Die Wiese – Ein Paradies Nebenan – Rezension von Johannes Kösegi

Spektakuläre Naturdokumentation von Jan Haft 

Viele Naturfilmer haben in den letzten Jahren ihr Revier vermehrt von der Serengeti und anderen exotischen Biotopen vermehrt in heimische Gefilde verlegt. So lernt der begeisterte Betrachter unsere Natur kennen, die durch Umweltverschmutzung und radikalen Landbau immer mehr zerstört wird. Jan Haft, der auch unsere Wälder und Moore im Kino und Fernsehen dokumentierte, hat in seinem neuesten Kinofilm „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ erneut eine vermeintlich bekannte Naturlandschaft in perfekten Bildern mit modernster Kameratechnik porträtiert.

Wieder lässt er die Zuschauer bisher so noch nie gezeigte Perspektiven und Szenen erleben, die sich vielfach vor unserer Haustür abspielen. Zu den 93 Minuten des Films in gestochen scharfer HD-Qualität kommen auf der neuen Blu-ray Disc von polyband Medien noch zusätzlich etwa 20 Minuten Extras, darunter Kinotrailer und Interviews mit Regisseur Jan Haft und seiner Frau Melanie. 

Jan Haft zeigt, dass die Wiese so bunt und vielfältig wie ein Korallenriff ist, wenn man nur richtig hinsieht. Es gibt so viel Neues zu entdecken, sowohl für Städter als auch für Landmenschen, die in unserer hektischen Zeit kaum noch dazu kommen, die Natur zu genießen und genau zu beobachten. Außerdem weiß niemand, wie lange diese schöne Natur mit ihren Tausenden von Tier- und Pflanzenarten noch erhalten bleibt. Deshalb hat die Deutsche Wildtier Stiftung Jan Haft, einen der besten Naturfilmer weltweit, gebeten, mit den Mitteln eines modernen Dokumentarfilms auf dieses brennende ökologische Thema aufmerksam zu machen. Die Veränderungen in unserer Landschaft in den letzten Jahrzehnten sind kaum vorstellbar. Millionen Hektar der genutzten Flächen werden nicht mehr im Sinne der Naturerhaltung extensiv bewirtschaftet, sondern mehrmals jährlich mit Gülle und Kunstdünger überfrachtet. Dadurch hat die Tier- und Pflanzenwelt keine Überlebenschance mehr. Der Rückgang der artenreichen Blumenwiesen um 98 Prozent beweist, dass in Deutschland kein anderer Lebensraum so massiv bedroht ist. Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Davon sind zwei Drittel Äcker, ein Drittel Grünland. Die Insekten lebten hier, als noch wenig gedüngt wurde, und bestäubten die Nutzpflanzen und waren Nahrungsgrundlage für Singvögel und andere. Noch existieren fünf Millionen Hektar Wiesen und es ist noch nicht zu spät, aber bereits fünf Minuten vor Zwölf. Der Film will ein Notruf, hoffentlich noch kein Nachruf sein. Der Zuschauer soll aufgerüttelt werden.

Die HD-Bilder und die stimmige Musik von Dominik Eulberg und Sebastian Schmidt bieten nebenbei auch viel Genuss und erzählen interessante Geschichten, die immer wieder überraschen.Dafür wurde wieder keine Mühe gescheut. Die Drehzeit dauerte drei Jahre von 2016-2018, es gibt 400 Zeitraffer, insgesamt 250 Stunden Filmmaterial wurde während der 300 Drehtage auf 30 TB Festplatten gespeichert. 1000 Stunden verbrachten die geduldigen Kameramänner Jan Haft und Kay Ziesenhenne im Tarnversteck. Zum Einsatz kamen neueste Filmtechniken in 4K und unkomprimiertes hochauflösendes Video (HDCamSR), extreme Zeitlupen der neuesten Generation sowie bewegte und bewegende Zeitraffer zu allen Tages- und Nachzeiten. Allein die Postproduktion dauerte ein ganzes Jahr von Januar 2018 bis Januar 2019. 

Das Ergebnis lässt sich sehen und hören und wirkt auch großartig am heimischen Bildschirm. Jan Haft zeigt, was ihn schon als Kind begeistert hat. Kaum irgendwo ist es so bunt, vielfältig und schön wie auf einer blühenden Sommerwiese. Hunderte Arten von Vögeln, Heuschrecken, Zikaden und anderen Tieren leben zwischen den Gräsern und farbenprächtig blühenden Kräutern der Wiese.In nie gesehenen Bildern und mit großem, technischen Aufwand gedreht, stellt die Dokumentation einige der schönsten, liebenswertesten und seltsamsten Bewohner unserer Wiese vor, vom Argus-Bläuling bis zur punktierten Zartschrecke. Warum also in die Ferne schweifen, wenn es vor der eigenen Haustür so schön sein kann. Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele davon anstecken lassen, selbst die schöne Natur zu erkunden und dafür beizutragen, dass sie so erhalten bleibt. Denn wenn es der Natur gutgeht, trägt das auch zu unserer Lebensqualität bei. Somit ist der Film eine Augenweide, ein lehrreicher Genuss und ein Aufruf zum achtsamen Umgang mit einem Lebensraum, dessen fortschreitender Rückgang schwerwiegende Auswirkungen haben könnte. Nicht erst seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“in Bayern oder dem UN-Artenschutzbericht ist das Thema Artenschutz, das auch dieser Film aufgreift, hochaktuell.Denn er zeigt auch, wie sehr der Lebensraum Wiese in seinen vielen Ausprägungen von der modernen Landwirtschaft bedroht ist.