Wenn die Gondeln Trauer tragen – Rezension von Johannes Kösegi

Neurestaurierung von Nicolas Roegs Meisterwerk  bei „Arthaus“

Seit 25 Jahre erscheinen bei „Arthaus“, inzwischenmitStudioCanalvereint, besonders hochwertige Filme in bestmöglicher Qualität. Filmenthusiasten erfreuen sich an Werken des internationalen Independent-Kinos, Klassikern der Filmgeschichte, großartigen Dokumentarfilmen und auch umstrittenen Streifen jenseits der umsatzstarken Blockbuster. Dabei finden preisgekrönte Meisterwerke ebenso Beachtung wie ambitionierte Filme junger deutscher Regisseure. Inzwischen umfasst das Programm mehr als 1.000 Veröffentlichungen.

Durch anspruchsvolle Restaurierung, Aufbereitung und erstklassige Gestaltung gelten sie unter Filmfans als wertvolle Sammlerstücke.

Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums bringt „Arthaus“ mit Nicolas Roegs zeitlosem Meisterwerk „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973, 110 Minuten) einen Meilenstein der Filmgeschichte aufwändig restauriert ins Heimkino. Neben dem Hauptfilm gibt esneu produziertes Bonusmaterial. In einer Sonderedition sind neben dem Original-Soundtrack ein Poster, ein 64-seitiges Booklet und mehrere Artcards enthalten. Für die aufwändige Restaurierung wurden die Originalnegative unter der Schirmherrschaft des Kamerachefs Anthony B. Richmond in 4K abgetastet.

Nach dem Unfalltod ihrer kleinen Tochter Christine lebt das Ehepaar John Baxter (Donald Sutherland) und Laura (Julie Christie) in Trauer. Um über den Verlust hinweg zu kommen, begleitet Laura ihren Mann nach Venedig, wo er die Restauration einer Kirche beaufsichtigt. In einem Lokal lernen sie die mysteriösen Schwestern Heather (Hilary Mason) und Wendy (CleliaMatania) kennen. Sie behaupten, Details über Christines Tod zu wissen und warnen John vor einer drohenden Gefahr.Darauf geschehen tatsächlichmerkwürdige Dinge. John stürzt vom Gerüst und entgeht nur knapp dem Tod. In der Folge wird er mehr und mehr von unheimlichen Visionen heimgesucht. Aus England kommt die Nachricht vom Unfall ihres Sohnes.Nachdem Laura zurückgeflogen ist, wird Johns Panik immer größer, schließlich wird er Opfer eines Verbrechens.

Nicolas Roegs Verfilmung der Erzählung von Daphne du Maurier ist ein beklemmendes Meisterwerk des psychologischen Horrors, das durch eine erlesene Farbgebung besticht. Atmosphärisch dicht bietet die Lagunenstadt Venedig den Schauplatz eines fortwährendendüsteren Alptraums, der die Grenzen von Realität und Fantasie verschwimmen lässt und in beeindruckenden Bildern visualisiert wird. In den Hauptrollen glänzen Donald Sutherland und Julie Christie, deren legendäre Sexszene für einen handfesten Skandal sorgte. Einen strengen logischen Faden hat die Filmhandlung nicht, das Hauptmotiv sind Impressionen vom winterlichen Venedig abseits der sonnigen Postkartenmotive und die Visionen und Ängste der Menschen.