Nützliche Ratgeber: Bücher, die man kennen muss – Rezension von Johannes Kösegi

Zwei Duden-Bände präsentieren „Klassiker der Weltliteratur“ und „Populäre Bestseller“.

Wer hat heute in unserer schnelllebigen Zeit noch die Muße für entspannte Lektüre. Zu groß sind für viele die Reizüberflutung mit anderen Medien und die alltäglichen Pflichten des Lebens. Meist bleiben nur die knapp bemessene Urlaubszeit oder die Wochenenden, um sich mal wieder ein Buch vorzunehmen. Oder es wird alles auf den berühmten Unruhestand des dritten Lebensabschnitts verschoben, wo man angeblich noch weniger Zeit hat. Abgesehen von Sachbüchern zu Themen, die einem bewegen und interessieren, stellt sich für „normale“ Buchkonsumenten ohne literaturwissenschaftliches Studium immer wieder die Frage: Was gehört zur großen Weltliteratur? Was sollte man auf jeden Fall kennen, um als Bildungsbürger mitreden zu können? Über diese Frage haben sich schon viele Kulturfunktionäre und Literaturpäpste Gedanken gemacht und sind nicht immer zu denselben Ergebnissen gekommen. Der Duden-Verlag, eine fast schon amtliche Instanz in Sachen Bildung und Wissen, möchte den Entscheidungsträgern und Endverbrauchern diese nicht einfache Auswahl etwas erleichtern. Unter dem Titel „Bücher, die man kennen muss“ sind zwei Bände erschienen, die jeweils 100 Klassiker und populäre Bestseller der Weltliteratur vorstellen. Die meisten Titel sind wenigstens vom Namen irgendwie bekannt, zumindest durch berühmte Verfilmungen. Umso mehr ist man dankbar dafür, jetzt einmal knapp und übersichtlich alles aufgelistet und mit nützlichen Informationen ergänzt zu bekommen.

Im „Kanon der Weltliteratur“ sind die vorgestellten Werke übersichtlich nach Epochen von der Antike über Mittelalter, Klassik, Romantik, Moderne bis zur Gegenwart eingeteilt. Informative Kurzporträts stellen die Autoren vor, soweit sie bekannt sind. Denn es gibt in der Antike und im Mittelalter auch berühmte Werke von anonymen Autoren. Dazu zählen das Sagenepos „Beowulf“, die Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“ und das „Nibelungenlied“. Bei den Autoren der Antike ragen die Sagen und Fabeln von Homer und Aesop heraus, außerdem die „Bekenntnisse“ des Augustinus, Vergils „Aeneis“ oder Cäsars „Gallischer Krieg“. Im Mittelalter sollte man Dantes „Göttliche Komödie“ und Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ kennen. Die Zeit der Aufklärung ist von Philosophen wie Hobbes, Voltaire, Rousseau und Kant geprägt. Da nur Romane und nicht Theaterstücke oder Lyrik vorgestellt werden, ist der Dichterfürst Goethe nur mit „Die Leiden des jungen Werthers“ und den „Wahlverwandtschaften“ erwähnt, sein Zeitgenosse Schiller überhaupt nicht. Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ markiert den Übergang von der Klassik zur Romantik mit ihren typischen Vertretern Eichendorff, Balzac oder Hugo. Heine, Büchner und Droste-Hülshoff bestimmen die Zeit des Biedermeier und Vormärz. Danach kommt die Moderne mit berühmten Namen wie Mark Twain, Fjodor Dostojewski, Lew Tolstoi, Theodor Fontane, Marcel Proust, James Joyce, Franz Kafka, Hermann Hesse, Thomas und Heinrich Mann, John Steinbeck, Albert Camus, Graham Greene, Max Frisch, Günter Grass, Alexander Solschenizyn oder Christa Wolf. Zur Gegenwart zählt die Zeit seit 1968 mit Autoren wie Siegfried Lenz, Martin Walser, Umberto Eco oder Herta Müller. Fast alle der vorgestellten neueren Romane sind oft mehrfach verfilmt worden.

Mehr um das Mitredenkönnen in der aktuellen Diskussion geht es bei den vorgestellten Büchern in dem Band „Populäre Bestseller“ des 20. und 21. Jahrhunderts. Auch hierfür hat die Duden-Sachbuchredaktion intensiv recherchiert. Neben unstrittigen Titeln gibt es auch solche, die Schlagzeilen machten und für kontroverse Diskussionen sorgten. Objektiv und sachlich werden auch diese Bestseller vorgestellt, sodass sich der Leser ein eigenes Urteil bilden kann. Besonders hier gibt es einige Titel, deren Berücksichtigung unter Fachleuten Anlass zum Streit geben könnten. Am wenigsten Meinungsverschiedenheiten wird es bei den Kapiteln „Kultbücher“ und „Aus dem Kanon der Weltliteratur“ geben, von denen einige auch im Klassiker-Band vorkommen und aus berühmten Verfilmungen bekannt sind. Dazu gehören Agatha Christies „Mord im Orient Express“, Mario Puzos „Der Pate“, Patrick Süskinds „Das Parfum“ oder J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Zu „Bücher, die die Welt bewegten“ zählen Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, George Orwells „1984“ oder Charles Robert Darwins „Über die Entstehung der Arten“. Das Kapitel „Bücher der Zeit“ enthält einige Romane, die auf reale Ereignisse zurückgreifen. Darunter sind Stefan Austs „Der Baader-Meinhof-Komplex“, Joachim Fests Hitler-Biografie oder Alexander Solschenizyns „Der Archipel GULAG“. Auch „Populäre Sachbücher“ wie Neil Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ oder Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ dürfen nicht fehlen. Am meisten umstritten sind „Bücher, über die man spricht“. Dazu zählen so unterschiedliche Werke wie Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“, Frank Schätzings „Der Schwarm“ oder Dan Browns „Sakrileg“. Uneingeschränkte Anerkennung werden dagegen die „Longseller“ bekommen. Es sind Abenteuerromane für alle Zeiten und Generationen wie James Fenimore Coopers „Lederstrumpf-Erzählungen“, Charles Dickens‘ „Oliver Twist“, Herman Melvilles „Moby Dick“ oder Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“.

Der inhaltliche Aufbau ist in beiden Bänden gleich. Nach einer Kurzbiografie des Autors werden die Werke in den Kategorien Entstehung, Inhalt und Wirkung vorgestellt. So hat man nach der Lektüre dieser beiden nützlichen Bücher zumindest eine Vorstellung von den wichtigsten literarischen Werken und kann mitreden. Auch wenn gerade eine berühmte Literaturverfilmung im Fernsehen läuft, liefern die knappen Inhaltsangaben gute Dienste zur Einstimmung. Am meisten Wirkung hätten die beiden Bücher allerdings, wenn sie dazu anregten, die Originale zu lesen, die Sprache auf sich wirken zu lassen und die Fantasie zu beflügeln. (Johannes Kösegi – 13.03.2011)

Duden – Bücher, die man kennen muss
Populäre Bestseller; 320 Seiten; ISBN 978-3-411-74861-7; Preis 9,95 €
Klassiker der Weltliteratur; 316 Seiten; ISBN 978-3-411-74851-8; Preis 9,95 €