„Schwarz Rot Gold“ mit Uwe Friedrichsen – Rezension von Johannes Kösegi

Komplette Serie erstmals auf DVD

Bei der Reizüberflutung mit „Tatort“-Wiederholungen und anderen Krimis von Schweden bis Istanbul mit unzähligen Morden ist es eine angenehme Abwechslung, dass es auch Kriminalserien im Fernsehen gibt, die ohne gewaltsam ums Leben gekommene Opfer auskommen. Und weil im Moment kaum dergleichen geboten wird, ist es umso erfreulicher, dass Studio Hamburg die beliebte Krimiserie „Schwarz Rot Gold“ erstmals komplett in einer 9-DVD-Box mit einer Gesamtlauflänge von 1.620 Minuten herausbringt. Hier werden insgesamt 18 Fälle von Wirtschaftskriminalität beim Zoll in Hamburg bearbeitet. In der Frühzeit des „Tatort“ gab es in den 1970er Jahren einmal den ZolloberinspektorKressin, dargestellt von Sieghardt Rupp. Aber die Fälle um den Lebemann und Playboy waren eher satirisch zu verstehen.

Im Gegensatz dazu werden bei „Schwarz Rot Gold“ authentische Fälle der Wirtschaftskriminalität packend und realitätsnah vorgestellt. Dank genauer Recherchen des Autors Dieter Meichsner sowie grandioser Inszenierungen von bekannten Regisseuren wie Dieter Wedel („Der König von St. Pauli“, „Der große Bellheim“), Theo Mezger („Tatort“), Marco Serafini („Polizeiruf 110“) und Pete Ariel („Peter Strohm“) sind die hoch brisanten Fälle heute noch genauso packend wie bei der Erstausstrahlung von 1982 bis 1996 in der ARD. Über diesen langen Zeitraum wechselte das Personal mehrmals, mit einer beständigen Größe als Ausnahme. Der Ur-Hamburger Uwe Friedrichsen (1934-2016) ist eine Idealbesetzung als bärbeißiger Hamburger Zollamtmann, später Zollamtsrat Hans Zaluskowski, genannt „Zalu“, und in allen 18 Folgen vertreten.

Er führt ein geregeltes Eheleben mit Frau Elke (Witta Pohl) und Sohn und ermittelt zusammen mit seinen Kollegen Wirtschaftsstraftatenim Umfeld des Hamburger Hafens. Pflichtbewusst legt er seinen Vorgesetzten regelmäßig Rechenschaft ab. In seiner langjährigen Berufserfahrung hat er viele Tricks der Kriminellen aufgedeckt. Nicht nur die schöne Kulisse des Hamburger Hafens ist immer wieder zu sehen, durch die internationalen Verflechtungen der Verbrechersyndikate führt die Spur auch an ferne Schauplätze von Ost-Berlin über Wien und Zürich bis nach Hongkong. Jede der eineinhalbstündigen Folgen widmet sich einem anderen Delikt. Auch das durch diese Sammlung ermöglichte konzentrierte Sehen aller Folgen, die ursprünglich auf 14 Jahre verteilt waren, lässt nie Langeweile aufkommen. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Krimis mit ständigen Morden aus immer wieder ähnlichen Motiven widmet sich jeder Fall bei „Schwarz Rot Gold“ einem anderen Verbrechen, wobei der Bösewicht für die Zuschauer schon vorher bekannt ist. In der Folge „Stoff“ (1991) bilden Zaluskowski und sein wie ein Hippie wirkenderKollege Maximilian Doellke(George Meyer-Goll) zusammen mit der Kriminalpolizei eine Ermittlungsgruppe Rauschgift. In der Folge „Geld stinkt“ (1995)ermitteltZaluskowskimit einer internationalen Fahndungsgruppe für das Zollkriminalamt gegen Geldwäsche. Die anderen authentischen Fälle behandeln Delikte wie Betrug von Mineralölsteuer, Subventionsbetrug mit Schafskäse, Schmuggel von Zigaretten, Gold, Weizen aus Polen, Rindfleisch aus Argentinien, Rüstungsgüter nach Iran, illegale Giftmüllbeseitigung, Wirtschaftsspionage für den Ostblock, Honigpanscherei oder Verstöße gegen das Weltkaffeehandelsabkommen. Es sind somit alles zeitlose Fälle, die nebenbei auch Gesellschaftskritik üben und heute noch so aktuell sind wie damals.

Das Bonusmaterial mit insgesamt 85 Minuten Dauer stellt in einem Portrait von Barbara Block (NDR 2002) und einem Interview mit Hanns-Georg Rodekden geschätzten hanseatischen Schauspieler Uwe Friedrichsen vor. Nachdem sein Talent Ende der 1950er Jahre entdeckt war, wurde er von Ida Ehre an der Hamburger Volksbühne und Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gefördert. In dessen berühmter „Faust“-Inszenierung spielte der blonde blauäugige Jüngling den Schüler. Danach spielte sich Uwe Friedrichsen in unzähligen Rollen in Film und Fernsehen in die Herzen der Zuschauer. Er blieb auch bis zuletzt der Theaterbühne treu verbunden, verlieh als Synchronsprecher bekannten internationalen Filmstars seine Stimme und wirkte an vielen Hörspielen und Hörbüchern mit.