Die Auserwählten

Der deutsche Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur wird in seiner Generation zu den renommiertesten Filmschauspielern gezählt. Seine bekannteste Rolle ist die eines Oberstleutnant in dem Film „Das Leben der Anderen“. Dort war er als für die Staatssicherheit der DDR tätig. Neben einer umfangreichen Filmografie hat er zahlreiche Hörbücher gesprochen. Dazu gehört die „Gebrauchsanweisung für Italien“. Er war so erfolgreich, dass ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen wurden. Neben dem Goldenen Bär der Berlinale des Jahres 1986 wurde ihm mehrfach der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Jetzt ist er in dem neuen Film „Die Auserwählten“ zu sehen, der inzwischen auf DVD erschienen ist. Dabei geht es um ein sehr sensibles Thema – um den Missbrauch von Kinder.

Deutschland gegen Ende der 70er Jahre. Ein neues Schulmodell macht von sich reden. Dabei leben Lehrer und Schüler in Gebäuden zusammen. Aufgrund der modernen Lebensweise  wird die Odenwaldschule in Bezug auf die Reformpädagogik zu einer legendären Vorzeige-Einrichtung. Dort beginnt Petra Grust eines Tages ihren Dienst. Sie ist nunmehr für das Fach Biologie zuständig. Angenehm ist zunächst die Tatsache, dass der berühmte Schulleiter Simon Pistorius ihr Vertrauen entgegen bringt. Allerdings erweist sich der Alltag im Internat als sehr irritierend. So gibt es keine getrennten Duschen. Sogar Alkohol und Zigaretten sind im Internat angesagt. Und dann ist da noch diese Affäre, die ein Lehrer mit einer minderjährigen Schülerin hat. Es dauert nicht lange, bis sie weitere Anzeichen für einen stattfindenden Alptraum an der Odenwaldschule findet. Sie trifft auf Frank, der mit seinen 13 Jahren völlig verstört ist und beschäftigt sich näher mit dem Jungen. Wirklich erreichen kann sie ihn jedoch nicht. Eines Tages sieht sie jedoch etwas schreckliches im Wald – einen Lehrer und einen nackten Jungen. Eines Tages findet sie Frank unter einer Dusche. Petra versucht hinter die Geheimnisse zu kommen und befragt Kollegen, von denen keiner etwas wissen will. Sogar Franks bester Freund ist von dem Missbrauch betroffen.

Es ist ein Film, der betroffen macht und über den man sicherlich endlos diskutieren kann. Im Mittelpunkt steht die Odenwaldschule, die einst als das großartigste Experiment im Hinblick auf die Schulreform galt. Vor einigen Jahren ist die Schule aufgrund von mehrfachem Kindesmissbrauch in die Schlagzeilen geraten. Die Thematik hat Regisseur Christoph Röhl aufgegriffen und fünf Jahre lang recherchiert. Zunächst hatte er einen Dokumentarfilm gedreht und lies jetzt den Spielfilm folgen. Das ist allerdings ziemlich beachtlich. Immerhin gibt es eine Vielzahl von Opfern, von denen wahrscheinlich nicht alle an dieses Geschehen erinnert werden wollen. Es wird allerdings auch einige der Opfer geben, die die Idee nicht schlecht finden, weil die Öffentlichkeit endlich mehr über das Thema informiert wird. Von Vorteil wäre es in diesem Fall, wenn sich der Film komplett an das Geschehen halten würde. Dies ist hier allerdings nicht der Fall. Im Film macht sich eine Lehrerin für die Kinder stark und das war zur damaligen Zeit an der Odenwaldschule nicht der Fall. Dabei vermitteln die Darsteller eine überzeugende Rolle, weil unter anderem Ulrich Tukur die Darstellung von solch schwierigen Charakteren gern spielt. Es ist allerdings schon fast beängstigend, wie manche Charaktere in dem Film die Situation kleingeredet haben. Der Schritt von gut und böse ist schließlich manchmal nur 0,01 Zentimeter breit. Zudem vermittelt der Film noch eine andere Seite des Lebens. Von einer besonders großen Bedeutung ist das Hinschauen und das Zuhören und nicht das Wegschauen wie an der Odenwaldschule, was über Jahrzehnte der Fall war. (Marina Teuscher – 10.11.2014)

 

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