Ratgeber der Stiftung Warentest über „Inkontinenz“ – Druck auf Blase und Seele – Rezension von Johannes Kösegi

Jede fünfte deutsche Frau zwischen 25 und 75 Jahren klagt über Probleme mit Inkontinenz. Aus Schamgefühl verschweigen viele Betroffene ihr Leiden. Nur die Hälfte der Frauen nimmt ärztliche Hilfe in Anspruch. Für alle Betroffenen, natürlich auch Männer, bietet die Stiftung Warentest einen neuen Ratgeber „Inkontinenz“ an, der sich ausführlich und für jeden verständlich mit diesem Tabuthema beschäftigt. Menschen mit Inkontinenz leiden besonders seelisch. Die meisten Betroffenen empfinden ungewollten Harnabgang als schweren Schlag gegen ihr Selbstwertgefühl und schmerzlichen Kontrollverlust. Jedoch sollte man in dieser Situation den Kopf nicht in den Sand stecken und sich vom gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Denn Inkontinenz lässt sich fast immer so behandeln, dass sie verschwindet oder die Freiheit im Alltag kaum noch einschränkt. Viele Therapien haben hohe Heilungsraten. Das Wissen aus diesem nützlichen Buch soll Mut machen.

Inkontinenz kann verschiedene Ursachen haben: meist stressbedingte Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Mischinkontinenz, Inkontinenz bei neurogener Überaktivität des Blasenmuskels, bei chronischem Harnverhalt (Überlaufblase) und kontinuierliche extraurethrale Inkontinenz. Neben diesen wichtigsten Ursachen gibt es auch noch seltenere Formen. Auch psychogene Ursachen sind nicht selten, wenn Stress, Sorgen, Ängste oder Aufregung „auf die Blase schlagen“. Durch ihren Körperbau und weil sie Kinder gebären sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Ihr Bindegewebe ist nachgiebiger, der Beckenboden weniger stabil und größer. Durch Schwangerschaften werden Bänder, Bindegewebe und Muskulatur des Unterleibs zusätzlich belastet. Ein Kapitel befasst sich mit der männlichen Inkontinenz, die mit der Prostata zusammenhängt, die sich im Alter vergrößern kann.

Der Ratgeber klärt über Ursachen und Formen der Inkontinenz auf und liefert einen Überblick über unterschiedliche Therapie- und Trainingsmethoden. Dazu gehören Medikamente, Beckenboden- und Kontinenztraining oder Operationen. Hilfsmittel, die viele Einschränkungen relativieren, werden ebenfalls vorgestellt. Für Betroffene, die einen Arzt aufsuchen wollen, sind einige wichtige Tipps zur Vorbereitung angefügt. So soll man protokollieren, wie oft man im Tagesverlauf die Toilette aufsuchen muss und welche Gefühle und Beschwerden dabei auftreten und wann der Harn verloren geht, etwa beim Husten, Niesen, Heben, Gehen oder Sitzen. Außerdem sollte man sich merken: Häufigkeit und Menge der Getränke, Höhe des Leidensdrucks, Eingriffe im Unterleib, weitere akute oder chronische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, regelmäßiger und störungsfreier Stuhlgang.

Das Buch „Inkontinenz“ der Stiftung Warentest hat 160 Seiten und ist zum Preis von 19,90 Euro im Handel erhältlich oder kann online unter www.test.de/inkontinenz bestellt werden. (Johannes Kösegi – 04.09.2014)