Robert Altmans Kriminalkomödie „Gosford Park“ erstmals auf Blu-ray Disc von Johannes Kösegi

Ein Mord in bester Gesellschaft kombiniert mit britischer Sozialkritik wird in Robert Altmans Kriminalkomödie „Gosford Park“ (2001) vortrefflich inszeniert. Erstmals erscheint dieser großartige Film bei StudioCanal auf Blu-ray Disc. Zu den 138 Minuten reiner Spielzeit werden noch viele Extras geboten: Audiokommentare von Robert Altman („Cookie‘s Fortune – Aufruhr in Holly Springs“) und von Drehbuchautor Julian Fellows, geschnittene Szenen, Making-of, „Die Realität hinter Gosford Park“, Fragen und Antworten mit Cast und Crew und der Originaltrailer.

Im Spätherbst 1932 haben Sir William McCordle und seine Frau Lady Silvia zu einer exklusiven Wochenendgesellschaft auf den prunkvollen Landsitz Gosford Park geladen. Unter den Gästen sind Verwandte und Freunde, elegante Damen und feine Herren. Aber hinter der Fassade brodelt es gewaltig, und neben der Adelsgesellschaft gibt es die Diener und Mägde. So treffen hier zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Grenzen und Spielregeln zwischen Herren und Dienern haben sich schon aufgelöst. Der amerikanische Filmproduzent Weissman wird von seinem „Butler“, der eigentlich sein schwuler Freund ist, begleitet. Unter den Bediensteten des angeblich so feinen Hauses gibt es Intrigen und Rangordnungen. Schließlich wird Sir William ermordet in seinem Arbeitszimmer aufgefunden, vergiftet und danach erstochen. Auch der herbeigerufene Inspektor kann den Fall nicht so einfach aufklären, denn viele der Anwesenden haben ein Tatmotiv. Schließlich stellt sich heraus, dass der Hausherr ein Opfer seiner erotischen Gelüste wurde.

Robert Altmans „Gosford Park“ ist eine gekonnte teilweise komödienhafte Paraphrase auf die Kriminalromane von Agatha Christie, angereichert mit typisch britischem Understatement. Der Film wurde von der Kritik gefeiert, gewann zahlreiche Festival- und Kritikerpreise und war unter anderem für einen Oscar als bester Film nominiert. Weitere Nominierungen für den Academy Award erhielten Robert Altman für seine Regiearbeit und Helen Mirren und Maggie Smith als beste Nebendarstellerinnen, ausgezeichnet wurde Julian Fellowes mit dem Oscar für das beste Original Drehbuch.

Unter der Oberfläche der intriganten Figuren enthüllt der Film die soziale Stellung der Lords und Ladies, der Butler und Zofen oder der Stallburschen und Dienstmädchen im noch sehr vom Adel geprägten Großbritannien des frühen 20. Jahrhunderts. Dieses meisterhafte Sittengemälde porträtiert Egomanen, Exzentriker, Snobs ebenso wie verarmten Adel und neureiche Aufsteiger. Erstklassige britische Darsteller wie Maggie Smith („Harry Potter“, „Best Exotic Marigold Hotel“), Ryan Philippe („Eiskalte Engel“, „L.A. Crash“), Michael Gambon („Kingsman: The Golden Circle“, „Harry Potter“), Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“, „Der goldene Kompass“) und Camilla Rutherford („Der seidene Faden“, „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“) vermitteln vortrefflich die Ironie der Geschichte, in der zwei Welten aufeinanderprallen und doch irgendwie miteinander verstrickt sind. Im Zentrum steht dabei der Hausherr mit seinen Abhängigkeiten, Lügen und Geheimnissen bis in den Tod. Auch in der Unterschicht gibt es eine klare Hierarchie. Die dekadente Oberschicht trauert dem zu Ende gehenden viktorianischen Zeitalter nach.