„Der Pianist“ als Special Edition auf Blu-ray Disc – Rezension von Johannes Kösegi

Roman Polanskis Ghetto-Drama in bester Bild- und Tonqualität und mit vielen Extras

Roman Polanskis besonderes Kriegsdrama „Der Pianist“ (2002) erscheint bei StudioCanal erstmals als Blu-ray Disc in der bislang umfangreichsten Edition mit vielem zusätzlichem Bonusmaterial. Seit Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) hat es keinen emotional so berührenden Film über die Judenverfolgung während der Wirren des Zweiten Weltkriegs gegeben.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte nach der Autobiografie „Der Pianist – Mein wunderbares Überleben“ des polnischen Pianisten und Komponisten Władysław Szpilman. Er wurde ausgezeichnet mit drei Oscars (beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch), sieben Césars, dem europäischen Filmpreis und der goldenen Palme von Cannes. Zu den148 Minuten reiner Spielzeit kommt noch interessantes Bonusmaterial, darunter Interviews mit Ronald Harwood, Andrzej und Daniel Szpilman sowie der Dokumentarfilm „A Film Memoir“ (2011) über Roman Polanski, der in persönlichen Gesprächen mit dem Produzenten Andrew Braunsberg sein bewegtes Leben schildert. Nach der Geburt in Paris folgte der Umzug nach Polen, die Kindheit im Krakauer Ghetto, später wieder der Umzug nach Paris. Es folgte eine erfolgreiche Karriere in Europa und Amerika, die Ermordung seiner schwangeren Frau Sharon Tate, die Kontroversen um seine Verhaftung im Jahr 1977 wegen angeblicher Vergewaltigung einer Minderjährigen bis hin zum späteren Leben in Frankreich mit seiner zweiten Frau Emmanuelle Seigner. Die Gespräche fanden in Polanskis Haus in Gstaad statt, wo er nach seiner Verhaftung beim Zürich Film Festival 2009 unter Hausarrest stand. Illusrtriert werden die Gespräche mit Filmausschnitten, Nachrichten- und Presseausschnitten sowie privaten und exklusiven Fotos.

Die Handlung von „Der Pianist“ spielt 1939 in Warschau und wird in einem fast dokumentarischen Realismus erzählt. In der von deutschen Truppen besetzten Stadt findet der jüdische Pianist Władysław Szpilman (Adrien Brody), sein Chopin-Spiel und seine Herkunft erinnern an Artur Rubinstein, kaum noch Auftrittsmöglichkeiten. Seine Familienmitglieder müssen den Davidstern tragen und erfahren Demütigungen und Schikanen. Nach der Veräußerung des letzten Besitzes folgt der Gang ins Ghetto. Władysław kann als Pianist in einem Café seine Familie zunächst unterstützen. Durch einen glücklichen Zufall landet er nicht in einem Zugwaggon zum KZ, und eine polnische Untergrundorganisation bewahrt ihn vor der Verhaftung. Als ein Jahr später die letzten Bewohner des Ghettos deportiert werden, findet Władysław Unterschlupf in einem Versteck gegenüber der Schutzpolizei. Als die Deutschen nach einem Widerstandsangriff viele Verdächtige exekutieren, stellt sich Władysław tot und kommt mit dem Leben davon. Von Hunger und Krankheit gezeichnet irrt er durch die zerstörte Stadt und landet auf dem Dachboden einer vom deutschen Militär genutzten Villa, wo ein Flügel steht. Szpilman wird dort von dem Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld (Thomas Kretschmann) entdeckt, wegen seines Klavierspiels aber nicht erschossen, sondern mit Nahrung und warmer Kleidung versorgt, sodass er die letzten Tage der Okkupation überleben kann. Nach dem Krieg ist Szpilman beim Rundfunk tätig und erfährt, dass ein von Russen gefangener deutscher Offizier seine Fürsprache erbitte. Aber Szpilman schafft es nicht mehr, seinem „namenlosen“ Retter zu danken, der dann später in einem russischen Arbeitslager stirbt.

Regisseur Roman Polanski war als Kind selbst Überlebender des Krakauer Ghettos und der Warschauer Bombennächte, sieht in dem Film aber keine autobiografischen Züge. Er wollte eine positive Geschichte erzählten, die am Ende trotz allen Leids und Elends einen Anlass zur Hoffnung gibt. Durch die autobiografische Vorlage erhält das Wunder, diese Hölle überleben zu können, eine ergreifende Authentizität. Die deutsche Schreckensherrschaft mit den Judendeportationen und Ermordungen wird nicht wie in einem Kriegsfilm reißerisch in Szene gesetzt. Die Bilder wirken eher durch Blicke, kleine Gesten und alltägliche Geschichten. Der Film bietet kein Schwarz-Weiß-Gemälde, auf beiden Seiten gibt es Gute und Böse. Sinnbildlich dafür steht der deutsche Offizier Hosenfeld als Täter und Opfer zugleich. Diese Geschichte zeigt einmal mehr die enorme Wirkung der Musik, die heute für Völkerverständigung sorgt und es in diesen dunklen Zeiten vermochte, mordlustige Nazi-Schergen zu besänftigen.