Astrid Lindgren – Kalle Blomquist, Rasmus & Co. – von Johannes Kösegi

Vier schwedische Schwarz-Weiß-Klassiker aus den 1950er Jahren

Neben Volvo und IKEA gehören die Bücher der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (1907-2002) zu den erfolgreichsten schwedischen Exportartikeln. Mit über 145 Millionen verkauften Exemplaren, davon in Deutschland etwa 20 Millionen, ist Lindgren die erfolgreichste Kinderbuchautorin der Welt. Sie erfand so bekannte Figuren wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Lotta aus der Krachmacherstraße, Ronja Räubertochter, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach oder die Brüder Löwenherz. Auch die „Kinder aus Bullerbü“ oder „Ferien auf Saltkrokan“ kennen fast alle Kinder. Astrid Lindgrens Geschichten zeichnen sich durch realistische und fantastische Elemente und eine direkte Sprache aus. Sie kommen ohne den aufdringlichen pädagogischen Zeigefinger aus und begeistern in allen Kulturkreisen kleine und größere Kinder. Schon die meisten Kinder im Vorschulalter, die noch nicht lesen können, kennen die Lindgren-Helden aus den originellen und gut an den Buchvorlagen orientierten Verfilmungen aus Schweden. Passend zu den beginnenden kälteren und kürzeren Tagen und der Weihnachtszeit bringt Universum Film eine echte Rarität heraus, die nicht nur Schweden- und Lindgren-Fans begeistern wird. Erstmals sind vier schwedische schwarz-weiße Originalverfilmungen aus den 1950er Jahren über die Abenteuer des Meisterdetektivs Kalle Blomquist auch in Deutschland auf DVD erhältlich. Was der Doppel-Box leider fehlt, ist die schwedische Original-Tonspur. Das ist aber der einzige kleine Wermutstropfen bei dieser deutschen Erstveröffentlichung mit insgesamt 323 Minuten Laufzeit. Regie führten Stig Olin, Olle Hellbom, Rolf Husberg, als Darsteller sind zu sehen Leif Nilsson, Eskil Dalenius, Lars-Erik Lundberg, Peder Dam, Sven Almgren und Ake Grönberg.

In „Kalle Blomquist lebt gefährlich“ (1953) ist Eva-Lotta die einzige Zeugin in einem Mordfall. Der Mörder versucht, auch sie zum Schweigen zu bringen. Am Ende gelingt es Eva-Lotta, Kalle Blomquist und Anders, den gefährlichen Mörder zu überführen. In „Kalle Blomquist – Sein schwerster Fall“ (1957) jagen, wenn es um die Ehre geht, Kalle, Anders und Eva-Lotta ihre Rivalen auch einmal quer über Zäune, Hausdächer und sogar zum unheimlichen Spukschloss. Schließlich sind sie die tapferen Ritter der „Weißen Rose“. Dabei ist ihr Mut gefragt, als beim Spukschloss ein Mord geschieht. Und zum guten Ende führt Kalle die Polizei auf die richtige Spur. In „Kalle und das geheimnisvolle Karussell“ (1956) antwortet Kalle „Liebe und Elend“, als Pontus ihn fragt, was mit seiner großen Schwester Britta los sei, denn die hat Liebeskummer. So müssen die beiden nachts ausrücken und sich in ein fremdes Haus schleichen, um eine Fotografie aus der Brieftasche des jungen Barons von Rencken zu holen. Aber nicht nur Kalle und Pontus sind nachts unterwegs. Zu allem Unglück wird die Stadt gerade in diesen Tagen von Silberdieben heimgesucht. Der kleine Dackel Toker macht die beiden auf die Diebe aufmerksam und setzt damit das Karussell in Gang. In „Rasmus und der Vagabund“ (1955) reißt der kleine Held aus einem Waisenhaus in Västerhaga aus. Er will sich auf eigene Faust Adoptiveltern suchen und lernt dabei zufällig den Landstreicher Oskar kennen. Beide führen zusammen ein ruhiges Vagabundenleben, bis sie in einen Kriminalfall hineingeraten.

Neben der größeren Authentizität als in manchen späteren Verfilmungen spielen für Schweden-Kenner auch historische Begebenheiten eine Rolle. So gab es damals in Schweden noch Linksverkehr, der erst am 3. September 1967 auf Rechtsverkehr umgestellt wurde. Die Filme erinnern auch etwas an die Heimatfilme aus Deutschland und Österreich, die in dieser Zeit Hochkonjunktur hatten. Der kindliche Blick auf die Welt, den sich auch Erwachsene noch gönnen sollten, macht diese filmischen Highlights zu einem Vergnügen für alle Generationen.