Tigermilch

Die deutsche Schriftstellerin Stefanie de Velasco ist in Oberhausen geboren. Sie ist die Tochter spanischer Einwanderer. Studiert hat sie Politikwissenschaft und Europäische Ethnologie. Beiträge von ihr sind regelmäßig im Berliner Stadtmagazin Zitty zu lesen. Mit „Tigermilch“ hat sie ihren Debütroman geschrieben, der nun verfilmt wurde und der von einem Berliner Sommer erzählt.

Jameelah und Nini sind beide 14 Jahre alt. Seit ihrer Kindheit sind sie befreundet. Jetzt steht der Sprung in das Leben bevor. Anders betrachtet sind sie schon mittendrin. Beide Mädchen besitzen eine unterschiedliche Herkunft. Schließlich wurde Nini in Deutschland geboren. Dagegen hat Jameelah einen irakischen Pass und spürt in sich das heiße Verlangen nach der Anerkennung als Deutsche. Allerdings tut die unterschiedliche Herkunft ihrer Freundschaft nichts, da ihr Leben von Unzertrennlichkeit und Unbesiegbarkeit bestimmt ist. So besuchen die Mädchen die gleiche Schule. Auch besitzen die Mädchen eine zeitweilig stärker oder geringer ausgeprägte rebellische Neigung. In der Pause ziehen sie sich gern das Klo zurück. Dort haben sie Gelegenheit, sich ihr Lieblingsgetränk zu mixen. Dabei handelt es sich um Tigermilch, die sich aus Maracujasaft, Milch und Mariacron zusammensetzt.

Jetzt soll es nur noch wenige Wochen dauern, bis die Entscheidung über den Antrag auf Einbürgerung von Jameelah und ihrer Mutter entschieden wird. Doch im Moment ist Sommer, so dass auch die Ferien nicht mehr lange auf sich warten lassen. So ziehen die Mädchen in der Stadt umher und spüren im Freibad die Liebe auf sich zukommen. Außerdem lieben sie es, Wörter knacken zu spielen. Beispiele sind Nachtschicht und Nacktschicht.

Zugleich handelt es sich bei diesem Sommer endlich um die Jahreszeit, in der es endlich passieren soll. Daher soll es zu einer Übung für den Ernstfall kommen. Das soll ausgerechnet auf der „Kurfürsten“ geschehen, die bekannt dafür ist, dass die Professionellen dort stehen. Aus diesem Grund veranstalten sie eines Abends einen Liebeszauber und beobachten etwas, dass ihre Welt komplett verändert.

Im Hinblick auf die erhoffte Einbürgerung von Jameelah kommt es zu einer negativen Entscheidung. Sie hat zwar trotz ihres irakischen Passes schon immer in Deutschland gelebt. Trotzdem soll sie das Land verlassen.

 

Im Jahr 2014 erhielt der Film eine Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Recht gut ist der Film im Hinblick auf Bonusmaterial bestückt. So gibt es neben dem Making of den Beitrag „Hinter den Kulissen“. Außerdem enthält die Disk „Deleted Scenes“ und Interviews. Als weiteres Bonusmaterial gibt es einen Trailer sowie das Musikvideo Kicker Dibs „Sterne oder Häuser“.

 

Hat man Kinder wünscht man ihnen mit Sicherheit, dass sie so lange sie es können, ein unbeschwertes Leben führen. Dass sich diese Hoffnungen nicht immer erfüllen lassen, zeigt dieser Film deutlich. Schließlich wollen die Mädchen Spaß haben, was aber auch negative Erfahrungen bringt. Die Mädchen wissen ja noch nicht wo ihre Grenzen sind und befinden sich somit in einer Lernphase. In diesen Momenten lernen sie zudem noch eine andere Welt kennen, nämlich die der Bürokratie, da Jameelah aus dem Irak kommt. Eines Tages kommt diese Post aus dem Ausländeramt, der die Mädchen trennen wird, obwohl sie doch unzertrennlich sind. Was eben noch eine wunderschöne Welt war, droht zu scheitern und bringt die Mädchen in ihrem jugendlichen Alter an die Verständnisgrenzen. Mögen auch gesetzliche Grundlagen da sein, so kann man sie doch 13- oder 14jährigen Kindern nicht erklären. Sie kennen zwar einige Regeln, die ihnen ihre Eltern beigebracht haben, wissen jedoch nichts über Gesetze. Insofern berührt der Film Themen wie Abschiebung bei einem vollintegrierten Mädchen, die in der Schule als besonders gute Deutsch-Schülerin bekannt ist, die gesellschaftlich eine hohe Relevanz bieten und über die eine stundenlange Diskussion möglich ist. Anders ausgedrückt zeigt der Film, wie schmal der Grad zwischen Ordnung und Unordnung ist. (Marina Teuscher – 29.01.2018)