Finanztest Spezial Pflege-Set – Rezension von Johannes Kösegi

Gemeinsam planen, Hilfe organisieren, Pflege finanzieren

Durch den demografischen Wandel mit einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft kommt der Betreuung und Pflege eine immer größere Bedeutung zu. Mehr als drei Viertel aller pflegebedürftigen Menschen werden in Deutschland von Angehörigen oder privaten Pflegediensten zuhause gepflegt. Für sie vor allem ist das neue „Finanztest Spezial Pflege-Set“ der Stiftung Warentest sehr hilfreich.

Die meisten Menschen wollen alt werden, aber im Falle einer Pflegebedürftigkeit nicht Angehörigen, Fremden, Krankenpflegern oder Ärzten ausgeliefert sein oder im schlimmsten Fall in ein Heim abgeschoben werden. Die meisten machen sich erst Gedanken über mögliche Szenarien, wenn es bereits zu spät ist. Dem möchte dieses Heft auf 120 Seiten plus vielen Extraformularen vorbeugen. So kann bereits, wenn noch alles normal läuft, die Angst vor einer drohenden Altersproblematik genommen werden. Hierzu zählen Informationen über mögliche finanzielle Hilfen, ein Überblick über die vielen Beratungsangebote oder Tipps zur Planung einer späteren Pflegebedürftigkeit für Betroffene und Angehörige. Die herausnehmbaren Formulare und Checklisten enthalten Anträge auf Höherstufung des Pflegegrades, Pflegeleistungen, Umbaumaßnahmen, Checklisten für einen ambulanten Pflegevertrag, was bei der Wahl eines Pflegeheimes wichtig ist oder das Muster einer Patientenverfügung, die man nicht früh genug verfassen sollte.

Weil die Pflege von Angehörigen auch mit ziemlichen Kosten verbunden ist, zahlt sich der Preis dieses Heftes durch die vielen nützlichen Tipps und Informationen schnell aus. Denn vieles kann von den Pflegekassen erstattet werden. Damit man nicht zu sehr von neuen Verhältnissen überrascht wird, sollte man sich frühzeitig mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen. Dafür gibt es auch viele weiterführende Informationen und Internetlinks.

Oft passiert es plötzlich und unerwartet, dass der Ehepartner, Vater oder die Schwiegermutter nach einem Sturz oder einer Krankheit Hilfe benötigen. Schritt für Schritt wird in diesem Heft praxisnah erklärt, was es bei der Organisation der Pflege für die Angehörigen alles zu beachten gilt. Wie man beginnt und wo man sich erste Hilfe holen kann, ist das erste Problem. Dann muss geregelt werden, ob die Pflegebedürftigen noch zuhause bleiben können. Das wird in der Regel so lange hinausgezögert wie möglich. Was man selbst tun kann und was man eventuell einem professionellen Pflegedienst überlässt, ist die nächste Entscheidung. Auch wann es Geld von der Pflegekasse gibt und wieviel, ist interessant. Dabei geht es auch darum, ob man eine Haushaltshilfe aus dem Ostblock rund um die Uhr beschäftigen möchte, um selbst mehr entlastet zu sein. Neben dem Test einiger Vermittlungsagenturen für osteuropäische Betreuungskräfte wird auch eine Möglichkeit erwähnt, diese selbst in der Familie anzustellen.

Welche Kosten die Pflegekasse genau übernimmt, hängt meist vom Pflegegrad ab. Die dafür nötige Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) sollte gut vorbereitet werden. Kaum eine der möglichen Fragen wird ausgespart: Wer übernimmt die Pflege? Wo kann der Pflegebedürftige wohnen? Woher gibt es Geld? Welche Unterstützungsangebote gibt es für den Alltag? Wichtig ist auch, dass jeder einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose und individuelle Pflegeberatung hat, die bei den Pflegekassen der Krankenkassen, bei Pflegestützpunkten, Wohlfahrtsverbänden oder freien Pflegeberatern angeboten wird.

Es ist auch gut zu wissen und vielen nicht bekannt, dass die meisten Angestellten das Anrecht auf eine Auszeit im Job haben, wenn ein Pflegefall in der Familie auftritt. Dies gilt zehn Tage sofort und danach bis zu zwei Jahre lang in Teilzeit, mit Rückkehrrecht und Ausgleichszahlungen. Hat man einen offiziellen Pflegegrad beantragt, gibt es finanzielle Unterstützung von der sozialen Pflegeversicherung, je nach Situation von der Krankenkasse, Privatversicherungen oder vom Staat. So gibt es für Pflegende in der Familie, unabhängig davon ob sie berufstätig sind oder nicht, einen Zuschlag von der Rentenkasse. Die Kosten für die Pflege lassen sich von der Steuer absetzen. Auch dazu gibt es wichtige Informationen von Finanztest.

Hat man sich für eine Pflege zuhause entschieden, ist entscheidend, nach welchen Kriterien man bei Bedarf den richtigen Pflegedienst auswählt und wie man Zusatzdienste wie „Essen auf Rädern“ oder Haushaltshilfen nutzen kann. Sollte die Pflege zuhause nicht mehr möglich sein, gibt es neben dem klassischen Pflegeheim andere Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnungen, betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen oder Pflegewohngemeinschaften. Im letzten Kapitel „Abschied nehmen“ geht es um die schwere Zeit vor und nach dem Tod eines Angehörigen. Von der Palliativversorgung über Hospizdienste bis zur Organisation der Beerdigung und der Verwaltung des Nachlasses wird kein Thema ausgespart. Schließlich gibt es noch ein kleines Pflege-Glossar von „Aktivierende Pflege“ bis „Wohnungsanpassung“ und weiterführende Adressen.

Das „Finanztest Pflege-Set“hilft unter dem Motto „Gemeinsam planen, Hilfen organisieren, Pflege finanzieren“ in oft schwierigen und unerwarteten Situationen. Es hat 160 Seiten und ist zum Preis von 12,90 Euro im Handel oder online unter www.test.de/pflege-set erhältlich.