Das Notfall-Set“ und drei „kleine Retter“ – Ratgeber für medizinische Notfälle von der Stiftung Warentest – Rezension von Johannes Kösegi

Jeder medizinische Laie ist froh, wenn er nicht zufällig einmal in eine medizinische Notfallsituation gerät. Leider kommt es im Leben genau dann dazu, wenn man nicht damit rechnet. Für diese Fälle sollte deshalb jeder vorbereitet sein, nicht nur Führerscheininhaber, die manche Praktiken erlernen müssen. Die Stiftung Warentest hat jetzt vier wichtige Ratgeber herausgebracht, die für alle verständlich, aber mit dem nötigen medizinischen Fachwissen ausgestattet sind.

Das „Notfall-Set“ im DIN-A4-Format bietet neben Anleitungen in Erster Hilfe auch Informationen über Vollmachten und Verfügungen, die Schweigepflichtentbindung und einen Muster-Notfallpass. So kann man sich rechtzeitig damit befassen und nicht erst, wenn schon etwas passiert ist und es bereits zu spät ist. Wenn auch die Auseinandersetzung mit Notfällen, Unfällen und schweren Krankheiten meist verdrängt wird, ist es dennoch wichtig, bestimmte Vorbereitungen zu treffen und zu wissen, was es im Ernstfall zu tun gilt. Genau dafür ist dieses nützliche „Notfall-Set“ geschaffen. Ein Kurzratgeber gibt zunächst kurze Antworten auf die wichtigsten 15 Themen, die in den folgenden Kapiteln ausführlich abgehandelt werden. Als besonderen Service finden sich im hinteren Teil des Buches auf etwa 50 heraustrennbaren Seiten Vordrucke wichtiger Formulare und Checklisten, um auf mögliche Notfälle bestens vorbereitet zu sein. Dazu zählen Notrufnummern, Informationen für Helfer, Kontaktdaten von Ärzten, Medikamentenpläne, persönliche medizinische Pläne, Auskunft über die Blutgruppe, Versicherungsdaten, das Muster einer Patientenverfügung oder Schweigepflichtentbindung, außerdem ein Notfallpass und Organspendeausweis im Scheckkartenformat.

Das Kapitel „Erste Hilfe“ enthält, mit vielen anschaulichen vierfarbigen Grafiken versehen, prägnante Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Informationen zu Warnsignalen, Symptomen und Vorbeugemaßnahmen. Das Rettungsschema zeigt, in welcher Reihenfolge vorgegangen werden soll. Wenn ein Verletzter nicht auf Ansprache und Schmerzreize reagiert, ist er bewusstlos und muss ärztlich untersucht werden. Eine bewusstlose Person muss immer in die stabile Seitenlage gebracht werden. Als lebensrettender Handgriff wird sein Kopf überstreckt und der Mund geöffnet, um die Atemwege freizuhalten. Die folgende Atemkontrolle ist wichtig, denn ohne Sauerstoff kommt es innerhalb weniger Minuten zu lebensbedrohlichen Situationen. Bei fehlender Atmung erfolgt die Wiederbelebung mit Herzdruckmassage. Auf spezielle Krankheitsbilder wird näher eingegangen, etwa verschiedene Schockformen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Atemstörungen, Kopfverletzungen, Wunden und Knochenbrüche, Verbrennungen, Vergiftungen, Elektrounfälle, Augenverletzungen, Fieber und Insektenstiche. Auch der Umgang mit Automatischen Externen Defibrillatoren (AED), die heute in zahlreichen öffentlichen Gebäuden angebracht sind, wird genau dargestellt. Wie eine gutgeführte Hausapotheke ausgestattet sein sollte gehört ebenso zum Inhalt wie Hintergrundinformationen über die Fortsetzung der Rettungskette im Kapitel „Vom Notarzt bis zur Intensivstation“. Im Serviceteil stehen wichtige Adressen auch für spezielle Situationen wie psychiatrische Notfälle.

Wie wichtig auch für Laien notfallmedizinisches Wissen ist, zeigt die Tatsache, dass in Großstädten ein Notarzt durchschnittlich bis zu 12 Minuten und auf dem Land sogar rund 20 Minuten oder mehr braucht, bis er am Notfallort eintrifft. Für die betroffene Person zählt aber jede Minute, denn ohne effektive Erste-Hilfe-Maßnahmen kann die Überlebenschance schnell sinken. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit von bleibenden Schäden, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Leider sind Notfälle nicht planbar, aber man kann sich darauf einstellen. Nur wer gut informiert ist, kann im Ernstfall ruhig bleiben und zielgerichtet handeln. Nach der Lektüre dieses Buches behält man besser den Überblick und gerät nicht so schnell in Panik. Autoren des 144-seitigen Ratgebers „Das Notfall-Set“ (ISBN 978-3-86851-163-5, Preis 12,90 Euro) sind die Münchner Allgemeinärztin und Notfallmedizinerin Dr. Jessica Braun sowie Marcus von Jordan.

Als ideale Ergänzung sind ebenfalls bei der Stiftung Warentest von denselben Autoren drei „Kleine Retter“ zum Preis von je 7,90 Euro im Taschenbuchformat erschienen. Sie liefern schnelle Hilfe im Notfall für besondere Situationen: „Erste Hilfe im Straßenverkehr“, „Erste Hilfe bei Kindern“ und „Erste Hilfe auf Reisen“. Das letzte zeigt, wie lebensrettende Hilfe funktioniert und wie fern von zu Hause Notfallsituationen gemeistert werden. Einiges ist schon bei der Reisevorbereitung zu bedenken, zum Beispiel zu möglichen Infektionen im Ausland oder der Thrombosegefahr auf Langstreckenflügen. Neben den wichtigen Impfungen wird auch eine richtig ausgestattete Reiseapotheke präsentiert.

Bei einem medizinischen Notfall bleibt oft wenig Zeit. Viele Menschen trauen sich aber nicht, aktiv zu helfen. Mit diesen drei Ratgebern gelingt es, im Notfall die Nerven zu behalten und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Dafür sorgen kurze, klare Anweisungen mit vielen Illustrationen. Viele alltägliche Situationen und Missgeschicke werden vorgestellt, etwa was es zu tun gilt bei Augenverletzungen, Verbrennungen, Brüchen, Insektenbiss, Kreislaufkollaps oder Schlaganfall. Viele bunten Grafiken sprechen für sich selbst, dazu erklären einfache und verständliche Illustrationen, was in kritischen Situationen zu tun ist. Alle Informationen sind für medizinische Laien auf den ersten Blick nachvollziehbar.

Die Behauptung ist nicht übertrieben, dass diese drei Büchlein mit jeweils 64 Seiten wirklich Leben retten können. „Erste Hilfe im Straßenverkehr“ (ISBN: 978-3-86851-164-2) mit Anleitungen zur stabilen Seitenlage, Herzmassage und Druckverband, „Erste Hilfe auf Reisen“ (ISBN: 978-3-86851-165-9) mit Infos zu Magen-Darm-Infekten, Sonnenschutz, giftigen Tieren und „Erste Hilfe bei Kindern“ (ISBN: 978-3-86851-166-6) erklärt, was zu tun ist bei Vergiftungen, Verbrennungen, einem Fremdkörper in den Atemwegen oder einem Elektrounfall. Besonders im Alltag mit Kindern lassen sich Unfälle nicht immer vermeiden. Doch wenn einem Kind etwas zustößt, fühlen sich die Eltern manchmal wie gelähmt. Dann kommt es darauf an, diese Schockstarre zu überwinden und schnell zu handeln, wie es hier empfohlen wird. Als Gütesiegel wurden diese vier Ratgeber durch die Stiftung Gesundheit zertifiziert. Sie sind im Buchhandel oder über www.test.de erhältlich. (Johannes Kösegi)