Vier Sterne – Die Weltmeister-Box – Rezension von Johannes Kösegi

Hautnah dabei bei den vier deutschen Fußballtriumphen

Selten hat der deutsche Fußball international so viel Enttäuschung erleben müssen wie im Jahr 2018. Nach einer souveränen Qualifikation schied die DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft in Russland als Titelverteidiger bereits nach der Vorrunde aus. Erst mit einiger Verzögerung und einer längst fälligen Verjüngungskur zeigte das Barometer gegen Ende des Jahres trotz des Abstiegs in der Nations League wieder eine aufsteigende Tendenz. Die Anhänger der deutschen Mannschaft können also relativ optimistisch in die Zukunft blicken. Der Blick in eine erfolgreiche Vergangenheit reicht etwas weiter zurück in das Jahr 2014, als in Brasilien der vierte Weltmeistertitel nach Deutschland ging. Daran und an noch frühere glanzvolle Zeiten des deutschen Fußballs will eine Blu-ray-Edition von Studio Hamburg erinnern. „Vier Sterne – Die Weltmeister-Box“ enthält auf fünf BDs alle WM-Triumphe der deutschen Nationalmannschaft seit dem „Wunder von Bern“ 1954. Die vier Sterne, die heute auf den Trikots der Spieler strahlen, stehen für die vier Weltmeisterschaften 1954 in der Schweiz, 1974 zuhause in Deutschland, 1990 in Italien und 2014 in Brasilien. Die dafür erforderliche Zeitspanne von 60 Jahren zeigt, dass derartige Titel keine Selbstläufer sind. Sie sind nicht planbar, weil gerade in einem Mannschaftssport sehr viel vom Glück abhängt, auch wenn heute ausgetüftelte Gegneranalysen, Computerprogramme und eine starke Ausrichtung auf die Taktik zur Tagesordnung gehören. Meist gewinnt auf höchstem Niveau dann die Mannschaft, die den entscheidenden Fehler macht. Insgesamt bietet diese Fußball-Weltmeister-Box über 900 Minuten Fußball mit den Original-TV-Kommentaren von ARD und ZDF und offiziellen FIFA-Dokumentationen.

Der erste Stern für Deutschland wurde 1954 in Bern geholt, was damals eine große Überraschung war, so dass schnell die Legende vom „Wunder von Bern“ entstanden war. Diese Sensation elektrisierte die Massen hauptsächlich an den Radiogeräten, denn Fernsehgeräte gab es noch wenige. Noch heute bekommen ganze Fußballgenerationen bei Herbert Zimmermanns legendärer Radioreportage eine Gänsehaut: „Aus, aus, aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!“ Mit einem Durchschnitt von 5,2 Treffern pro Spiel ist die WM 1954 bis heute das torreichste Turnier in der WM-Geschichte. Historisches Filmmaterial des Endspiels zwischen Deutschland und Ungarn wird unterlegt mit Zimmermanns weltberühmten Radiokommentar. Außerdem ist der offizielle Turnierfilm der FIFA mit allen Geschichten rund um den legendären ersten deutschen WM-Titel zu sehen.

Der zweite Stern wurde 1974 bei der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf heimischem deutschen Boden erspielt. Das deutsche Team holt den Titel gegen die eigentlich favorisierten Niederländer und ist außerdem der erste Weltmeister als amtierender Europameister. Erstmals wird in München der WM-Pokal in seiner heutigen Form überreicht, nachdem die vorherige Trophäe bei der WM 1970 in Mexiko endgültig in den Besitz Brasiliens übergangen war. Das Finalspiel Deutschland-Niederlande mit dem Original-TV-Kommentar von Rudi Michel ist ebenso enthalten wie der offizielle Turnierfilm der FIFA mit allen Geschichten rund um den WM-Titel im eigenen Land.

1990 beim dritten Stern bei der Weltmeisterschaft in Italien tritt erstmals das wiedervereinigte Deutschland an und wird durch einen Sieg über Argentinien in Rom zum dritten Mal Weltmeister. Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaft kommt es zu einer Finalrevanche, denn schon vier Jahre zuvor in Mexiko standen sich Deutschland und Argentinien im Finale gegenüber. Es war zudem das erste WM-Finale, das durch einen Elfmeter entschieden wurde. Das Finalspiel von Rom in ist voller Länge mit dem Original-TV-Kommentar von Gerd Rubenbauer und Karl-Heinz Rummenigge enthalten, außerdem „Notti Magiche“, der offizielle Turnierfilm der FIFA.

Eine lange Durststrecke von 24 Jahre musste die deutsche Nationalmannschaft und mit ihr ein ganzes Land ertragen, bis es 2014 zum vierten und bislang letzten Stern kam. Mit dem Finalsieg in Rio de Janeiro, wie 1990 gegen Argentinien mit 1:0, errang die DFB-Elf ihren ersten WM-Titel außerhalb Europas und holte als erste europäische Fußballnationalmannschaft überhaupt einen Titel auf dem amerikanischen Kontinent. Nach dieser WM wird Deutschland erstmals in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 1 geführt. Neben dem Finalspiel in voller Länge mit dem Original-TV-Kommentar von Tom Bartels gibt es noch alle Höhepunkte dieses grandiosen Turniers sowie Zusammenfassungen der sieben deutschen Spiele mit den Originalkommentaren von ARD und ZDF.

Ideal zu diesem letzten WM-Triumph passt der 90-minütige Kino-Dokumentarfilm „Die Mannschaft“ als Bonus. Dieser perfekt inszenierte DFB-Imagefilm erinnert an „Deutschland. Ein Sommermärchen“ von 2006 mit dem Unterschied, dass es 2014 das erhoffte Happy End gab. Rund eine Million Kinobesucher und mehr als sieben Millionen Fernsehzuschauer ließen sich davon mitreißen. Die Bilder haben sich vielen im Gedächtnis eingeprägt. Bastian Schweinsteiger, der blutend am Spielfeldrand liegt, mit verarzteter Wunde wieder aufsteht und wie selbstverständlich weiterspielt. Mario Götze, der die Flanke von André Schürrle mit der Brust annimmt und das alles entscheidende Tor schießt. Der überwältigende Jubel am Brandenburger Tor und die absolute Glückseligkeit einer ganzen Nation. Der Film erzählt neben großen Gefühlen auf dem Platz auch die unbekannten, kleinen Geschichten zwischen den Spielen in einem Flugzeug, der Hotellobby oder einer paradiesischen Insel im tropischen Regenwald. Darunter ist Thomas Müller mit seiner Sicht auf den scheinbar verstolperten Freistoß, der Besuch der Mannschaft in einer Schule in Santo André, das Frühstück von Philipp Lahm nach dem Sieg oder die Ruhe zwischen den Spielen mit dem Bundestrainer beim morgendlichen Frühsport am Strand. „Die Mannschaft“ lässt das Publikum teilhaben an der außergewöhnlichen Stimmung, den vielen einzigartigen Momenten sowie den emotionalen und sportlichen Höhepunkten der Fußball-WM 2014. (23.11.2018)