Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ – Bericht von Johannes Kösegi

Als Director’s Edition Neu auf Blu-ray-Disc – Kinofassung und Director’s Cut neu in 4K digitalisiert

Der am 31. März 1939 in Wiesbaden geborene Arztsohn Volker Schlöndorff gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsregisseure und wichtiger Vertreter des Neuen Deutschen Films. Höhepunkt seiner Karriere war der Oscar für die Verfilmung von „Die Blechtrommel“ nach dem Roman Günther Grass. Dieses zeitlose Meisterwerk erscheint bei StudioCanal in einer Doppel-BD mit der neu in 4K digital restaurierten Kinofassung (142 Minuten) und demDirector’s Cut (163 Minuten). Beim Vergleich lässt sich erkennen, welche Szenen dem Regisseur besonders wichtig waren, die in der Kinofassung aus Zeitgründen herausgeschnitten werden mussten.

Schlöndorffs Vorliebe gilt Verfilmungen deutscher und internationaler Literaturklassiker. Als Mittler zwischen Autoren- und Publikumsfilm widmet er sich gern jenen Büchern, die als unverfilmbar gelten und macht sie einem breiten Zuschauerkreis zugänglich. Dabei schließen sich Tiefgang, politische Aussage und Unterhaltung nicht aus. „Die Blechtrommel“ zeigt exemplarisch die Vielseitigkeit und Konsequenz, mit denen er seine Ideen umsetzt. Seine hohe Eloquenz und Bildung kommen im Bonusmaterial zum Ausdruck, darunter „Die Blechtrommel – Erinnerungen von Volker Schlöndorff“, Eberhard Junkersdorf über „Die Blechtrommel“, ein Blick in das Archiv von Nicos Perakis, Bildergalerien mit Fotos von Szenen und hinter den Kulissen und ein Audiokommentar von Volker Schlöndorff

Angefangen hat Schlöndorffs Karriere mit einem Schüleraustausch 1956 in Frankreich. Aus dem Kurzaufenthalt werden zehn Jahre. In Paris studiert er politische Wissenschaft und lernt am Institut des hautesétudescinématographiques (IDHEC) Louis Malle kennen. Schlöndorff arbeitet nun als dessen Regie-Assistent, außerdem mit Alain Resnais, Jean-Pierre Melville und seinem Schulfreund Bertrand Tavernier zusammen. Bis Mitte der 1970er Jahre behandeln seine Filme oft das Thema der Rebellion und beziehen sich damit auf die aktuelle gesellschaftliche Situation. Die Verfilmung von Günter Grass‘ Roman „Die Blechtrommel“ (1978) wird Schlöndorffs größter Erfolg, der ihm die Goldene Palme in Cannes und einen Oscar einbringt, was ihm den Weg zu internationalen Großproduktionen ebnet. Der frühreife Oskar (David Bennent) ist 1927 in Danzig gerade erst drei Jahre alt geworden. Und doch ist ihm bereits klar, dass er das kleinbürgerliche Leben der Erwachsenen nicht akzeptieren will. Er hört auf zu wachsen und protestiert mit seiner Blechtrommel gegen die Nazis und ihre Mitläufer. Mit den zeittypischen Eigenschaften Verweigerung und Protest wird Oskar zur Symbolfigur der Zeitkritik. Seine schrille Stimme bringt sogar Gläser zum Bersten. Erst als nach dem Krieg eine menschlichere Zeit beginnt, beschließt Oskar wieder am Leben teilzunehmen und wächst weiter. Der 13-jährige David Bennent spielt diese Rolle mit einer unglaublichen Präsenz und macht diesen Film zum bis dahin erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilm. Neben dem Hauptdarsteller sind bekannte Film- und Kinostars wie Mario Adorf, Angelika Winkler, Katharina Thalbach und Charles Aznavour mit von der Partie. Der gesellschaftliche Skandal des Romans blieb zwanzig Jahre nach dessen Veröffentlichung dem Film weitgehend erspart.