Tage der Furcht

Die Autorin hat sich durch zahlreiche Publikationen einen Namen gemacht. Dabei handelte es sich um Essays, wobei deren Präsentation als geistreiche Abhandlungen erfolgt. Im Rahmen dieser Essays kommt es zur Betrachtung von gesellschaftlichen, kulturellen oder wissenschaftlichen Phänomenen. In diesen Fällen setzen sich Autoren persönlich mit den Themen auseinander. Dies tat auch Roxane Gay, die jetzt ihren ersten Roman präsentiert.

Der allgemeine Blick auf die Geschichte

Sie wird davon erzählen, wie das Märchen endete, in dem sie einst lebte. Es war an dem Tag, als sie entführt wurde. Das geschah vor den Augen ihrer Familie. Sie wurde verschleppt und in einen Käfig gesperrt. Sie haben versucht, ihren Willen zu brechen. Geschafft haben sie es nicht, weil sie eines unterschätzt haben: Ihren Willen zu kämpfen

Der tiefere Blick in die Geschichte

Es war ein heißer Tag mit 35 Grad. Die Familie macht sich fertig, um sich auf einen Ausflug zu begeben. Natürlich verabschieden sich die Eltern gebührend vom jüngsten Enkel. Dann setzen sich Michael und seine Frau in den Wagen. Die Fahrt beginnt und das Tor öffnet sich. Michael fährt mit dem Wagen vom Grundstück. Plötzlich wird der Wagen von drei schwarzen Landcruisern blockiert. Einen Fluchtweg konnte Michael mit seinem Blick nicht entdecken. Hinter dem Auto bauten sich zwei Männer mit Maschinenpistolen auf. Ein dritter Mann stand vor dem Wagen auf. Er schlug mit seiner Faust so stark auf den Wagen, dass er eine Delle hinterlassen hat. Eine Maschinenpistole hielt er ebenso in der Hand wie die beiden anderen Männer. Dann bearbeiteten zwei der Männer mit den Kolben ihrer Waffen die Autofenster. Gern würden die Eltern nach Christophe greifen, der erschrocken das Geschehen beobachtete. Nachdem das Fenster auf der Seite von Michael’s Frau kaputt war, entriegelte er die Tür und wollte sie hinauszerren. Allerdings blockierte der Sicherheitsgurt weitere Handlungen. Auf den Befehl öffnete sie den Gurt und wurde anschließend aus dem Auto gehoben. Dann wurde sie so stark auf die Straße gestoßen, das ihre Wange brannte. Höhnisch grinsend sprach er sie als Diaspora an. Sie hatte Angst um ihr Baby, während sie einer der Männer an den Haaren fasste, sie auf den Boden warf und ihr in den Bauch trat. Inzwischen hatte sich eine kleine Menschenmenge eingefunden. Sie flehte um Hilfe, wobei ihr jedoch niemand zu Hilfe kam. Was sie noch bei den Menschen bemerkte, war eine große Gleichgültigkeit. Sie musste zudem mitansehen, wie ihr Mann verprügelt wurde. Plötzlich spürte sie etwas kaltes an ihrer Stirn und vernahm die Drohung, dass sie alles verlieren würde, was ihr wichtig ist, wenn sie sich nicht beruhigen würde. Widerwillig lies sie sich von den Entführern mitnehmen. Dann wurde sie bewußtlos. Nach einiger Zeit schlug sie die Augen wieder auf. Nur graue Schatten und grelle Pünktchen waren zu sehen. Sie spürte starke Schmerzen im Kopf. Nachdem ihr wieder klar wurde, wo sie war, begann sie wie wild zu strampeln. Schnell wurde sie jedoch von einem der Entführer gebändigt. Nach einem Schlingerkurs wurde ihr Kopf von einem der Entführer gegen den Vordersitz geknallt, als sie sich übergeben hatte. Plötzlich fielen ihr die Freunde in Miami ein, deren Lieblingsthema Entführungen waren. Sie selber spürt schon, dass sie von ihren amerikanischen Freunden als etwas kurioses empfunden wird. Schließlich stammt sie aus Haiti. Dort hat sie allerdings das Leben von einer Priviligierten genossen. Sie muss auch an die Momente denken, in denen Michael und sie sich gern Freunde eingeladen haben. Bei einem dieser Gespräche kam das Thema „Entführungshochburg Haiti“ auf den Tisch.

Mehr zur Autorin

Bekannt ist die amerikanische Autorin Roxane Gay als sehr vielseitig. So hat sie bereits Sachbücher, Essays, Kurzgeschichten und Gedichte zu feministischen Themen verfasst. Mit „Tage der Furcht“ legt sie ihren ersten Roman vor.

Fazit

Das Buch ist interessant geschrieben, auch wenn vielleicht manchmal die Rückblende in die Vergangenheit etwas störend wirken mag. Es gibt es allerdings bereits auf der Rücksende einige Worte, die erkennen lassen, dass es sich bei dem Buch nicht ausnahmslos ein Thriller handelt. Dabei handelt es sich um die Worte „Sie wollten mich brechen.“ Jedoch ist ihnen dies nicht gelungen. Und dann erzählt Mireille von ihrem Leben und der Entführung. In dieser Zeit geschieht viel mit ihr, was ihr Seelenleben verändert. Dies gehört eher jedoch ins Genre Schicksal. Immerhin wird sie ein Opfer von Missbrauch. Von Spuren, die auf das Genre Thriller deuten, ist jedoch nur wenig zu finden. Wer einen Roman sucht, indem es darum geht, was man an Schicksalsschlägen erlebt und wie man wieder halbwegs auf den geraden Weg gerät, ist mit diesem Buch gut beraten. (Marina Teuscher – 27.12.2016)