„Der mit dem Wolf tanzt“ in zwei Versionen neu auf Blu-ray Disc – Rezension von Johannes Kösegi

Der mit dem Wolf tanzt“ in zwei Versionen neu auf Blu-ray Disc

Es gibt Filme, die auch fast 30 Jahre nach der Kinopremiere nichts von ihrer Faszination verloren haben. Dazu zählt sicher der epische Western „Der mit dem Wolf tanzt“. Kevin Costners emotionales und bildgewaltiges Meisterwerk kam 1990 die Kinos und wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet.

Aufgrund des überwältigenden Erfolgs der 181-minütigen Kinofassung, die in Deutschland über sechs Millionen Kinobesucher begeisterte, wurde noch eine Extended Edition mit zusätzlichen 56 Minuten geschnitten. Winkler Film veröffentlicht beide Fassungen auf Blu-ray Disc. Außer Audiokommentaren mit Regisseur Kevin Costner und Produzent Jim Wilson, Kameramann Dean Semler und Editor Neil Travis gibt es 146 Minuten Bonusmaterial, darunter die Dokumentationen „The Creation of an Epic“, „A Day in the Life of a Western Frontier“, Making-of, Musikvideo, Trailer, TV-Spot, eine animierte Fotogalerie und den Präsentationsfilm „Second Wind“.

Kevin Costner führt Regie und spielt die Hauptperson Leutnant John J. Dunbar im amerikanischen Bürgerkrieg. Desillusioniert und schwerverletzt reitet er in selbstmörderischer Absicht an der feindlichen Linie vorbei. Dies deuten seine Kameraden als Heldentat und er soll dafür belohnt werden. Sein angeschossenes Bein wird operiert und er darf seinen nächsten Einsatz selbst bestimmen. Es wählt einen verlorenen Posten in South Dakota, denn er möchte „den Westen sehen, solange es ihn noch gibt“. Sein Pferd und ein einsamer Wolf, mit dem er langsam vertraut wird, sind seine einzigen Gefährten. Eine junge Frau, die als Weiße von Sioux-Indianern adoptiert wurde und jetzt „Steht mit einer Faust“ heißt, rettet ihm das Leben und bringt ihn in ihr Indianerdorf. Er wird von dem Stamm aufgenommen und lernt die Indianersprache. Aus dem Nordstaaten-Offizier wird der Wahl-Indianer „Der mit dem Wolf tanzt“. Als die Sioux von räuberischen Pawnees überfallen werden, überlässt Dunbar ihnen Waffen der Armee und rettet ihnen das Leben. Nun steht seiner Hochzeit mit der „weißen Indianerin“ nichts mehr im Wege. Doch jetzt kommen weiße Soldaten und wollen ihn als Deserteur gefangen nehmen. Die Sioux befreien ihn, und er verlässt mit seiner Frau den Stamm, um ihn nicht der Rache der Armee auszuliefern.

Kevin Costner gelang mit seinem Regiedebüt ein sensationeller Erfolg bei Kritikern und an den Kinokassen. Erstmals in einem Hollywood-Western werden die Indianer von echten „native Americans“ gespielt. Sie werden als die legitimen Ureinwohner Amerikas präsentiert, die ihre Sprache Lakota sprechen, dazu gibt es Untertitel. Neben dieser klaren Aussage hat der Film auch einen hohen künstlerischen Wert. Das lange als Relikt Hollywoods geltende Westerngenre wurde wiederbelebt. Ein besonderer Höhepunkt ist die Büffeljagd mit über 3000 Tieren, die in dieser Monumentalität noch nie so zu sehen war. In den großen Totalen mit vielen Einzelheiten zeigt sich besonders die Qualität des HD-Formats einer Blu-ray Disc. Voraussetzung ist ein entsprechend großer Bildschirm im Breitbildformat. Die Überlänge des Filmes lässt wegen der genialen Dramaturgie und Bildführung keine Langeweile aufkommen. Es gibt nichts Überflüssiges, denn die Entwicklung der Handlung braucht Zeit. Die sieben Oscars, unter anderem als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Kamera sind gerechtfertigt. Die Extended Edition betont noch mehr die Atmosphäre der Handlung und die Psychologie der Figuren.

Die Extras bieten interessante Hintergrundinformationen. „The Creation of an Epic“ schildert den nicht einfachen Weg vom Roman auf die Leinwand. Die Vorproduktion kostete 75.000 Dollar, später mussten Bankkredite von 17 Millionen Dollar beantragt werden. Der erfahrene Produzent konnte wahrscheinlich ahnen, dass er ein Vielfaches davon einspielen würde. Man sieht Kevin Costner während der Dreharbeiten bei seiner schwierigen Doppelrolle als Regisseur und Hauptdarsteller. 95 Prozent der Stunts machte er selbst. Für eine herbstliche Kulisse wurden die Blätter eines ganzen Waldstücks mit Farbe besprüht. Tiere kamen keine zu Schaden. Es wurden entweder bei Verkehrsunfällen getötete Tier oder Büffel-Attrappen verwendet. Die Absicht war, einen Familienfilm zu machen mit einer kindlichen neuen Sicht auf den „wilden Westen“. Das Making of zeigt noch einmal die Entstehung des Filmes vom ersten Treffen der drei Hauptmacher Kevin Costner, Jim Wilson (Produktion) und Michael Blake (Drehbuchautor) im Jahre 1981 bis zum Filmschnitt. Viele der mitspielenden Indianer mussten die Lakota-Sprache noch lernen, denn sie sprechen oft nur Englisch. Verraten wird außerdem, wo es Filmfehler gibt und dass auch Costners Vater, Frau und Kinder kleine Auftritte haben.