Amerika von oben – Mittelwesten – Rezension von Johannes Kösegi

Vier Bundesstaaten und als Bonus Alaska und Kleinstädte

Für alle USA-Fans und Globetrotter bietet eine Fernsehreihe des amerikanischen Privatsenders Smithsonian Channel sämtliche US-Bundesstaaten aus einem neuen Blickwinkel. Bislang sind im amerikanischen Original „Aerial America“ über 60 Episoden erschienen. In einem ehrgeizigen Projekt werden die abwechslungsreichen Landschaften aller Bundesstaaten aus der Vogelperspektive betrachtet.

Die Luftbildtour zeigt einzigartige Aufnahmen mit einer stabilen Cineflex V14HD und ist mit einem lehrreichen Kommentar unterlegt. Dabei werden historische Meilensteine ebenso erwähnt wie Nationalparks und berühmte Gebäude. Der produzierende Dokumentationssender Smithsonian Networks hebt sich wohltuend von den meisten amerikanischen Kommerzsendern ab, denn er ist im Themenspektrum vergleichbar mit arte oder 3sat. Nur etwa 30 Prozent aller Fernsehhaushalte in den USA empfangen ihn.

Studio Hamburg hat die deutsche Bearbeitung übernommen und bringt nach der Veröffentlichung der Staaten an der Westküste, der Neu-England-Staaten, der Ostküste, der Südstaaten, der Gebirgsstaaten, den Staaten um die Großen Seen und dem Südwesten nun als achte Folge vier Staaten im mittleren Westen sowie als Bonus Alaska und einige Kleinstädte. Die beiden Blu-ray Discs bieten 300 Minuten atemberaubende Luftaufnahmen, die mit neuester Kameratechnik aufwendig produziert wurden. Geboten werden beeindruckende Bilder von einzigartigen Landschaften, historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten sowie belebten Großstädten und dicht besiedelten Ballungsgebieten. Man sieht wieder einmal, wohl kein anderes Land der Welt hat derart viele Kontraste in allen Bereichen zu bieten wie die USA: weite Landschaften, riesige Städte und extreme klimatische Verhältnisse. In dieser Folge imponieren eindrucksvolle Felsformationen, farbenprächtige Hügellandschaften, ausgedehnte Getreidefelder und die höchste einspurige Eisenbahnbrücke in den USA. Die Entdeckungsreise zeigt ebenso Spuren, die Siedler auf der Suche nach der Westpassage hinterließen und die raue Landschaft Alaskas, mit ihren eisigen Gletschern und der scheinbar undurchdringlichen Wildnis.

Nord- und Süd-Dakota sind geprägt von weiten Prärien, zerklüfteten Bergen und fruchtbaren Böden. Hier lebten einst die Indianervölker der Sioux. Einer ihrer Stämme gab dem Land seinen Namen „Dakota“. Doch die Ankunft der ersten weißen Siedler führte zu blutigen Konflikten mit den Ureinwohnern. Die amerikanische Armee ging hart gegen die Indianer vor, die Auseinandersetzungen endeten in einem Massaker, an das man sich bis heute erinnert. Beide Staaten entstanden einst aus einem Land und prägten die amerikanische Geschichte auf ihre eigene Weise. Der eine Bundesstaat war der Rückzugsort eines zukünftigen Präsidenten, der andere verewigte ihn später in einem monumentalen Denkmal der amerikanischen Demokratie. Sie haben viel gemeinsam und sind doch so verschieden. So ist Süd-Dakota bekannt für seinen Mais, im Norden wird die Landschaft dagegen von riesigen Weizen- und blühenden Rapsfeldern geprägt. Die Dakotas sind dünn besiedelt, aber sehr beliebt. Jeden Sommer erobern Harley-Fahrer die Straßen. Andere zieht es dorthin, wo das schwarze Gold verborgen liegt.

In Nebraska gibt es große Ebenen, endlose schnurgerade Straßen, gigantische Maisfelder, beeindruckende Türme aus Fels, deren Gipfel bis in die Wolken ragen, außerdem Strände, die niemand in der Prärie vermuten würde und ganze Herden, die seit Jahrtausenden durch das amerikanische Landesinnere streifen. Die endlosen Weiten des Landes inspirierten eine Siedlerin dazu, ihre heute weltbekannten Geschichten über das Leben im Grenzgebiet zu verfassen und brachten einen Farmer dazu, eine Technologie zu entwickeln, die in der großen amerikanischen Wüste fruchtbare Kreise entstehen ließ. In der größten Stadt des Staates machte ein gerissener Investor seine ersten Geschäfte, er zählt heute zu den reichsten Männern der Welt. Die Menschen in Nebraska haben große Triumphe gefeiert und unermessliches Elend erlebt. Hier wurde ein Indianerstamm gewaltsam ins Exil getrieben, Sandstürme haben vielen ihr Zuhause genommen und furchteinflößende Tornados verwüsten auch heute noch ganze Gegenden. Aus der Luft scheint die Schönheit von Nebraskas großen Ebenen endlos. Von zerfurchtem Ödland, wo zu Urzeiten erstaunliche Kreaturen weideten, über Flusstäler, wo immer noch die Spuren derer zu finden sind, die in den Westen zogen, bis zu den meilenweiten Prärien, in denen der amerikanische Büffel noch heute umherzieht.

Für die Bewohner von Iowa ist ihre Heimat das Paradies auf Erden. Es ist ein grünes fruchtbares Land, soweit das Auge reicht, eine einzigartige Tierwelt. Die Menschen arbeiten zwar hart, können aber ihr Leben auch genießen. Heute lassen sich in Iowa junge Literaturtalente inspirieren, Nachwuchsforscher suchen nach neuen Wegen, die Welt von morgen zu ernähren und Jünger eines indischen Gurus nach innerer Erleuchtung unter goldenen Dächern. Touristen bewundern eines der schönsten Rathäuser der USA und Kinobesucher weltweit rührte Clint Eastwoods Iowa-Romanze „Die Brücken am Fluss“ zu Tränen. Auch ein Kinoerfolg von Kevin Costner ist eine Hommage an Iowa und Baseball. Doch wer aus Iowa kommt weiß auch ohne Hollywood, wieviel Schönheit dieses Fleckchen Erde zu bieten hat.

Man weiß nie, was man in Missouri alles aus der Luft entdecken kann. Wenn man über das Wasser des Big Muddy rast, auf Felder hinabschaut, die von ganz oben wie riesige Kunstwerke aussehen oder mit einem der anmutigsten Geschöpfe der Welt über den Mississippi fliegt. Aber die Schönheit Missouris täuscht. In diesem Bundesstaat hat einer der schlimmsten Wirbelstürme in der Geschichte der USA eine ganze Stadt verwüstet und schwere Erdbeben ließen Siedler Todesängste ausstehen. Ein Polizeieinsatz endete in einer Tragödie und führte zu Protesten im ganzen Land. In Missouri sammelte Mark Twain die Inspirationen, die ihn zu einer literarischen Legende machen sollten. Und hier endete der Freiheitskampf eines Sklaven in einem Urteil, das ein Auslöser für den Bürgerkrieg wurde. Der Bundesstaat Missouri wird von zwei Großstädten flankiert, St. Louis im Osten und Kansas City im Westen. Hier trafen die beiden großen Baseball-Mannschaften des Bundesstaates im Meisterschaftsfinale aufeinander und es kam einem Zeichner zum ersten Mal die Idee zu einer Maus namens Mickey.

Alaska ist der Ort, in dem die Menschen zum ersten Mal amerikanischen Boden betreten haben. Es ist ein wildes Land, das von jeher Außenseiter angelockt hat. Seine Seen bilden Fenster in ferne Welten. Aus den Tiefen erheben sich riesige Kreaturen und ziehen durch die eisigen Lüfte. Jahrhundertelang sind Tausende Alaskas Ruf der Wildnis gefolgt. Im 18. Jahrhundert waren es russische Händler, die sich Reichtum vom Pelzhandel versprachen. Hundert Jahre später erklommen hoffnungsvolle Schatzsucher einen Pfad, der als die härtesten 32 Meilen der Welt bekannt ist. Heute suchen sie mit dem Helikopter nach Kupfer, Silber und Gold. Viele kommen nach Alaska, um dort die Einsamkeit zu genießen, andere wollen die Geheimnisse unseres Planeten erforschen oder über Landschaften gleiten, die man in niedrigeren Breitengraden nicht finden kann. Aber Alaskas Postkartenidylle birgt auch Gefahren. Nach der Überquerung eines Flusses ergab sich ein junger Überlebenskünstler seinem Schicksal. Auch das Experiment eines jungen Paares, zusammen mit einem Raubtier zu leben, fand hier ein schauriges Ende. Doch noch heute wagen sich manche auf die Reise über Tausende Meilen gefrorener Wildnis in der Hoffnung, das letzte große Rennen der Welt zu gewinnen.

Ganz gleich, wo man in Amerika reist, manchmal sind gerade die kleinen, unbekannten Straßen die besten. Gemeinsam mit dem Smithsonian Magazine wurden Kleinstädte gesucht, die herausstechen. Es sind historische Orte am Mississippi, moderne Kunst im westlichen Texas, Denkmäler an der Küste Oregons und Schlachtfelder in West Virginia. Diese Orte haben herausragende Persönlichkeiten hervorgebracht, Künstler inspiriert und Forscher begeistert. (22.11.2018)