„César und Rosalie“ – Rezension von Johannes Kösegi

Mit Romy Schneider und Yves Montand erstmals auf Blu-ray Disc –  

Beziehungsdrama von Claude Sautet

Bis zu ihrem frühen und mysteriösen Tod litt Romy Schneider unter ihrem Image als „Sissi“. Doch es gibt keinen Grund, weshalb sich die Tochter des Schauspielerehepaars Magda Schneider und Wolf Albach-Retty als Kitsch-Darstellerin schämen müsste. Den Durchbruch zu ihrer „zweiten“ Karriere in Frankreich schaffte sie 1969 in „Der Swimmingpool“ als verführerisch erotische Frau an der Seite ihres zeitweiligen Lebenspartners Alain Delon. Während sie in Deutschland meist nach ihren frühen Heimat- und „Sissi“-Filmen beurteilt wird, schätzt man sie in Frankreich als Charakterdarstellerin.

Mit Marlene Dietrich und Hildegard Knef war sie eine der wenigen deutschen Kinostars, die es zu internationalem Erfolg brachten. Leider entwickelte sich ihr Privatleben immer mehr zu einem persönlichen Drama. „Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand“ bekannte sie einmal. Bereits im Alter von 43 Jahren starb sie am 29. Mai 1982 in Paris unter mysteriösen Umständen.

In ihrer „zweiten“ Karriere in Frankreich spielte Romy Schneider an der Seite von Superstars wie Maurice Ronet, Michel Piccoli, Yves Montand, Jean-Louis Trintignant oder Marcello Mastroianni. Besonders die Zusammenarbeit mit dem ihrem Lieblingsregisseur Claude Sautet (1924-2000) war sehr erfolgreich. Nach „Die Dinge des Lebens“ (1970) und „Das Mädchen und der Kommissar“ (1971) folgte als dritte Zusammenarbeit „César und Rosalie“ (1972) als französisch-italienisch-deutsche Produktion. StudioCanal bringt dieses 111-minütige Beziehungsdrama mit Yves Montand („Vincent, François, Paul und die anderen“, „Vier im roten Kreis“, „Z – Anatomie eines politischen Mordes“) als männlichem Hauptdarsteller erstmals auf Blu-ray Disc heraus. Außerdem wirken mit Sami Frey („D’Artagnans Tochter“, „Die schwarze Witwe“, „Die Außenseiterbande“), Eva Maria Meineke („Morgen fällt die Schule aus – Die Lümmel von der ersten Bank“, „Death Watch“, „Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns“) und in der Rolle der Marite, Rosalies kleiner Schwester, die heute international bekannte Isabelle Huppert („Elle“, „Die Nonne“, „8 Frauen“), die im selben Jahr ihr Schauspieldebüt gegeben hatte.

Die hübsche Rosalie wird gleich von mehreren Männern gleichzeitig und zeitversetzt geliebt. César und David sind aktuell Konkurrenten, Antoine hat Rosalie einmal geliebt. Die dagegen mag das Leben, das Töchterchen und ihre Mutter Lucie. Vor allem aber liebt Rosalie die Liebe. Ihre Beziehung zu ihrem Lebensgefährten, dem älteren und wohlhabenden César, gerät ins Wanken, als Rosalie ihre Jugendliebe David wiedertrifft. César versucht mit allen Tricks und Raffinessen, den jüngeren Rivalen auszustechen. Aber der erwünschte Effekt bleibt aus, denn seine Eifersuchtsszenen treiben Rosalie erst recht in Davids Arme. Nach langem Hin und Her kommt César auf einen ungewöhnlichen Gedanken und nimmt Kontakt zu David auf. Zwischen den beiden Nebenbuhlern entwickelt sich allmählich eine ungewöhnliche Freundschaft, Rosalie fühlt sich dadurch hin- und her gerissen. Während die beiden Männer gemeinsame Dinge unternehmen, flieht Rosalie mit ihrer Tochter. Erst einige Zeit später wird sie wieder in das Leben der Männer eintreten.

Thematisch präsentiert sich „César und Rosalie“ als typisch für Sautet. Er hält dem französischen Mittelstand mit seinen sozialen Konflikten und Krisen gerne den Spiegel vor. Dabei gelingt ihm auch hier ein einfühlsames Porträt der Protagonisten mit ihren Gewohnheiten und Ritualen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Trotz der alles überstrahlenden Romy Schneider ist dieser Film eher ein Männerfilm, aber nicht im heroischen Sinn. Vielmehr werden eher die Schwächen und Krisen des angeblich starken Geschlechts entlarvt. Sautets Filme unterscheiden sich von denen anderer französischer Regisseure wie etwa Luc Besson. Die Bildsprache ist meist diskret und unpathetisch und verzichtet ausdrücklichen auf Sex und Gewalt. Neben den exzellenten Darstellern macht gerade diese klassische Form des Kinos „César und Rosalie“ bis heute sehenswert. (12.01.2019)