Coppola und vergleicht die Wirkung des Filmes damals und heute. Nur dank des Erfolgs mit „Der Pate“ konnte Coppola dieses unabhängige Filmprojekt mit der damaligen Rekordsumme von 30 Millionen Dollar überhaupt realisieren. Bei der Crew in Willards Boot fällt neben Harrison Ford der damals gerade 14-jährige Laurence Fishburne („Matrix“) besonders auf.

Die literarischen Vorlagen werden ausführlich gewürdigt. „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad ist in einer Radiosendung von 1938, gelesen von Orson Welles, zu hören. Außerdem spricht Marlon Brando das Gedicht „The Hollow Men“ von Thomas Stearns Eliot, wobei Szenen des Films zu sehen sind. Eine Storyboard-Galerie zeigt über 200 Zeichnungen und ein Fotoarchiv über 100 Fotos von den Dreharbeiten. Außerdem gibt es das Drehbuch mit Anmerkungen Coppolas, Pressemappen und aus dem Marketingarchiv eine Postergalerie, Aushangbilder und Trailer, zusätzlich noch viele geschnittene Szenen. Spannend wie der Film selbst ist die 96-minütige preisgekrönte Dokumentation „Hearts of Darkness – A Filmmakers Apocalypse“ („Reise ins Herz der Finsternis“). Eleanor Coppola, die Frau des Regisseurs, zeigt die 238 Drehtage auf den Philippinen wie in einem Tagebuch. Die Dreharbeiten waren stellenweise selbst wie ein Krieg. Im Süden des Landes tobte ein Bürgerkrieg, so mussten die Hubschrauber oft kurzfristig zum Einsatz und standen für den Film nicht zur Verfügung. Auch während der größten Taifune und Regengüsse wurden die Dreharbeiten fortgesetzt. Durch die Zerstörung der Bauten musste eine Zwangspause von zwei Monaten eingelegt werden, und mit Marlon Brando gab es öfters Schwierigkeiten.