„The Producers – Frühling für Hitler“ von Mel Brooks von Johannes Kösegi

Erstmals auf Blu-ray Disc als 50th Anniversary Edition

Ähnlich wie sein Landsmann Charly Chaplin schlüpft der britische Komiker Mel Brooks gerne in die Haut seines größten Feindes. Immer wieder spielte er in seiner Karriere Adolf Hitler. In seinem preisgekrönten Debütfilm „The Producers – Frühling für Hitler“ von 1968 leiht er Hitler seine Stimme und singt ironisch „Sei clever und kein Blödian, schließ dich schon den Nazis an.“ Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums erscheint diese typisch britische Satire aufwändig in 4K restauriert bei StudioCanal erstmals auf Blu-ray Disc. Zu den 88 Minuten des Films kommen noch viele Extras, dazu Fragen und Antworten mit dem inzwischen 92-jährigen Mel Brooks beim TCM-Festival 2018, das Making-of, Paul Mazursky liest Peter Sellers Liebesbrief an „The Producers“, Zero Mostel zu Gast bei der TV-Show „Tempo“ (1966), geschnittene Szenen, Soundtrack-Parodie, Fotogalerie und ein exklusiver 50th Anniversary Trailer.

Diese urkomische, respektlose Persiflage auf die Broadway-Unterhaltung wurde mit dem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichnet und belegt den 11. Platz in der Liste der 100 witzigsten amerikanischen Filmkomödien aller Zeiten des American Film Institute.

Vorbild für Mel Brooks‘ Erstlingswerk waren die Nazi-Parodien „Der große Diktator“ (1940) von Charlie Chaplin und „Sein oder Nichtsein“ (1942) von Ernst Lubitsch. Brooks rechnete mit fast allem ab, was in der Film- und Theaterbranche bedeutend war: exzentrische Produzenten, eitle Darsteller, snobistische Kritiker. Mit Leo Bloom, dem neurotischen Buchprüfer mit seiner Sehnsucht nach Ruhm, Magie und dem Glamour des Showgeschäfts schuf er sich sein Alter Ego. Die Rolle des Max spielt der bekannte Theater- und Filmschauspieler Zero Mostel, der für seine Bühnendarstellung des Tevje in dem Musical „Anatevka“ den Tony Award bekam. Für Gene Wilder war die Rolle des Leo Bloom der zweite Auftritt im Kino und gleichzeitig sein Durchbruch als Komiker.

Der früher erfolgreiche Broadway-Produzent Max Bialystock hat in der letzten Zeit nur Flops produziert und braucht einen neuen Hit, um zu überleben. Zu allem Übel stellt der Buchprüfer Leo Bloom einen Abrechnungsfehler in den Unterlagen des Produzenten fest. In dieser verzweifelten Lage kommt Leo die Idee, von alten Damen eine Million Dollar zu sammeln, um ein Stück zu produzieren, das so schlecht ist, dass es bereits bei der Premiere durchfällt. Mit dem Rest des Geldes wollen sich die beiden ein schönes Leben gönnen. Mit „Frühling für Hitler- Das fröhliche Treiben von Adolf und Eva in Berchtesgaden“ finden sie das schlechteste Stück aller Zeiten, geschrieben von Franz Liebkind, einem Ex-Nazi, der seinen Stahlhelm sogar mit ins Bett nimmt. Regisseur Roger De Bris, der bisher nur Pleiten inszenierte, soll das Musical inszenieren und mit schlechten Schauspielern auf die Bühne bringen. Zur Überraschung aller wird das Stück jedoch ein Hit.

Diese zeitlose Politsatire ist voller witziger Einfälle und wirkt auch heute noch unverbraucht. Der am 28. Juni 1926 in Brooklyn/New York geborene Mel Brooks (eigentlich Melvyn Kaminsky) machte nach diesem erfolgreichen Erstlingswerk später durch originelle Genreparodien auf sich aufmerksam, darunter „Frankenstein Junior“ (1974) und „Spaceballs“ (1987). Er produzierte auch Filme anderer Regisseure, darunter David Lynchs „Der Elefantenmensch“ (1980) und die Verfilmung seines Musicals „The Producers“ (2005) unter der Regie von Susan Stroman.