Auf der Suche nach Ingmar Bergman – Rezension von Johannes Kösegi

Margarethe von Trottas sehr persönliches Porträt der schwedischen Regielegende

Ingmar Bergman, der 2007 verstorbene Jahrhundert-Regisseur aus Schweden, wäre 2018 100 Jahre alt geworden. Kurz vor dem Ende dieses für die Filmgeschichte wichtigen Jubiläumsjahres veröffentlicht Weltkino im Vertrieb von Universum das Filmporträt „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ auf DVD. Margarethe von Trotta beleuchtet die schwedische Regieikone aus einem ganz persönlichen Blickwinkel. Die Regisseurin wurde 2018 mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Hier werden Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film gewürdigt. Und genau diese Symbiose der Künste wollte sie mit ihrer eigenen Regiearbeit erreichen. Nicht zuletzt Ingmar Bergman hatte sie ihre Motivation zu verdanken, weshalb es für sie eine große Ehre war, diesen Dokumentarfilm inszenieren zu dürfen. Sie möchte sich dabei keineswegs mit dem großen Film- und Theaterregisseur auf eine Stufe stellen, sondern betrachtet ihn immer mit großer Ehrfurcht und Respekt. In den 1960er Jahren sah sie in Paris zum ersten Mal Ingmar Bergmans Film „Das siebente Siegel“, der sie so beeindruckte, dass sie künftig selbst Filme machen wollte. 1981 gewann sie mit ihrem deutschen Nachkriegsfilm über die beiden Ensslin-Schwestern „Die bleierne Zeit“ den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig. Hier schließt sich der Kreis wieder, denn Ingmar Bergman führte diesen Film in der Liste seiner elf persönlich wichtigsten Filme auf. Gelegentlich kreuzten sich die Wege der beiden, so während Bergmans Zeit im deutschen Exil in München, als er zu Unrecht von den schwedischen Behörden wegen Steuerhinterziehung verfolgt wurde. Geschickt und kurzweilig werden in von Trottas Dokumentation historische Filmszenen, bewegte Bilder von Dreharbeiten und aktuelle Gespräche mit Zeitzeugen kombiniert. Ingmar Bergman definierte die Arbeit eines Regisseurs einmal so: „Vor lauter Problemen nicht zum Nachdenken kommen“. Wie Margarethe von Trotta im Bonus-Interview bekennt, ist sie nicht allein am Gelingen dieses Films beteiligt. Als Co-Regisseure wirken ihr Sohn Felix Moeller, der schon einige interessante filmhistorische Dokumentationen („Harlan“, „Verbotene Filme“) gemacht hat, und die erfahrene Cutterin Bettina Böhler („Barbara“, „Western“). So bietet „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ keine trockene wissenschaftlich fundierte filmhistorische Dokumentation, sondern eine sehr persönliche, emotionale und cineastische Reise durch das Leben und Werk einer schwierigen, aber genialen Persönlichkeit. Neben seltenen Archivaufnahmen und Filmausschnitten sind es vor allem Margarethe von Trottas intensive Gespräche mit Bergmans Familie, Schauspielern und Wegbegleitern, die die vielen Facetten eines der ersten Autorenfilmer beleuchten, der eine ganze Generation von Filmemachern, nicht nur in Frankreich, beeinflusst hat. Viele der Interviewpartner hatten direkt mit Bergman zu tun, so die Schauspielerinnen Liv Ullmann, Gunnel Lindblom und Gaby Dohm, seine Assistentin Katinka Faragó oder Johannes Kaetzler, der damalige Regieassistent am Bayerischen Staatsschauspiel. Andere haben nie mit ihm gearbeitet, darunter der französische Regisseur Olivier Assayas, der ein Interviewbuch mit Bergman veröffentlichte, der Drehbuchautor Jean-Claude Carrière, der spanische Regisseur Carlos Saura und Ruben Östlund, der von einer Spaltung der schwedischen Filmszene in zwei Lager in Anhänger von Bergman und Bo Widerberg berichtet.

Natürlich werden auch Bergmans psychische Abgründe nicht ausgespart, durch die ein Künstler oft erst kreativ werden kann. Er sah seine Kunst als eine Art Therapie und die Welt wohl zeitlebens und auch in seinen Filmen aus einer kindlichen Perspektive. Nahegehend sind besonders die Aussagen seiner Kinder Ingmar Bergman jr. und Daniel Bergman in Bergmans Haus auf der Insel Fårö. Wie sehr er an seiner Regiearbeit hing, zeigte sich daran, dass er einmal bei einem Geburtstag seine Schauspieler klagend vermisste, aber nicht seine Kinder und Enkel.

Zu der reinen Laufzeit von 95 Minuten kommt als Bonus ein 18-minütiges Interview mit Margarethe von Trotta und der Trailer. (12.12.2018)