„Das Verbrechen des Herrn Lange“ erstmals auf Blu-ray Disc – Rezension von Johannes Kösegi

ean Renoirs Meisterwerk von 1936

Der französische Meisterregisseur Jean Renoir (1894-1979), der Sohn des Malers Auguste Renoir, hat viele stilbildende Filme geschaffen. StudioCanal pflegt besonders das französische Filmerbe und hat schon mehrere Filme Renoirs herausgebracht, darunter „Die große Illusion“ und „Bestie Mensch“. Jetzt erscheint erstmals das 80-minütige Drama „Das Verbrechen des Herrn Lange“ von 1936 auf Blu-ray Disc. Hier wird ein tragikomischer Blick auf die Ermordung eines allseits unbeliebten Verlagsdirektors durch Herrn Lange geworfen, der ihm die Sympathie der Arbeiter und Kleinbürger sichert. Somit ist dieser Film ein Schlüsselfilm des „Volksfront“-Kinos, das sich auf die Solidarität der arbeitenden Klassen beruft. Erklärungen dazu liefern die Extras mit dem Film-Essay: „Lange oder die Gesinnung des Front Populaire“.

Der Schriftsteller Amédée Lange (René Lefèvre) schreibt Abenteuerromane für den Verlag von Batala (Jules Berry). Als der Verlag vom Ruin bedroht ist, verschwindet Batala spurlos. Man vermutet, er sei bei einem Eisenbahnunglück verunglückt. Die Angestellten wandeln den Verlag daraufhin in eine Kooperative um und haben bald Erfolg damit. Lange ist besonders glücklich, weil er Valentine (Florelle), die ehemalige Geliebte Batalas, seit langem verehrt. Da taucht Batala als Priester verkleidet auf, um den Verlag wieder zu übernehmen. Lange tötet ihn mit einem Revolver und flieht mit Valentine nach Belgien. Er wird an der Grenze erkannt, aber man lässt ihn laufen, nachdem Valentine den anderen Hotelgästen detailliert den Hergang besagter Tat erzählt hat. Demnach war der von Lange erschossene Verleger ein zynischer, charakterloser Kapitalist, dessen Angestellte im Zusammenschluss das Unternehmen vor dem Konkurs zu bewahren versuchten, während er selbst sich der Verantwortung entzogen hatte und geflohen war. Dass Lange ihn bei seiner anschließenden Rückkehr erschoss, erregt schließlich Sympathie bei den Menschen, und sie beschließen, ihn bei seiner Flucht zu unterstützen. „Das Verbrechen des Herrn Lange“ ist als Rückblende inszeniert.

Renoir will mit diesem Film besonders sein soziales Engagement in den Mittelpunkt stellen. Er rechnet mit den kapitalistischen Unternehmen ab und lässt sich dafür am Schluss durch eine Abstimmung bestätigen. Denn Valentine erzählt Langes Geschichte in einer Kneipe vor einfachen Leuten, die darüber befinden sollen, ob Lange ein Mörder ist. Ihr Urteil lautet Freispruch. Dies alles läuft nicht ohne eine gewisse Ironie ab, sodass „Das Verbrechen des Herrn Lange“ eher als Kriminalkomödie verstanden werden kann. Neben der schillernden Figur des Batala spielt auch der Antiklerikalismus eine Rolle, wenn der sterbende Batala in er Soutane nach einem Priester verlang. Für diese Feinheiten ist der Autor Jacques Prevert verantwortlich, der die Idee von Jean Renoir und Jean Castannier kongenial umsetzte.