„Volvo Typenkunde – Personenwagen ab 1927“ im Delius Klasing Verlag – Rezension von Johannes Kösegi

Immer wieder junge Schweden

Für viele Autofahrer bedeutet ein Volvo etwas Besonderes. In Deutschland gehören Produkte der schwedischen Nobelmarke, deren PKW-Sparte „Volvo Car Corporation“ 1999 zunächst an Ford, ab 2010 an die chinesische Firma Geely verkauft wurde, trotz ihrer Sicherheit und des eleganten Designs eher zur Minderheit im Straßenbild. Wer aber einmal mit einem Volvo zufrieden war, wird den Schweden sein Leben lang treu bleiben. Der Bielefelder Delius Klasing Verlag bringt für alle Volvo- und Schwedenfans die zweite Auflage der „Volvo Typenkunde“ heraus. Trotz der Veräußerung der PKW-Sparte war die Entwicklung bei Volvo in den letzten Jahren rasant und erforderte eine vollständig überarbeitete Neuauflage. Neben den neuesten Modellen wie dem S60 der zweiten Generation, seinem Kombibruder V60 und dem modernen geländetauglichen XC60 sind viele Besonderheiten der früheren Modelle noch ausführlicher dargestellt.

Schon seit 1927 werden in dem von Geschäftsmann Assar Gabrielsson und Konstrukteur Gustaf Larson gegründeten Unternehmen Autos in kleineren Serien gebaut. „Volvo“ ist lateinisch und bedeutet „ich rolle“, das Emblem mit dem Kreis und Pfeil ist das Zeichen für Eisen, denn ein Großteil der Volvos besteht aus Schwedenstahl. Das erste Kapitel beleuchtet die Modelle der frühen Jahre, die zunächst in einer leer stehenden Werkhalle in Hisinge bei Göteborg gebaut werden. Erste große wirtschaftliche Erfolge auch auf dem Exportmarkt feiert Volvo 1944 mit dem legendären „Buckel-Volvo“ PV 444 (Person Vagn mit 4 Zylindern, 40 PS und 4 Sitzen). Seine Serienfertigung beginnt 1947 und macht ihn zu einem echten Volks-Volvo. Zwischen diesem Startschuss bis zum vorläufigen Höhepunkt der Volvo-Erfolgsgeschichte, der Präsentation des V60 Diesel-Plug-In-Hybrid-Modells als innovative Weltneuheit auf dem Genfer Salon im März 2011, wird jedes einzelne Personenwagenmodell ausführlich mit kompetenten Texten, allen technischen Daten und schönen Fotos vorgestellt. Die schwedischen Autos sind nach wie vor der Inbegriff von Sicherheit und vielen innovativen Techniken, die anderen als Vorbild dienen. Das skandinavische Design ist klassisch und zeitlos ist, egal ob kantig oder stromlinienförmig gerundet. In den 50er und 60er Jahren beindruckt die Amazon-Serie durch ein schönes Äußeres, komplette Ausstattung und hohe passive Sicherheit. Das Kombimodell ist eine elegante und geräumige Familienkutsche. Ab 1961 geht der P 1800 als Sportwagen in Serie. Kritisch wird angemerkt, dass die Qualität des anfangs bei Jensen in England produzierten Coupés so enttäuschend war, dass Volvo die Zusammenarbeit abbricht und den Wagen als 1800 S (S für Schweden) weiterbaut. Der extravagante Sportkombi 1800 ES mit dem großen Glasfenster hinten erhält von deutschen Volvo-Liebhabern den Spitznamen „Schneewittchensarg“. Millionenfach verkauft werden ab Mitte der 60er Jahre die Serien 140/240 und ab den 80er Jahren die Serien 700/900, die man heute noch im Verkehr sehen kann, was für ihre Wertbeständigkeit spricht. Die Modelle der 66-und 343/345-Kleinwagenserien entstammen aus der Zusammenarbeit mit der niederländischen Firma DAF. Futuristisch muten die Typen der 480-Serie an, dessen großes Glashinterteil an den 1800 ES erinnert. Ab den 90er Jahren kommt die 850-Serie mit viel neuer Technik als Mittelklassestandard auf den Markt. Mitte der 90er Jahre stellt Volvo zwei neue Modellreihen vor, die ersten Generationen der S40 und V40 als neue Modelle und die S70 und V70 als überarbeitete Nachfolger der erfolgreichen 850-Reihe. Die Frontpartien sind etwas weicher abgerundet und der Innenraum bietet mehr Komfort. Die Volvo-Tradition der schicken Coupés wird 1996 mit der C70-Serie der ersten Generation fortgeführt. 1998 folgt dann als neues Flaggschiff der Oberklasse die S80-Serie der ersten Generation, die den Luxus eher versteckt statt aufdringlich zur Schau zu stellen. Das neue Jahrtausend startet mit dem S60, einer coupéartigen eigenständigen Limousine von klassischer Schönheit. Kurz darauf wird nicht zufällig in den USA die XC90-Serie der in Mode gekommenen SUV vorgestellt, geeignet für Kunden, die auch im Großstadtdschungel mit geländegängigen Fahrzeugen auffallen wollen. Ab 2003 folgen dann die zweiten Generationen der S40/V50 sowie der C70 und S80. Der Kleinwagen C30 knüpft an den 480 aus den 1980er Jahren an, der Bestseller V70 erscheint 2007 bereits in der dritten Generation. Als neueste Errungenschaften gelten der Geländewagen XC60 und die völlig neu konzipierte zweite Generation des S60 mit dazu passendem Kombi V60. Volvo-Fans brauchen sich um die Zukunft des schwedischen Autohauses nicht zu sorgen, auch wenn die neuen Eigentümer in China sind. Volvo ist gut gerüstet und wird hoffentlich im Geist schwedisch bleiben wie Ikea und Astrid Lindgren. (Johannes Kösegi – 27.09.2011)

Dieter Günther, Matthias Pfannmüller: Volvo Typenkunde – Personenwagen ab 1927; 2., aktualisierte Auflage, 144 Seiten, etwa 160 Fotos; Delius Klasing; ISBN 978-3-7688-3367-7; Preis 12,90 Euro