„Und immer lockt das Weib“ von Roger Vadim – Rezension von Johannes Kösegi

Brigitte Bardot und Curd Jürgens in einem Manifest der sexuellen Revolution

Besonders mit seinem Film „Und immer lockt das Weib“ wurde der französische Filmregisseur Roger Vadim berühmt. In der sittenstrengen Zeit seines Erscheinens 1956 schlug er wie eine Bombe in die Kinosäle ein. Das französische Topmodell Brigitte Bardot ist stellenweise splitternackt zu sehen. Dass sie jedoch keine Karriere als billiges Sexsymbol machen wollte, bewies sie später in bedeutenden Rollen in „Die Verachtung“ und nach ihrer Karriere im Tierschutz. Aber auch in Vadims Debutfilm hat sie mehr zu bieten als nackte Haut. Der Diplomatensohn Roger Vadim begann seine Karriere als Schauspieler am Theater und kam dann als Regieassistent und Drehbuchautor zum Kino. Nach seinem weltweit beachteten „Und immer lockt das Weib“ beschäftigen sich seine Filme mit literarischen Stoffen des 18. und 19. Jahrhunderts, aber auch mit den Genres Horror und Science Fiction hat er sich befasst.

Über seinen Lehrmeister Marc Allégret kam er mit der damals 15-jährigen Brigitte Bardot zusammen. Ihre Liebe und spätere Heirat 1952 sorgt bereits für den Beginn eines Skandals, der seinen Höhepunkt vier Jahre später mit diesem Film erreicht. Der freizügige Auftritt Bardots führte zu Protesten nicht nur von scheinheiligen kirchlichen Moralaposteln. Vadim wurde damit als Drehbuchautor und Regisseur auf einen Schlag weltberühmt. Sein Erfolg blieb zeitlebens an seine Hauptdarstellerinnen und Lebenspartnerinnen verknüpft, darunter auch Jane Fonda. Mit diesem Film wurde außer Brigitte Bardot auch das verschlafene Fischerdorf Saint-Tropez berühmt und bis heute sehr beliebt.

In der Reihe Classic Selection bringt Concorde Home Entertainment den 92-minütigen Farbfilm „Und immer lockt das Weib“ auf Blu-ray Disc heraus. Die komplette digitale Neurestaurierung kommt besonders den brillanten Farben zugute.In Saint Tropez wird die Waise Juliette (Brigitte Bardot), einehübsche und aufreizende 18-Jährige, durch die Vermittlung von Ordensschwestern von dem kinderlosen Ehepaar Morin aufgenommen. Der Immobilienspekulant und Nachtklubbesitzer Eric Carradine (Curd Jürgens), ein verführerischer Vierziger, macht ihr den Hof, aber Juliette ist in Antoine Tardieu (Christian Marquand) verliebt, der mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern Michel (Jean-Louis Trintignant) und Christian (Georges Poujouly) eine kleine Werft betreibt. Juliette erkennt bald, dass Antoine in ihr nur einen Zeitvertreib sieht. Unter der Drohung, ins Waisenhaus zurückgeschickt zu werden, willigt sie in die Heirat mit Michel ein, der sie abgöttisch liebt. So entfesselt Juliette ein dramatisches Spiel um Liebe und Eifersucht zwischen sich, Eric, ihrem Mann Michel und dessen Bruder Antoine. Wenn man bedenkt, was bereits zwischen einer Frau und einem Mann alles schiefgehen kann, wird es erst so richtig kompliziert, wenn sie es gleich mit vier Männern zu tun hat. Brigitte Bardot schafft es in ihrer Rolle geschickt, die Spannung und Unterhaltung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Zuvor hatte sie in einigen Klamotten als Blondine vom Dienst herhalten müssen, aber hier spielte sie erstmals die Hauptrolle in einem Film, der wie ein Manifest für die sexuelle Revolution wirkte. Bereits in der dritten Einstellung ist sie gemäß dem französischen Originaltitel „Et dieu… créa la femme“(Und Gott schuf die Frau) wie Gott sie schuf, also ohne Kleider zu sehen. Curd Jürgens findet sie so vor, aber es kommt kein Schrei des Erschreckens oder ein schambedeckendes Handtuch. Dieses Verhalten, weniger ihr nackter Körper war für die Sittenwächter der eigentliche Skandal.

Zwölf Jahre vor der 68er-Bewegung erschüttern Vadim und Bardot die Konventionen des französischen Bürgertums. Heute ist der Film FSK 12 freigegeben und niemand regt sich darüber auf. BB, wie Brigitte Bardot genannt wurde, wollte damals eine noch nicht ganz erwachsene Frau sein, die Spaß an ihrem Leben und Körper hatte. Somit ist ihr diese Rolle wie auf den Leib gewachsen. Und ihr damaliger Mann Roger Vadim legte Wert darauf, sie herauszubringen wie man es von anderen Filmdiven gewohnt war, etwa Ava Gardner oder Marilyn Monroe. Als Bonus gibt es neben dem Trailer ein 12-seitiges informatives Booklet.