Britische Kultkomödie „Adel verpflichtet“ erstmals auf Blu-ray Disc – Rezension von Johannes Kösegi

Rollenrekord eines Schauspielers

Der Brite Sir Alec Guinness zählt zu den bedeutendsten Charakterdarstellern des 20. Jahrhunderts Jahrhunderts. Er wurde am 2. April 1914 in Marylebone, London, geboren und verstarb am 5. August 2000 in Midhurst, West Sussex. Wegen seiner außerordentlichen Wandlungsfähigkeit wurde er auch der „Mann der tausend Gesichter“ genannt. Seinen Durchbruch erlebte Guinness mit den drei schwarzen Komödien „Adel verpflichtet“ (1949), „Der Mann im weißen Anzug“ (1951) und „Ladykillers“ (1955) aus den Ealing-Studios. Zum weltweit beachteten internationalen Star wurde er durch sein Mitwirken in großen Filmepen wie „Die Brücke am Kwai“ (1957), „Lawrence von Arabien“ (1962) und „Doktor Schiwago“ (1965). In „Star Wars“ (1977) spielte er die Rolle des alten Obi-Wan Kenobi. Vielen deutschen Fernsehzuschauern ist er durch seine Darstellung des Earl of Dorincourt im alljährlich in der Weihnachtszeit ausgestrahlten Familienfilm „Der kleine Lord“ (1980) gegenwärtig. Bis vier Jahre vor seinem Tod wirkte der Oscar-prämierte Darsteller in über 50 Filmen mit.

Erstmals auf Blu-ray Disc erscheint die für Guinness bahnbrechende schwarze Kultkomödie „Adel verpflichtet“ (Originaltitel „Kind hearts and coronets“, Dauer 106 Minuten) anlässlich ihres 70. Jubiläums restauriert in 4K mit zahlreichen neu produzierten Extras. Dazu gehören eine Einführung von John Landis, ein Audiokommentar mit Filmkritiker Peter Bradshaw, Terence Davies und Matthew Guinness, die Filmbeiträge „Once more with Ealing“, „Those British Faces – Der Schauspieler Dennis Price“, „Die Ealing Studios“, „Tuesday’s Documentary – Die Ealing Komödien“, ein alternatives Ende, ein Ausschnitt aus „Richard E. Grant on the Ealing Comedies“, ein Trailer und die Bildergalerie „Hinter den Kulissen“.

Die Geschichte beginnt mit dem jungen Verkäufer Louis D’Ascoyne Mazzini (Dennis Price), dem Sohn eines italienischen Tenors und einer britischen Blaublütigen, der seine Henkersmahlzeit im Gefängnis zusammenstellt. Der Galgen droht ihm am nächsten Morgen infolge einer Intrige und nicht wegen der acht Menschen, die Louis auf dem Gewissen hat. In Rückblenden wird erzählt, wie es so weit kommen konnte. Weil seine Mutter wegen der nicht standesgemäßen Heirat von ihrer Familie verstoßen wurde, will sich Louis nun rächen. Um jedoch selbst Herzog von Chalfont zu werden, muss er alle acht Thronanwärter aus dem Weg räumen, indem er sie auf höchst originelle Weise umbringt. Hier wird auf intelligente und geschmackvolle Weise über das Entsetzen gescherzt und die englische Lebensweise treffend karikiert. Es ist eine der besten Produktionen der Ealing-Studios, die in der Nachkriegszeit mit einfallsreichen und hintergründigen Lustspielen von sich reden machten.

In den acht verschiedenen Rollen der Thronanwärter begeistert Sir Alec Guinness mit seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit und hat damit wohl einen Rekord in der Filmgeschichte aufgestellt. Das Drehbuch wurde von John Dighton und Robert Hamer auf Basis des Romans „Israel Rank“ von Roy Horniman verfasst. Die Verfilmung war 1949 auf den Filmfestspielen in Venedig für den Goldenen Löwen und ein Jahr später für einen British Film Academy Award nominiert. Das British Film Institute wählte „Adel verpflichtet“ 1999 zum sechstbesten britischen Film aller Zeiten.