Herz, Musik und Happy End – Rezension von Johannes Kösegi

Sieben der schönsten Schlagerfilme 

In der deutschen Nachkriegsgeschichte gab es in den 1960er Jahren eine relativ friedliche Zeit. Die Kriegstrümmer waren abgeräumt, die Wirtschaft und der Wohlstand nahmen Fahrt auf und die Probleme mit der protestierenden Jugend und dem Terrorismus lagen noch in der Zukunft. Auch in dieser Zeit sehnten sich viele nach einer heilen Welt und Entspannung in der meist noch knapp bemessenen Freizeit. Das betraf auch den Geschmack vieler Kinogänger.

Ähnlich wie in der Musik werden auch im Film U(nterhaltung) und E(rnst) unterschieden. Während in Deutschland nach dem Niedergang der UFA nach dem Zweiten Weltkrieg erst mit dem Neuen Deutschen Film wieder angeblich „seriöse“ Produktionen in die Kinos kamen, stand der E-Film in Form von Heimatfilmen in den 1950er Jahren in voller Blüte. Etwas später in den 1960er Jahren waren die Edelweiße dann etwas verblüht und der deutsche Schlagerfilm erreichte seinen Höhepunkt. Schlagerstars wie Rex Gildo, Peter Kraus oder Vivi Bach beherrschten die Szene in Film und Fernsehen. Beliebte Schauspieler wie Heinz Erhardt, Gunnar Möller, Claus Biederstaedt, Ralf Wolter, Hannelore Elsner, Ingrid van Bergen, Gustav Knuth oder Harald Juhnke gesellten sich zu den Schlagerstars in vielenleichten Musikfilmen dieser Zeit. Menschliche Probleme sind eher Fehlanzeige in diesen Geschichten, es dominieren komödiantische Elemente unter verliebten jungen Menschen, die oft in Urlaubslaune sind. Das ist ein Grund, dass diese Schlagerfilme von der Filmkritik eher mit Häme betrachtet oder gar völlig ignoriert werden. Dass sie aber bis heute noch viele Menschen erfreuen, zeigen die zahlreichen Wiederholungen im Fernsehen.

Ein gutes eigenes Urteil kann sich jeder bilden dank einer Kollektion auf vier DVDs mit sieben der schönsten Filme aus der Blütezeit des deutschen Schlagerfilms, die unter dem Titel „Herz, Musik und Happy End – Die schönsten Schlagerfilme der 60er Jahre“ bei Studio Hamburg erscheint. Auf insgesamt 619 Minuten wird Nostalgie der 1960er Jahre geboten. Es ist die Fortsetzung einer großen Tradition der deutschen Tonfilmoperette wie „Die Drei von der Tankstelle“ (1930) mit Willy Fritsch, Lilian Harvey und Heinz Rühmann. Auch hier wird gesungene Musik in die Filmhandlung integriert. Der Schlagerfilm bietet keine verfilmten Operetten oder Musicals, sondern meist einfache Filmhandlungen mit Gesangs- und Tanzeinlagen, die die Mehrheitder Deutschen von den damals so beliebten Schallplatten kannte. So boten die Schlagerstars Potpourries ihrer Hits. Erst mit der allgemeinen Kino- und Schlagerkrise Anfang der 1970er Jahre war das Ende dieses beliebten und erfolgreichen Filmgenres besiegelt. Die DVD-Box bietet eine gelungene Filmauswahl von 1960-1964 mit den beliebtesten Schauspielern und Schlagerstars der Zeit.

In „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ mit Harald Juhnke, Karin Dor, Vivi Bach, Rex Gildo, Adrian Hoven, Bill Ramsey und Chris Howland dreht sich auf einem jugoslawischen Campingplatz alles um Liebe und Musik. Wie im Paradies verleben sie ihren Urlaub an der schönen dalmatinischen Küste. Albert angelt und Corinna kommt aus Langeweile auf dumme Gedanken. Sie schreibt ihrer Freundin Georgie, um sie und andere Freunde aus München nach Dalmatien einzuladen. Das lassen sich Georgie und die Freunde nicht zweimal sagen. Und so braut sich hinter Alberts Anglerrücken eine Völkerwanderung mittleren Ausmaßes zusammen. Wie ein Heuschreckenschwarm fallen Corinnas Freunde über Albert her und treiben ihn zur hellen Verzweiflung.

Auch „Zwei blaue Vergissmeinnicht“(Alternativtitel: „Und wenn der ganze Schnee verbrennt“)mit Rex Gildo, Gitta Winter, Chris Howland und Gunnar Möller hat einen Bezug zum damals bei Deutschen sehr beliebten Reiseland Jugoslawien. Der Londoner Privatdetektiv Charly Biff (Chris Howland) und seine hübsche Sekretärin Ingrid (Dagmar Hank) werden von ihrem Chef nach Jugoslawien in den wohlverdienten Urlaub geschickt. Doch aus der Erholung wird nichts, denn im Hafen von Portoroz kommen Biff und sein weiblicher Gehilfe auf dem Umweg über eine geheimnisvolle Zuckerdose einem organisierten Rauschgiftschmuggel auf die Spur. Ein erster Hinweis führt zu dem undurchsichtigen Cortini (Franz-Otto Krüger), dem Matrosen Carlo (Mario del Marius) und zu Nelken-Frank Rocco (Michael Cramer), dessen reizende Freundin Sherry (Margitta Scherr) nichts von den kriminellen Umtrieben ihres Kavaliers ahnt. Charly bekommt heraus, dass der Ausflugsdampfer „Jardan“ nach Italien eine wichtige Rolle beim Schmuggeln spielt.

„Allotria in Zell am See“ mit Adrian Hoven, Hannelore Elsner, Harald Juhnke und Ingrid van Bergen beginnt mit der Notlandung eines Sportflugzeugs, dieMark Fürbergmit seinem übernächtigten Freund Pit Tann nach Zell am See verschlägt. Dass die beiden von der heimischen Klatschpresse sogleich als berühmt-berüchtigte Playboys erkannt werden, kommt Mark denkbar ungelegen. Denn der Lebemann hat eine heimliche Affäre mit der Millionärsgattin Dolly Barsen, die gerade dabei ist, sich für sie äußerst lukrativ von ihrem Mann scheiden zu lassen. Würde Dolly durch ein verfängliches Pressefoto bei einem Seitensprung ertappt, bräuchte der Gatte die millionenschwere Abfindung nicht mehr zu zahlen. Um die aufdringliche Klatschpresse noch vor Dollys Ankunft in Zell am See auf eine falsche Fährte zu locken, engagiert Mark kurzerhand die Autoverkäuferin Sylvia Brückner, die für einige Tage seine Verlobte spielen soll. Als Mark sich dabei in die attraktive junge Dame verliebt, kommt es zu einigen Komplikationen.

„An heiligen Wassern“ mit Hansjörg Felmy, Cordula Trantow, Hanns Lothar, Karl John und Gustav Knuth spielt im regenarmen Schweizer Kanton Wallis, wo die Bauern den mächtigen Gletschern das kostbare Nass in hölzernen Leitungen abringen und der Berg schon viele Opfer gefordert hat. Deshalb sprechen die Walliser ehrfürchtig vom „Heiligen Wasser“. Wieder einmal droht eine Lawine am Gletscherrand. Und wenn sie kommt, zerschmettert sie die Wasserleitungen an den Steilwänden und die Brunnen im Dorf St. Peter versiegen. Als das Schicksal seinen Lauf nimmt, muss nach einem uralten Gesetz ein Freiwilliger hinaus in die Wand. 

„Die Post geht ab“ mit Vivi Bach, Adrian Hoven, Heinz Erhardt, Claus Biederstaedt, Ralf Wolter und Chris Howland erzählt vom Jazzband-Trompeter Willy. Nachdem er einen Schlagerwettbewerb veranstaltet hat, geht ausgerechnet das Reisebüro pleite, bei dem er als Hauptgewinn zwei Touren in den sonnigen Süden gebucht hatte. Kurzerhand besinnt er sich auf seinen alten Autobus, um die Gewinner Barbi und Till nun persönlich an den Urlaubsort zu kutschieren. Doch Barbi reist nicht gern allein und nimmt noch ihre Freunde mit. Da die ganze Aktion jedoch ohne väterlichen Segen startet, machen sich die alten Herren in ihren Limousinen auf, dem Reisebus zu folgen. Nach vielen Hindernissen finden vier Paare zueinander und das Leben an der blauen Adria ist voller Freuden.

In „Apartment-Zauber“ mit Rex Gildo, Heinz Erhardt, Helga Sommerfeld, Gunnar Möller und Gitta Winter steigt der flatterhafte Karl ständig anderen Mädchen nach. Deshalb schickt ihn sein Vater zur Besinnung nach Italien, wo er im Betrieb seines künftigen Schwiegervaters arbeiten soll. Der Plan geht gründlich schief: Karl landet versehentlich in einer Wohngemeinschaft für ledige Mädchen.

Nach Jugoslawien und Italien wurde die Kanareninsel Teneriffa zu einem bevorzugten und mittlerweile abgenutzten Reiseziel der Deutschen. Darauf bezieht sich der Schlagerfilm „Wenn man Baden geht auf Teneriffa“ mit Peter Kraus, Geneviève Cluny, Corny Collins und Gunnar Möller. Als Belohnung für das bestandene Abitur dürfen drei Mädchen und drei Jungen Urlaub auf Teneriffa machen. Voller Reiselust werden sie am Flughafen von Reiseleiterin Jutta erwartet, die leider nicht nur aussieht wie eine Gouvernante, sondern sich auch so gebärdet. Nach einem fröhlichen Flug erobern die jungen Leute einen Eselswagen zur Fahrt ins „Grandhotel Fiesta“. Doch Jutta vergeht schon bald die Freude, als sie erfährt, dass ihr Reisebüro vor der Pleite steht. So muss die muntere Reisetruppe dem Hotelbesitzer Perro Dienste leisten, um sich den Ferienaufenthalt zu verdienen.