Otto-Box – Rezension von Johannes Kösegi

Die drei besten Kinofilme von Otto Waalkes in bester Qualität

Neu remastered und erstmals auf Blu-ray Disc erscheinen bei Universum Film die drei besten Filme des ostfriesischen Komikers Otto Waalkes. Die Streifen „Otto – Der Film“, „Otto – Der neue Film“ und „Otto – Der Außerfriesische“ mit einer Gesamtlaufzeit von 260 Minuten stammen aus den 1980er Jahren. Als Bonus gibt es die Original-Kinotrailer in HD-Qualität. Die beiden später noch folgenden Filme waren in der Qualität deutlich abgefallen und sind deshalb in dieser Otto-Box nicht enthalten.

Otto Waalkes, geboren 1948 im ostfriesischen Emden, ist ein Unikum und mit dem einfachen Begriff Komiker bei weitem nicht zu charakterisieren. Er ist auch Comic-Zeichner, Musiker, Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher. Unter den deutschsprachigen Komikern nimmt er hinter Loriot und Heinz Erhardt den dritten Platz ein. Seine Markenzeichen sind ein schelmisches Lachen, wehendes blondes Haar, flotte Sprüche mit vielen Anspielungen und eine typische Körpersprache, die er auf vielen Bühnen und Kinoleinwänden präsentiert hat. Sein Humor beruht auf Kalauern, Wortspielen und einer albernen Sprache mit Geräuschimitationen. Vor seinen Parodien ist fast niemand und nichts sicher, auch bekannte Lieder werden aufs Korn genommen. Seine humoristischen Vorträge enthalten Satire, politische Anspielungen, aber auch Zeit- und Gesellschaftskritik. In den Filmen ist er nicht anders als auf der Bühne, nur nutzt er zusätzlich die Mittel des Mediums, um etwa andere Filme zu parodieren und ins Lächerliche zu ziehen. Ähnlich wie bei Loriot steckt hinter den so locker wirkenden Sprüchen und Slapsticks eine hochprofessionelle Präzisionsarbeit, die nichts dem Zufall überlässt. 2018 wurde der bekannte Ostfriese im Alter von 70 Jahren unter dem Motto „Kultur verbindet!“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Ottos Spielfilmdebüt „Otto – Der Film“ von 1985 ist mit über 14 Millionen Zuschauern der bis heute dritterfolgreichste gesamtdeutsche Kinofilm seit Beginn der Zuschauerzahlenerfassung 1968. Unter den vielen bekannten Darstellern sind Koryphäen wie Johannes Heesters oder Gottfried John, aber auch der damals populäre Fußballtorwart Wolfgang Kleff mischt als Ottos Spiegelbild mit. Den Jüngeren sind heute einige Anspielungen etwa auf die Sängerin Anneliese Rothenberger kaum noch verständlich, aber die meisten Gags sind zeitlos und faszinieren alle Generationen. So gibt es Hinweise auf so unterschiedliche Stars wie Heino und Michael Jackson. Die Filmhandlung ist dabei nur Mittel zum Zweck. Der junge Mann Otto aus Ostfriesland will endlich weg von daheim. Daher zieht er in die große Stadt Hamburg, wo er von nun an glücklich und zufrieden leben will. Sein Startkapital leiht er sich von einem Mann namens Shark (Peter Kuiper), der sich bald als Kredithai entpuppt.Die lächerlichen paar Mark, die er Otto geliehen hat, sind bald zu einem Schuldenberg von 9876,50 DM angewachsen. Woher aber soll Otto das Geld nehmen? Vielleicht von der hübschen Silvia von Kohlen und Reibach als Anspielung auf die Krupp-Familie von Bohlen und Halbach, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat?

In der Fortsetzung „Otto – Der neue Film“ (1987) waren nicht mehr alle Kritiken so durchweg positiv wie beim ersten Film. Die vielen Produktplatzierungen wirken schon fast penetrant und auch die Kalauer haben nicht mehr die Durchschlagskraft. In der wieder eher sekundären Handlung ist Otto gerade ist aus der Wohnung geflogen, weil er die Miete nicht bezahlen konnte. Deshalb muss er seine Mietschulden durch Hilfsarbeiten für seinen Hausmeister abarbeiten. Ausgerechnet jetzt zieht eine Neue ein, die ihm das Herz raubt. Doch Gaby (Ute Sander) hat nur Augen für den einfältigen Bodybuilder Amboss (Georg Blumensaat), während sich Otto mit einer suizidgefährdeten Katze und einem neurotischen Hund herumschlagen muss.

Markenzeichen von Ottos drittem Kinofilm „Otto – Der Außerfriesische“ (1987) ist sein Filmwohnsitz, der Pilsumer Leuchtturm mit seinem gelbroten Streifenmuster. Hier auf dem Deich wohnt er in froher Einfalt und sehr zum Ärger der Firma HighSpeedUnlimited. Die High-Tech-Schmiede will die friesische Landschaft mit der Teststrecke für einen Raketengleiter verunstalten. Otto stellt sich diesen Plänen in den Weg. Angestachelt von Freundin Frauke (Barbara May) macht er sich auf nach Amerika, um Bruder Benno – auch gespielt Otto Waalkesin einer Doppelrolle – zu holen.Denn nur der ist als rechtmäßiger Leuchtturmeigner in der Lage, die Machenschaften der notorischen Umweltsünder zu stoppen. In einer Gastrolle tritt auch Ottos Kollege Loriot auf.

Auch hier gab es negative Kritiken über dürftigen Klamauk, Kalauer und abgestandene Witze. Aber das wird echte Otto-Fans nicht schrecken. Sie freuen sich, dass sie seine ersten drei Kinofilme zum ersten Mal in bester Bild- und Tonqualität bestaunen können.