Die irre Heldentour des Billy Lynn

Unter dem Titel hat Ben Fountain einen Roman veröffentlicht. Dies war nicht seine erste Geschichte, die erschien. Tätig als Schriftsteller ist er bereits etwa seit 1990. So hat er eine Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht, die sich um Che Guevara dreht. Dafür hat er mehrere Preise erhalten. Im Mai 2012 veröffentlichte er seinen Roman „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“.

Aufgrund der BBC-Auswahl gehört der Roman zu den besten 20 Romanen, die in den Jahren 2000 bis 2014 erschienen. Oscar-Preisträger Ang Lee hat bei dem Film, der im Jahr 2016 Premiere hatte, Regie geführt.

Billy Lynn ist 19 Jahr jung und war als Soldat im Irakkrieg. Nun kommt er mit einigen Kameraden nach Hause. Der Grund dafür ist in einem Feuergefecht zu sehen, welches sie überlebt haben. Dafür werden sie hochdekoriert und gelten nach ihrer Rückkehr als Kriegsveteranen. Das ganze Land reagiert begeistert und möchte die Helden kennenlernen. Daher wird eine Siegertour entwickelt, die die Soldaten durch das ganze Land führt. Während dieser Zeit finden Paraden und weitere Feierlichkeiten statt. In allen Fällen sollen sie ihre Rolle als Nationalhelden einnehmen. Problematisch wird für Billy Lynn der Moment, als die Soldaten in einer Halbzeitshow von einem Footballspiel auftreten. Seinen Anfang hatten diese Erinnerungen, die Billy während der Show durchlebt, schon in der Vorbereitung der Show genommen. Immer wieder tauchen Erinnerungen an die Zeit auf, als er sich im Irakkrieg befand. Es treffen ihn allerdings auch Erinnerungen aus der Zeit, als er aus dem Krieg zurück zu seiner Familie kam. Besonders im Mittelpunkt der Erinnerungen steht seine Schwester Kathryn. Sie ist der Überzeugung, dass Billy Lynn nicht wieder in den Krieg zurückkehren sollte. Im Laufe der Show offenbart sich das Drama, dass Billy Lynn unddie Kampfeinheit im Irak erlebt haben. Es wird deutlich, warum sie zu Krieghelden wurden. Es war ein Einsatz, bei dem sie einen Sergeant verloren haben. Später als das Footballgame zu Ende ist, beschäftigt sich Billy Lynn mit dem Krieg. Er kennt die Meinung seiner Schwester und doch trifft er eine Entscheidung, die seine Schwester nicht gefällt.

Der Titel wird möglicherweise bei einigen Menschen für Irritationen sorgen, da der Film im englischen „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ heißt. Schließlich lässt der deutsche Titel vermuten, dass Billy Lynn eine heroische Aktion plant, die von einigen als aussichtslos betrachtet wird. Fast vermutet man einen Wildwestfilm hinter dem Titel. Doch die Geschichte um Billy Lynn führt die Zuschauer in einen Kriegsfilm. Genauer gesagt geht es um den Irakkrieg. Genau das ist das heikle an der Geschichte. Viele Kriege entstehen mitunter durch Kleinigkeiten, die bis zu großen Unruhen eskalieren. Daher sind Kriege nicht als sinnvoll zu betrachten. Kritische Töne gegenüber einem Krieg lassen sich schnell im Film vorher ahnen. Deutlich wird dies schon auf der zwischenmenschlichen Ebene, wo Billy sich wieder neu an sein Zuhause gewöhnen muss. Die Schwierigkeiten lassen sich allerdings nicht so einfach verbannen.

Dass das Thema Krieg nicht so leicht zu handhaben ist, zeigt sich noch an anderen Aspekten. Betrachten lässt sich dieses Thema als interessantes Filmvergnügen und zugleich aus kritischer Sicht. Immerhin geht es um den Krieg, der die Leben vieler Menschen auf die vielfältigste Weise belastet. Zu spüren bekommt dies natürlich die Familie, da sich Billy Lynn durch den Krieg verändert hat. Von Interesse ist dabei auch die Lage zwischen Billy und seiner Schwester. Die Frage, die sich stellt, ist doch, was ist eigentlich ein Held? Aus dieser Frage kann viel Diskussionspotential entstehen. Sicherlich hat man Großes erreicht, wenn man dieser Gefahr aus dem Weg gehen konnte. Inwieweit man immer ein Held ist, wenn es um das Thema Krieg geht, der doch vermieden werden sollte, ist fraglich. Gut gelungen sind auf jeden Fall die Darstellungen, die den Film reizvoll machen, weil er zum Nachdenken anregt. (Marina Teuscher – 21.09.2017)