Der Bauernhof – Die faszinierende Welt der Tiere – Rezension von Johannes Kösegi

BBC-Dokumentation über das Landleben

Durch Urbanisierung, Landflucht und eine oft zentralisierte Landwirtschaft wissen in den westlichen Industrienationen viele nicht mehr, wo eigentlich unser Frühstücksei oder der Käse auf dem Brot herkommen. So war es eine gute Idee der britischen BBC, einmal eine dreiteilige Doku-Reihe über das Leben auf dem Bauernhof zu zeigen. In insgesamt 150 Minuten werden die wichtigsten Nutztiere und die harte Arbeit der Landwirte gezeigt.  Nach der Ausstrahlung im österreichischen Privatsender „Servus TV“ bringt Polyband diese nicht nur für Stadtmenschen interessante Dokumentation auf DVD heraus. Der Schwerpunkt liegt auf dem Verhalten der Tiere unter- und miteinander. Dabei können schnell landläufige Vorurteile ausgeräumt werden.

Dazu gehört, dass Schafe dumm oder Schweine klug und in ihren Gefühlen uns Menschen ziemlich ähnlich sind. Die Kamera begleitet das Landleben auf idyllischen Höfen in Wales und beobachtet außergewöhnliche Intelligenz, ungewöhnliche Beziehungen und tierisches Mitgefühl. So wird ein Schaf vorgestellt, das sich für einen Hund hält, eine einsame Gans, die sich in ihr Spiegelbild verliebt hat und Kühe, die gerne Musik hören. Überhaupt ist es eine erstaunliche Freundschaft zwischen Kühen, Schafen und Hühnern. Jede Episode beschäftigt sich mit einer der für die Landwirtschaft wichtigen Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst. Dabei werden Tiere von der Geburt bis zu ihrem Erwachsenenalter begleitet, jeweils ein Lamm, ein Kalb und ein Ferkel. Aber auch deren tierische Wegbegleiter anderer Gattungen wie Feldmäuse bis Entenküken kommen nicht zu kurz. Denn alle tragen etwas zum Leben auf dem Bauernhof bei.

Im Frühling steht auf einem Bauernhof in Welsh Hill die Geburt eines Lamms bevor. Danach wird es zwölf Wochen lang begleitet. Dabei stellt sich heraus, dass Schafe sehr soziale Lebewesen sind. Die einzelnen Schafe erkennen ihre Artgenossen, und sogar menschliche Gesichter können sie voneinander unterscheiden. Ein schüchterner vierjähriger Junge hat sich mit einem Schafbock angefreundet. Im Sommer stehen die Kühe im Mittelpunkt der Betrachtung. Wieder wird ein Kalb über zwölf Wochen lang begleitet, bis es sich in die Herde integriert hat. Es zeigt sich, dass Kühe neben der Erzeugung von Dung auch sehr soziale Tiere mit komplexen Persönlichkeiten sind. Dank ihres Matriarchats können sie in der Wildheit gedeihen wie ihre Vorfahren. Nebenbei erfahren wir, dass Küken 24 verschiedene Laute für ihre Kommunikation verwenden.

Der Herbst ist Erntesaison, und der dritte Teil legt den Schwerpunkt auf die Schweine ab ihrer Geburt als Ferkel. Es wird ihre Fähigkeit, zu täuschen betrachtet und wie intelligent sie mit Puzzles sind. Es wird die Theorie untersucht, dass jedes Ferkel an derselben Zitze saugt. Sie lieben den Schlamm, um sich kühl zu halten, weil sie kaum Schweißdrüsen haben. Außerdem sind sie Meister der Täuschung, und können einen an der Nase herumführen.Mit außergewöhnlichen Entdeckungen, tierischen Intelligenztests, eindrucksvollen Geschichten und erstaunlichen persönlichen Erzählungen zeigt diese sehenswerte Serie die versteckte Tierwelt auf dem Bauernhof, die bisher oft übersehen wurde.