Asphalt-Cowboy – Rezension von Johannes Kösegi

John Schlesinger Sozialdrama erstmals auf Blu-ray Disc

Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Ein Mann aus der Provinz hofft in New York sein Glück zu machen, als käuflicher Liebhaber in Cowboy-Verkleidung. Das misslingt, dafür lernt er einen verkommenen Herumtreiber als Freund kennen. Er muss sich davor hüten, dem zerlumpten kranken Mann nicht gleich zu werden, denn helfen kann er ihm nicht. John Schlesingers amerikanische Sozialporträt „Asphalt-Cowboy“ (1969, 113 Minuten) voller beklemmender Authentizität und Tragik wurde mit drei Oscars prämiert und erscheint nun nach digitaler 4K-Restaurierung mit umfangreichem Bonusmaterial (Audiokommentar, Dokumentationen) bei StudioCanal erstmals auf Blu-ray Disc.

Der gutaussehende junge Tellerwäscher Joe Buck (Jon Voight) kommt aus seiner texanischen Kleinstadt in Cowboy-Kluft und mit großen Träumen nach New York, um dort als „Asphalt-Cowboy“ seine sexuellen Fähigkeiten in Ruhm und Reichtum umzusetzen. Seine ganze Hoffnung gilt den Frauen dieser Stadt. Ihnen will er seine Liebesdienste anbieten, doch seine Cowboy-Masche verfängt kaum bei den Stadtfrauen. Dafür trifft er auf den kleinen Ganoven Rizzo (Dustin Hoffman), der verkrüppelt ist und an Tuberkulose leidet. Beide wohnen in einem abbruchreifen Haus und schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben, wobei Rizzos Gesundheitszustand sich von Tag zu Tag verschlechtert. Sein größter Wunsch ist, dem Stadtdschungel zu entfliehen und nach Florida zu kommen. Um diesen Traum zu verwirklichen schreckt Joe auch nicht vor einem Mord zurück. Ob der gelingt bleibt offen. Schließlich sitzen die beiden ungleichen Freunde im Überlandbus auf dem Weg ins gelobte Land, und während Joe von der neuen Zukunft träumt, stirbt Rizzo in seinen Armen.

Dustin Hoffman glänzt in diesem schockierenden, ohne Tabus inszenierten Drama nach der Vorlage von James Leo Herlihys Roman „Midnight Cowboy“ von 1965 in der Rolle des ewigen Verlierers. Seine darstellerische Vielseitigkeit zeigt er hier als ein vom Leben gezeichneter Todkranker, wogegen er ein Jahr zuvor noch in „Die Reifeprüfung“ einen naiven Studenten spielte, der von einer reifen Frau verführt wird. Für Jon Voight bedeutete dieses Drama den Durchbruch als Schauspieler, er gewann für seine Darstellung bei den Golden Globes 1970 den Preis als vielversprechendster Debütant. Das American Film Institute zählte John Schlesingers Inszenierung zu den 100 besten US-Filmen aller Zeiten.In seinem ersten amerikanischen Film bringt der britische Regisseur sowohl Neugier als auch Kritik an diesem großen Land ein. In seinen Augen wirkt New York auf den ersten Blick verführerisch, doch überall blickt das Hässliche hinter der Fassade hervor. Stilistisch gelungen sind die häufigen Einschnitte mit Erinnerungen, Träume und Visionen des Protagonisten, streckenweise sind die Bilder realistisch wie in einem Dokumentarfilm. Eine nachhaltige Wirkung hinterlässt auch die glänzend eingesetzte Musik, besonders die melancholische Mundharmonika-Melodie.