Die Drei Tage des Condors – Bericht von Johannes Kösegi

Politthriller „Die drei Tages des Condor“ neu auf Blu-ray Disc

Zeitlos und aktuell

Nicht erst der NSA-Abhörskandal zeigt, wie realistisch Politthriller im Geheimdienstmilieu sein können. Das gilt auch für den 1975 unter der Regie von Sydney Pollack entstandenen Film „Die drei Tage des Condor“, den StudioCanal nach digitaler Restaurierung in bester Qualität auf Blu-ray Disc herausbringt. In dem spannenden Thriller kämpft Robert Redford gegen einen unerbittlichen Machtapparat an. Kritisch stellt der Filmklassiker die Macht und zweifelhaften Moralvorstellungen der Geheimdienste in Frage. Als Extras gibt es die Dokumentation „Paranoia-Kino der 70er Jahre“ und einen Audiokommentar des Regisseurs.

Der 1934 in Indiana als Sohn eines Apothekers geborene Sydney Pollack entdeckte bereits mit 17 Jahren in New York das Theaterspielen für sich. Er übernahm erste Rollen in Fernseh- und Broadway-Produktionen. Ab 1960 führte er Regie im Fernsehen und inszenierte 1963 unter anderem die erste Folge der Serie „Dr. Kimble – Auf der Flucht“. Mit dem Drama „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ gelang ihm 1969 der Durchbruch. Mitte der 1970er-Jahre folgten mit dem Gangsterfilm „Yakuza“ und „Die drei Tage des Condor“ zwei Karrierehöhepunkte des Regisseurs. Da er sich oft mit Produzenten auseinandersetzen musste, produzierte er fortan alle seine Filme mit großem Erfolg selbst. Seine Travestie-Komödie „Tootsie“ mit Dustin Hoffman wurde für zehn Oscars nominiert, sein größter Erfolg wurde „Jenseits von Afrika“ (1985) mit sieben Oscars. Sydney Pollack starb am 26. Mai 2008 in Los Angeles an Krebs.

„Die drei Tage des Condor“ ist ein brillanter Thriller, der einige der großen Geschichten der 1970er-Jahre bündelt, vor allem das Gefühl eines umfassenden Vertrauensverlustes in demokratische Institutionen, geprägt durch die Watergate-Affäre. Dabei ist die Geschichte einfach und kompliziert zugleich, was einen guten Thriller auszeichnet. Der Literaturwissenschaftler Joseph Turner (Robert Redford) arbeitet in der New Yorker Dienststelle einer als „American Literary Historical Society“ getarnten Abteilung der CIA. Dort wird internationale Literatur auf geheimdienstlich relevante Hinweise mit modernster Technik durchsucht. Maschinen blättern Seiten um, immer dreht sich irgendeine Speicherplatte. Als Turner vom Laden an der Ecke zurückkommt, wo er Essen für die gesamte Mannschaft geholt hat, findet er seine Kollegen erschossen auf. Turner flieht, denn auch die CIA bietet ihm keinen Schutz. Er ist mitten in einer großen Verschwörung gelandet. Regierungsstellen konspirieren miteinander und gegen den Rechtsstaat, ein Killer wird auf Turner angesetzt. Turner nimmt die Fotografin Kathy Hale (Faye Dunaway) als Geisel und versteckt sich bei ihr. Diese seltsame Liebesgeschichte ist ein Beispiel für das „Stockholm-Syndrom“, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Neben dieser persönlichen Geschichte werden aber auch einige der großen politischen Fragen der frühen Siebziger verhandelt: Wie pragmatisch darf und wie moralisch muss Politik sein? Trotz der Verkommenheit vieler Institutionen zeigt der Film auch einige gute Seiten der Gesellschaft. Denn die freie Presse funktioniert noch, und wenn die Wahrheit ans Licht kommt, kann dies die Gesellschaft verändern. Whistleblower wie Edward Snowden beweisen immer wieder die zeitlose Gültigkeit dieses Phänomens.

Neben der seltsamen Romanze fällt der Film vor allem dadurch auf, dass er Definitionen von Gut und Böse ignoriert. Die CIA-Männer und die von ihnen beauftragten Profikiller gehen nur ihrem Geschäft nach. Selbst ihre Sprache ist sachlich und systematisch. Am ehesten einem Bösewicht gleicht der unnachgiebige Auftragsmörder Joubert, perfekt dargestellt von Max von Sydow. Er ist so abgestumpft, dass er sich in seiner freien Zeit mit Spielzeugsoldaten beschäftigt. Die Filmmusik begeistert mit ihrem ruhigen Sound, der sich mit Szenen absoluter Stille abwechselt, was die Spannung im geeigneten Moment noch steigert.