Schindlers Liste – Rezension von Johannes Kösegi

Schindlers Liste – 25th Anniversary Edition

Premiere als 4K Ultra HD, Blu-Ray Disc remastered und neues Bonusmaterial

25 Jahre nach der von Publikum und Kritik begeistert aufgenommenen Premiere „Schindlers Liste“ erscheint Steven Spielbergs vielfach ausgezeichneter Klassiker in einer technisch überarbeiteten Version bei Universal Pictures Germany erstmals als 4K Ultra HD sowie als Blu-ray Disc remastered. Erstmals ist der Film auch mit deutscher Audiodeskription zu erleben.

Der Film wurde unter Aufsicht Steven Spielbergs aus den Originalnegativen in makelloser Hochauflösung restauriert. Es gibt speziell für diese Edition teils neu produziertes Bonusmaterial von über zwei Stunden Länge. Blu-ray und 4K Ultra HD erscheinen als Digibook mit Hardcover und eingeheftetem Booklet. Steven Spielbergs Meisterwerk wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet. Der Regisseur drückt seine Motivation zu diesem Projekt so aus: „Niemand kann die Vergangenheit ändern, aber ein Film wie dieser kann uns durch seine erschütternden Fakten nahelegen, dass Ähnliches nie wieder zugelassen werden darf.“ In der heutigen Zeit mit viel neu aufflammendem Nationalismus und Antisemitismus ist der Film hochaktuell.

1939 kommt der sudetendeutsche Unternehmer Oskar Schindler (Liam Neeson) nach Krakau. Hier will er schnell zu Reichtum kommen und das Leben genießen. In seiner Emailwaren-Fabrik sind Juden für ihn zunächst billige Arbeitskräfte. Doch mit der Zeit bekommt der lebenslustige Frauenheld zunehmend Aversionen gegen die brutalen Nazis und wird zum Idealisten. Sein jüdischer Buchhalter Stern (Ben Kingsley) wird zur Kontaktperson zwischen ihm und den Juden. Während Schindler bei fröhlichen Trinkgelagen ein schönes Leben führt, sorgt Stern für den reibungslosen Ablauf des Geschäfts. Schindler nutzt seine Kontakte zu dem SS-Lagerkommandanten Amon Goeth (Ralph Fiennes), um „seine“ Juden 1942 vor dem Abtransport ins KZ Auschwitz zu bewahren. Zunächst ist es mehr Kalkül bei Schindler, später immer mehr moralisches Verantwortungsgefühl. Er verzichtet sogar auf Zusatzverdienst und stellt mehr Leute ein. Durch Bestechung und Intrigen gelingt es ihm, auch viele Angehörige seiner Arbeiter vor dem Lager zu retten. Für alle Juden auf seiner Liste besteht eine große Überlebenschance. Schließlich setzt er sein Privatvermögen aufs Spiel, um die Juden vor dem Abtransport nach Auschwitz und damit sicheren Tod zu retten. Gegen Ende des Krieges riskiert Schindler gar den eigenen Kopf, als er seine mittlerweile „kriegswichtige“ Fabrik in seine Heimat Mähren verlegt, wo die SS keinen direkten Zugriff mehr auf seine Arbeiter hat. Es gelingt ihm sogar, einen Frauentransport nach Auschwitz wieder zurückzuleiten, was vielen das Leben rettet. Schindlers Schicksal nach dem Krieg wird im Film kaum erwähnt. Viele der geretteten Juden haben ihn unterstützt, als er finanziell am Ende war. 1974 starb er weitgehend unbeachtet in Frankfurt am Main. Seine Leiche wurde nach Jerusalem überführt und dort bestattet.

Schindlers Liste“ wurde mit sieben Oscars, darunter als bester Film, ausgezeichnet und lockte in Deutschland knapp sechs Millionen Zuschauer in die Kinos, was für dieses Schwarz-weiß-Drama mit seiner ernsten Thematik geradezu sensationell ist. Regisseur Steven Spielberg, selbst ein Jude mit Holocaust-Opfern in seiner Familie, bewies mit diesem Meilenstein der Filmgeschichte, dass er sich nicht nur auf Kassenknüller und Spezialeffekt-Orgien versteht, wie man es sonst von seinen Blockbustern gewohnt ist. „Schindlers Liste“ ist ein sehr persönlicher und bewegender Film über die grauenvolle Realität, die in Wirklichkeit noch viel schlimmer war als hier gezeigt. Der Zuschauer fühlt sich dennoch tief berührt von vielen Details, die das Unfassbare darstellen. Wichtige Zusatzinformationen gibt es im Bonusmaterial, etwa im Dokumentarfilm „Stimmen aus der Liste“ von 2004. Überlebende des Krakauer Ghettos und des Holocaust erzählen von ihren schrecklichen Erlebnissen, an denen sie ihr Leben lang leiden. Was man hier erfährt, übertrifft jede Vorstellungskraft und auch die gespielten Szenen im Film. Steven Spielberg stellt außerdem die „USC Shoah Foundation“ vor. Nach seinen Erfahrungen bei der Verwirklichung von „Schindlers Liste“ gründete er 1994 die „Survivors of the Shoah Visual History Foundation“ mit dem Ziel, eine Sammlung von Interviews mit Überlebenden und anderen Zeugen des Holocaust zu schaffen. Die Stiftung befragte jüdische Zeitzeugen und andere Verfolgte. Zwischen 1994 und 1999 trug die Stiftung rund 52.000 Zeitzeugeninterviews aus 56 Ländern in 32 Sprachen zusammen und ist heute eines der größten digitalen Videoarchive der Welt. Außerdem äußern sich ein Vierteljahrhundert nach der Premiere Regisseur Steven Spielberg und die Schauspieler Liam Neeson, Ben Kingsley, Embeth Davidtz und Caroline Goodall beim Tribeca Film Festival zur Produktion des Films und seines Vermächtnisses.

Die Wirkung dieses über dreistündigen Epos ist nachhaltig und bleibt für immer in Erinnerung. Diese wahre Geschichte von Mut und Glauben sollte besonders die Generationen inspirieren, denen es vergönnt ist, diese Zeit nicht erlebt zu haben.