Neuer Ratgeber „Meine Laborwerte“ von der Stiftung Warentest – Medizinische Befunde selbst entschlüsseln

Fast jeder, der es schon einmal im Krankenhaus oder in einer Praxis mit einem Arzt zu tun hatte, hinterließ dort eine Blutprobe für labordiagnostische Zwecke. Nach einigen Tagen wird dem Patienten dann vom Arzt ein Ausdruck mit vielen Abkürzungen und Zahlenwerten überreicht, der über Wohl und Wehe des Untersuchten wichtige Aussagen macht. Die meisten stehen ziemlich ratlos diesen vielen Zahlen gegenüber, möchten aber gerne wissen, wie es um sie steht. Da der Arzt meist aus zeitlichen oder anderen Gründen nur selten ausführliche Interpretationen zur Auswertung der Zahlen gibt, bleibt dem Patienten nichts anderes übrig, als sich selbst darüber zu informieren. Die Stiftung Warentest hat dafür den nützlichen Ratgeber „Meine Laborwerte“ herausgebracht. Er passt fast in jede Westentasche und informiert notfalls gleich in der Arztpraxis über die wichtigsten Parameter einer Labordiagnose. So kann man im Zweifelsfall gleich beim Arzt einen Rat einholen.

Das große und kleine Blutbild nehmen den Hauptteil des Ratgebers ein. Die Blutwerte gehören zu den ersten Routineuntersuchungen, mit denen der Arzt einen groben Überblick über den Gesundheitszustand erhält. Der Ratgeber von der Diplom-Psychologin Claudia-Viktoria Schwörer erklärt zunächst, wie ein normaler Bericht aufgebaut ist. So stehen am Anfang immer die Parameter wie Erythrozyten, Hb oder MHC, gefolgt von eingeklammerten Zahlwerten mit Maßeinheiten, die die Referenzwerte darstellen. Dann folgen die eigenen Werte, jeweils mit Plus oder Minus versehen, falls sie außerhalb des Referenzbereichs liegen, wobei diese Bereiche individuell sehr unterschiedlich ausfallen können. In einem eher theoretischen, aber interessanten Kapitel werden die wichtigsten Begriffe über Blut mit seinen Bestandteilen und Funktionen, Stoffwechsel und Zellphysiologie erklärt.

Außerdem werden ausführlich die einzelnen Bestandteile eines Blutbildes und Differentialblutbildes vorgestellt. Im kleinen Blutbild werden die festen Bestandteile des Blutes erfasst, dazu gehören die roten und weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen. Außerdem wird der Hämatokrit bestimmt, das ist der prozentuale Anteil der zellulären Blutbestandteile. Anhand der verschiedenen Erythrozytenindizes lässt sich erkennen, ob eventuell eine Anämie vorliegt. Ist die Anzahl der Leukozyten außerhalb des Referenzbereiches, kann ein Differentialblutbild zeigen, welche Unterform der weißen Blutkörperchen genau betroffen ist. Somit lassen sich Störungen im Immunsystem, Infektionen oder Vergiftungen erkennen. Das kleine Blutbild und Differentialblutbild zusammen ergeben das große Blutbild, das nähere Auskunft über die Beschaffenheit der Blutzellen gibt. Bei zusätzlicher Untersuchung des Blutplasmas und Serums lassen sich viele weitere Bestandteile untersuchen. Diese Werte werden nicht routinemäßig, sondern nur nach medizinischer Notwendigkeit erhoben. So werden etwa zur Vorsorge von Herzinfarkten die Cholesterinwerte untersucht, bei Verdacht auf eine Anämie der Ferritinwert oder der Rheumafaktor bei rheumatischen Erkrankungen. Viele weitere wichtige Bestandteile des Blutes, etwa Proteine, Lipide, Enzyme, Mineralien und Hormone, werden in einem abschließenden Kapitel alphabetisch vorgestellt.

Fazit: Dieser nützliche Ratgeber füllt eine wichtige Lücke der medizinischen Laienliteratur und liefert viele nützliche Informationen. Was bedeuten Abkürzungen wie EOS, FSH oder MCH und die Zahlen in Klammern dahinter? Was sind Referenzbereiche und was sagt der persönliche Laborwert aus? Der Ratgeber der Stiftung Warentest „Meine Laborwerte“ hilft dabei, den Code zu entschlüsseln. Um als medizinischer Laie Laborberichte richtig lesen und verstehen zu können, benötigt man Hilfe, die Ärzte aus Zeitmangel oft nicht geben. Was sind normale Werte, was heißen zu hohe oder zu niedrige Werte, denn nicht alles spricht gleich für eine Krankheit. Dazu wird ausführlich erläutert, welche Krankheiten man über Laborwerte identifizieren kann und was man tun kann, um seine Werte wieder zu verbessern. (Johannes Kösegi – 07.04.2014)

Der Ratgeber „Meine Laborwerte“ der Stiftung Warentest (ISBN 978-3-86851-142-0) hat 143 Seiten und ist zum Preis von 9,90 Euro im Buchhandel oder online unter www.test.de/laborwerte erhältlich.