Die Dolmetscherin – Rezension von Johannes Kösegi

Sydney Pollacks Politthriller mit Nicole Kidman und Sean Penn 

Mit dem Watergate-Thriller „Die drei Tage des Condor“ (1975) und dem mehrfachen Oscar-gekrönten „Jenseits von Afrika“ (1985) hat der amerikanische Schauspieler und Regisseur Sydney Pollack (geboren 1934) Weltruhm erlangt. 20 Jahre danach greift er mit dem Film „Die Dolmetscherin“ (2005) wie andere liberale Regisseure (John Boorman, Jonathan Demme) zu Beginn des neuen Jahrtausends das Thema der politischen Verschwörung in höchsten Regierungsämtern und die Machenschaften von Diktatoren auf, die auch Morde nicht scheuen.

Kurz nach dem Tod des möglichen Vorbildes für diese Rolle, des langjährigen Machthabers von Simbabwe Robert Mugabe, erscheint bei StudioCanal in der Arthaus-Reihe der gut zweistündige Politthriller „Die Dolmetscherin“ mit den Oscar-Preisträgern Nicole Kidman („The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, „Moulin Rouge“) und Sean Penn („21 Gramm“, „Milk“) erstmals auf Blu-ray Disc.

Als Extras gibt es den Audiokommentar von Sydney Pollack, ein alternatives Ende, geschnittene Szenen, Sydney Pollack über die Entstehung des Films, Pan & Scan vs. Widescreen, Dokumentationen über die Dreharbeiten bei den Vereinten Nationen, einen Tag im Leben echter Dolmetscher und den Originaltrailer.

Die UN-Dolmetscherin Silvia Broome in New York hört zufällig ein Gespräch mit, bei dem es um die geplante Ermordung des Staatschefs Zuwanie aus Matobo im südlichen Afrika geht, der demnächst vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprechen will. Er hatte sich vom Befreiungskämpfer zum Diktator entwickelt, weshalb ihm Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof droht. Nach Broomes Meldung wird der Secret Service eingeschaltet. Dessen Agent Tobin Keller glaubt ihr zunächst nicht, dass sie in diesem afrikanischen Land aufgewachsen ist und der größte Teil ihrer Familie durch eine vom Regime gelegten Mine ums Leben gekommen ist. Doch später traut er ihr allmählich, als sie von den von ihr belauschten Personen bedroht wird.

Ein Bombenattentat in einem Linienbus tötet einen politischen Gegner Zuwanies sowie einen Kollegen von Keller. Erst kurz zuvor hat Broome den Bus verlassen und überlebt so den Anschlag. Hauptaufgabe des Secret Service und Keller ist es jetzt, Zuwanie während seines Aufenthalts in New York zu schützen. Während Zuwanie seine Rede hält, erschießt sein Sicherheitschef den vermeintlichen Attentäter. Das Ganze war aber nur ein inszeniertes Täuschungsmanöver. Denn ein HIV-Infizierter wurde von Zuwanies Sicherheitschef dafür bezahlt, mit einer entschärften Waffe auf den Staatschef zu schießen. Der Sicherheitschef sollte das vermeintliche Attentat in letzter Sekunde verhindern, indem er den Attentäter erschießt. Durch das Überleben eines Attentats hätte Zuwanie sein hartes Durchgreifen gegen angebliche Terroristen rechtfertigen können und wäre möglicherweise dem drohenden Verfahren entkommen. Silvia Broome hat sich bereits mehrere Stunden vor dem vermeintlichen Attentat im Schutzraum des UN-Gebäudes versteckt und wartet darauf, den hier in Schutzhaft befindlichen Zuwanie stellen zu können. Sie bedroht ihn mit einer Waffe, als Keller eintrifft und sie überzeugt, die Waffe wegzulegen. Broome wird aus den Vereinigten Staaten ausgewiesen, und der UN-Sicherheitsrat entscheidet, Zuwanie an den Internationalen Strafgerichtshof zu übergeben. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, ein demokratischer Afrikaner, erlaubte für diesen Film ausnahmsweise Dreharbeiten im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, auch im Saal der Generalversammlung. Denn Sydney Pollack konnte Annan davon überzeugen, dass der Film „für Diplomatie und gegen Gewalt“ stehe. Außer dem fiktiven Land Matobo ist auch der Dialekt „Ku“ eine Erfindung für den Film. Neben der politischen Verschwörung und dem US-typischen Glauben an den Nutzen von Geheimdiensten entwickelt Regisseur Pollack beeindruckend die zwischen Misstrauen und Zuneigung pendelnde Beziehung der beiden Protagonisten, die von Nicole Kidman und Sean Penn eindrucksvoll verkörpert werden. Exzellent ist auch die Kameraarbeit von Darius Khondji. Hauptdarstellerin Nicole Kidman lernte speziell für diese Rolle Flöte spielen und Vespa fahren. Außerdem ist Regisseur Sydney Pollack in einer Nebenrolle als Chef des Geheimagenten Tobin Keller zu sehen.

Fazit: Ein sehenswerter Polit-Thriller mit einer verwickelten Geschichte und hervorragenden Darstellern.