Indiens Kinokulturen

Schon seit einigen Jahren erfreut sich der Bollywood Film sehr großer Beliebtheit. In der Vergangenheit war dabei oft bis in die  70er Jahren noch vom Hindi-Film die Rede. Der neue Begriff wurde in den 70er Jahren eingeführt. Gemeint waren damit besonders die Hindi-Unterhaltungsfilme. Es war ein indischer Filmkritiker, der den Namen eingeführt hat und sich damit auf die bekannten Studios in Hollywood bezog. Diese Filme sind schon wegen ihrer Lebendigkeit und einer besonders häufig vorkommenden Fröhlichkeit gern gesehen. Natürlich haben diese Filme manchmal auch einen tieferen Inhalt. Doch die Frage, die sich hier stellt, ist: Gibt es wirklich nur den Bollywood-Film? Oder gibt es da noch Filme in der indischen Kinogeschichte, die in eine ganz andere Richtung gehen? Mit diesem Thema beschäftigt sich das jetzt erhältliche Buch über Indiens Kino Kulturen.

Einblick im Allgemeinen

Im vergangenen Jahr gab es etwas in Indien zu feiern. Es handelte sich dabei um die Kinogeschichte von Indien, die den beeindruckenden 100. Geburtstag feierte. Im Rahmen der Kinogeschichte zählen der vielfältige und bunte sowie auch komplexe Charakter. Beispielhaft sind die Werke des Autorenfilmers Satyajit Ray zu nennen, die seit Beginn der 60er Jahre den Westen erreicht haben. Besonders häufig sind eben auch die Bollywood-Filme inzwischen auf DVD und Blu-ray erhältlich. In diesen Filmen geht es mitunter schön kitschig zu, wobei auch manches Mal geweint oder gesungen wird. Mit diesem Buch wird nun der Blick auf die indische Filmgeschichte dahingehend erweitert, das unter anderem auch exemplarische Themen behandelt werden, die in der indischen Filmgeschichte in ganzer Breite zu finden sind.

Ein tieferer Einblick in den Inhalt des Buches

Im ersten Teil des Buches wird nach einem Vorwort der indische Unterhaltungsfilm im Wandel betrachtet. Dabei geht es zunächst einmal um das Wechselbad der Gefühle, wobei es im tieferen Inhalt um Überlegungen zum Masala-Film geht. Geschildert wird dabei eine Handlung eines Film, die schon in den ersten 25 Minuten recht turbulent verläuft. Auch in den weiteren Minuten des Films geht es abenteuerlich zu. Dann folgt eine Klärung der Begriffsmasala, der wiederum eine Betrachtung der Genres folgt. Allerdings stellen diese im indischen Film nicht unbedingt als zentraler Orientierungspunkt dar.

In einem weiteren Kapitel geht es daher um die Entstehung, die Funktion und die Wirkung der Genres. Darin kommt es zur Feststellung, dass eine Klassifizierung der Genres nicht so einfach möglich ist. Zu den weiteren Kapiteln innerhalb des Buches gehören die Rezeptionsschwierigkeiten sowie die emotionale Orientierung im Film. Dort ist dann zu erfahren, dass man Genres auch als Kategorien ansehen kann, deren Prägung kulturell ausgerichtet ist. Dabei erfolgt das Eingehen natürlich auch darauf, dass der Rezipient ein gewisses Vorwissen im Hinblick auf frühere Filme besitzt. Dieses sollte dabei komplex und assoziativ verknüpft sein. Im weiteren Inhalt des Buches erfolgt dann noch das Eingehen auf die Figuren, Figurationen und die Motive im indischen Film, wobei unter anderem die Betrachtung von Naturphänomenen vorliegt.

Mehr zu den Autoren

Für die Herausgabe ist zum einen Dr. Rada Bieberstein verantwortlich, die als akademische Rätin am Lehrstuhl von Professor Susanne Marschall tätig ist. Bei der Professorin handelt es sich um die zweite Autorin und Herausgeberin. Deren Schwerpunkt liegt auf dem Kapitel Audiovisuelle Medien, Film und Fernsehen.

Fazit

Je mehr Jahre man sich mit den Filmen und der umfangreichen Geschichte beschäftigt, umso intensiver ist das Interesse an den Themen ausgeprägt, die sich noch aus Filmen ergeben. So ist das auch mit den Bollywood-Filmen, die sich einer wachsenden Beliebtheit erfreuen. In vielen Filmen zählt dabei nicht nur die Fröhlichkeit der Filme, sondern auch die mitunter sozialen Themen. Davon gekennzeichnet sind auch all die anderen Filme aus den Genres, wobei es interessant ist, noch mehr aus der indischen Filmgeschichte zu erfahren.

Gerade diese Mischung ist interessant und kennzeichnet viele Filme, die dadurch noch mehr Aufmerksamkeit erfahren. Es ist auch faszinierend, welche Bedeutung den einzelnen Motiven zukommen kann. Der Blick richtet sich ferner auf die vier großen Filmemacher, die es nach der Unabhängigkeit gab, was den hohen Informationsgehalt des Buches verdeutlicht. Filmliebhaber Indiens finden eine sehr schöne Lektüre vor, die sich als Highlight durch die DVD mit dem Untertitell „Geschichte – Dramaturgie – Ästhetik“ auszeichnet.  (Marina Teuscher – März 2014)